Alternative Methoden
Als Ergänzung: Psychodynamik, Bewegungstherapie und Paarberatung
Psychodynamik, Bewegungstherapie, Paarberatung - neben der Verhaltenstherapie gibt es eine Vielzahl anderer Verfahren zur Therapie depressiver Störungen. Da ihre Wirksamkeit aber nicht belegt ist, sollten sie nur als zwar sinnvolle aber ergänzende Maßnahmen eingesetzt werden.
Belastbarkeit und Widerstandskraft lassen sich auch mit anderen Reizen trainieren, die individuell und schrittweise gesteigert werden. Dazu zählt auch Sport.
Bewegungstherapie Sport macht glücklich
Sportmediziner betonen, dass sich die Symptome von Depressionen mit körperlicher Aktivität dramatisch verbessern lassen. Denn: Sport setzt im Körper Botenstoffe, die entspannen und die Stimmung heben, frei. Als geeignet erweisen sich immer wieder die klassischen Ausdauersportarten wie Walking, Jogging, Radfahren und Schwimmen. Fachlich angeleitetes Walking oder Gruppengymnastik bei Depressionen gilt als wichtige Ergänzung zur Psycho- und Arzneitherapie. Ungeeignet ist sie nur für Patienten mit schweren internistischen und/oder neurologischen Begleiterkrankungen. Zudem benötigen Schwerdepressive zunächst eine Einzeltherapie. Gründliche Voruntersuchungen sind daher ebenso nötig wie regelmäßige Kontrollen.
Forscher der Duke University in Durham/North Carolina fanden ferner heraus, dass es zwischen Sport und dem Risiko der Rückfälligkeit ein Umkehrverhältnis" gibt. Je mehr Sport, um so geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die depressiven Symptome zurückkehren", so der Psychologe James Blumenthal. Dabei spiele möglicherweise eine Rolle, dass der Patient eine aktive Rolle" im Genesungsprozess übernimmt, was ein Gefühl von Kontrolle und Erfolg" vermittelt.
Ergotherapie mit Kreativität zu mehr Wohlbefinden
Die heilende Kraft der Kreativität wird in der Therapie der Depression und anderer psychischer Erkrankungen in vielfältiger Weise zusätzlich zur Psycho- und Arzneitherapie eingesetzt. Ergotherapie - eine handlungs- und personenorientierte Beschäftigungstherapie dient zusammen mit kreativen Elementen der Verbesserung von Motorik, Stimmung und Antrieb, der Förderung der Phantasie, aber auch der Stärkung des Selbstvertrauens, der Beruhigung und dem Training sozialer Kompetenz.
Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie nach C. Rogers
Bei der Gesprächspsychotherapie nach C. Rogers wird der Patient ermuntert, frei und offen über alles zu sprechen, was ihn beschäftigt und belastet. Der Therapeut verdeutlicht und verbalisiert die begleitenden Gefühle, ohne Ratschläge und Hinweise zu geben. Er deckt Widersprüchlichkeiten auf und hilft dem Patienten dabei, sich zu entfalten, Selbstverantwortung zu übernehmen sowie offen mit neuen Erfahrungen umzugehen. Die Gesprächstherapie kann für Patienten mit weniger schweren Depressionen wertvoll sein, insbesondere für jene, die sozial isoliert sind oder eine schlechte Partnerbeziehung haben. So sprechen z.B. depressive Menschen mit Eheproblemen und Frauen mit einer Wochenbettdepression gut auf eine Gesprächstherapie an.
Paar-/Familientherapie Seite an Seite nach vorne
Der Langzeitverlauf depressiver Erkrankungen scheint erheblich von der Qualität und den Eigenarten der Beziehungen zu den Angehörigen und Lebenspartnern abhängig zu sein. In der 1999 abgeschlossenen Heidelberger Depressionsstudie" wurden Partner zu ihrer Einstellung den depressiven Angehörigen gegenüber befragt. 18.000 Interaktionen zwischen Patienten und Ehepartnern wurden dafür untersucht. Dabei zeigte sich, dass Paare mit einem depressiven Partner, die ein gewisses Maß an Aggressivität und konflikthafter Auseinandersetzung zulassen, die deutlich bessere Prognose haben als Paare, die ein starkes Harmoniebedürfnis besitzen. Diese Befunde, so Prof. C. Mundt von der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg, haben wichtige Konsequenzen für die Psychotherapie der Depression. Eine Besserung der Konfliktfähigkeit, ein Abbau von Ausweich- und Vermeidungsverhalten gegenüber Gegensätzlichkeiten kann paartherapeutisch helfen, die Rückfallrate in eine Depression zu senken.
Psychodynamisch fundierte Kurzzeittherapie
In der zu den psychoanalytischen Verfahren gehörenden Behandlung sitzen sich Patient und Therapeut gegenüber. Nach einer Probesitzung, in der der Betroffne von seiner Symptomatik, Lebenssituation und seinen Beziehungen berichten soll, erhebt der Therapeut in mehreren Sitzungen eine ausführliche Anamnese, in der es um zwei zentrale Aspekte geht:
- die subjektive Sicht der Lebensgeschichte
- die Identifizierung eines oder mehrerer dazu abgrenzbarer Konflikte
Daraus entwickelt der Therapeut eine Grundeinschätzung des psychischen Zustands und Verhaltens des Patienten. Er fördert aktiv das Gespräch und versucht, die Gesamtentwicklung oder Beziehungsfähigkeit des Patienten durch die Bearbeitung des Konflikts zu ändern. Die Kurztherapie nimmt etwa zwölf Sitzungen in Anspruch.


