Winterdepression
Mit Melatonin dem Biorhythmus ein Schnippchen schlagen
Es klingt zunächst abwegig: Mit einem Hormon, dass die Winterdepression auslöst, soll man dieselbe nun bekämpfen können. Doch amerikanische Forscher sind sich sicher: Melatonin bringt Licht in dunkle Wintertage. Freiwilligen Studienteilnehmern wurde jeweils am Nachmittag eine kleine Dosis des Hormons verabreicht, was ihre Stimmung deutlich verbesserte.
Wie ihr Name bereits sagt, tritt die Winterdepression vor allem in den dunklen Wintermonaten auf und wird deswegen auch saisonal abhängige Depression, kurz SAD, genannt. Gerade Bewohner der gemäßigten Breitengrade sind betroffen, da hier die Tageslänge im Laufe eines Jahres erheblich schwankt. Experten gehen davon aus, dass das Melatonin für die schlechte Gemütsverfassung verantwortlich ist. Aufgrund der Dunkelheit kann es nicht abgebaut werden. Als Folge davon können Schlafstörungen, Müdigkeit und eben eine Depression auftreten. Zur Behandlung wurde bisher erfolgreich Kunstlicht am Morgen eingesetzt.
Einige Wissenschaftler vermuten nun, dass die Winterdepression durch die späteren Sonnenaufgänge im Winter ausgelöst wird. Dadurch verschiebe sich der gesamte Biorhythmus gegenüber der Uhrzeit. Durch Kunstlicht könne diese Verschiebung am Morgen korrigiert werden. Da Melatonin dem Körper Dunkelheit signalisiert, müsste derselbe Effekt eintreten, wenn statt des Kunstlichts am Morgen, eine Dosis Melatonin am Abend verabreicht werde, vermutete das Team um Alfred Lewy.
Ihre Studie mit 68 Freiwilligen, die unter einer Winterdepression litten, gab ihnen Recht. Ein Teil der Studienteilnehmer erhielt Nachmittags eine kleine Dosis Melatonin, während die Kontrollgruppe ein wirkstofffreies Placebo erhielt. Die Auswertung kam zu einem eindeutigem Ergebnis: Bei Patienten, die die Melatonin-Dosis erhielten, verbesserte sich die Stimmungslage am stärksten. Damit fühlen sich die Wissenschaftler in ihrer These, die Winterdepression werde durch den verspäteten biologischen Tagesrhythmus ausgelöst, bestätigt.


