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Phytopharmaka

Mit Johanniskraut gegen Depressionen

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen ist Johanniskraut der Klassiker unter den pflanzlichen Antidepressiva. Um eine ausreichende Wirkung zu erzielen, sind allerdings Dosierungen von mindestens 900 mg Extrakt täglich notwendig. Zudem sollte nur auf Präparate guter Qualität zurückgegriffen werden.

Seit dem Altertum ist Johanniskraut (Hypericum perforatum) als Heilpflanze bei nervöser Unruhe und Übererregtheit bekannt. Seit einigen Jahren werden Hypericum-Präparate auch bei leichten und mittelschweren Depressionen erfolgreich eingesetzt. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit. Verantwortlich dafür scheint nicht die Leitsubstanz Hypericin zu sein, sondern das Hyperforin. Dieser Inhaltsstoff hemmt dosisabhängig die Wiederaufnahme von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin – wirkt also als eine Art „Breitband-Wiederaufnahmehemmer". Langfristig führt Hyperforin auch zu Veränderungen auf Ebene der Rezeptoren und entspricht damit in seiner Wirkweise der synthetischer Antidepressiva.

900 Milligramm täglich

Entscheidend für die richtige Wirkung ist eine hochdosierte Form: Die belegte Wirksamkeit bezieht sich auf Dosierungen von mindestens 900 mg Extrakt täglich.

Die milde Wirkung, das geringe Nebenwirkungsprofil und die natürliche Herkunft pflanzlicher Arzneimittel – Phytopharmaka oder kurz „Phytos" genannt – sind gern genannte Argumente, um sich bei der antidepressiven Therapie für sie zu entscheiden. Dennoch betonen Experten: Nicht alle Präparate sind gleichermaßen wirksam, verträglich und nebenwirkungsarm. Erst Kenntnisse über Zubereitungsform und Inhaltsstoffe erlauben Aussagen zum Verbrauchernutzen. Dafür gibt es klare gesetzliche Vorgaben. Rechtlich sind Phytopharmaka Arzneimittel, die als wirksame Stoffe Zubereitungen aus Pflanzenteilen (Extrakte) in bestimmter Zusammensetzung und Menge enthalten müssen.

Es gilt dasselbe wie für alle Arzneien: Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität müssen stimmen. Darüber entscheiden viele Faktoren, z.B. der Standort einer Pflanze, Verarbeitungsart oder die verwendeten Pflanzenteile. Johanniskraut beispielsweise wird nur aus dem blühendem Kraut hergestellt.

Extrakt ist nicht gleich Extrakt

Pharmazeutische Hersteller, die aus blühendem Johanniskraut einen einwandfreien (Roh)Extrakt gewinnen wollen, haben jede Menge zu beachten. Etwa, dass sie es immer mit einer Mixtur aus vielen Substanzen zu tun haben – aus Hauptwirkstoffen, Begleitstoffen und giftigen oder nicht klar identifizierbaren „Ballaststoffen". Solche Komplexität macht es schwierig, die Wirkung eines Extrakts für jede Einzelsubstanz aufzuschlüsseln, da einzelne Stoffe oft anders oder schwächer wirken als die Summe. Somit kommt es bei der Verarbeitung auf eine ausgewogene, gleich bleibende Konzentration aller erforderlichen Substanzen an. Der Fachmann spricht von Standardisierung. Um den Anspruch an die richtige Dosierung zu erfüllen, gehen manche Produzenten noch weiter. Sie verarbeiten Rohextrakte zu Spezialextrakten, indem sie Hauptsubstanzen anreichern und/oder unklare Stoffe eliminieren. Außerdem haben sie die Wirksamkeit und Sicherheit ihrer Präparate wissenschaftlich nachgewiesen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Wie bedeutsam Information im Zusammenhang mit der gleichzeitigen Einnahme anderer Arzneien ist, zeigen jüngste Daten. Danach scheint Johanniskraut die Wirkung anderer Präparate zu reduzieren. Es kann z.B. verhindern, dass Blutgerinnungshemmer vor Thrombose schützen. Deshalb: Achten Sie auch auf Warnhinweise auf den Beipackzetteln.


Autor: Springer Medizin
Stand: Oct 5, 2006


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