
Gesundheitsfaktor Arbeit
Rückkehr in den Beruf hilft psychisch Kranken auf die Beine
Für die meisten Menschen ist die Bestätigung im Beruf eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Leben. Psychisch kranke Menschen profitieren ganz besonders von einer Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag. Dies zeigt eine Studie, die vor kurzem mit dem Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie ausgezeichnet wurde.
In der Studie, die das Bundesforschungsministerium und die Deutsche Rentenversicherung gemeinsam finanziert haben, wurde untersucht, welche Auswirkungen eine berufliche Rehabilitation auf Menschen mit psychischen Erkrankungen hat.
An zwei ambulanten Reha-Einrichtungen in Sachsen-Anhalt wurden 106 Probanden ausgewählt, die grundsätzlich als arbeitsfähig eingestuft wurden. Sie waren zwischen 19 und 65 Jahre alt und litten zu je einem Drittel an Depressionen, Schizophrenie oder sonstigen psychischen Störungen wie etwa Ängsten. Drei Viertel von ihnen hatten eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Die Teilnehmer erhielten ein Jahr lang gezielte Rehabilitationsmaßnahmen, die sie auf einen Einsatz am Arbeitsplatz vorbereiteten. Dazu entwickelten erfahrene Therapeuten Trainingseinheiten, in denen die Studienteilnehmer bestimmte Situationen im Beruf zunächst trocken" innerhalb der Einrichtung proben konnten. In einer späteren Phase fanden Betriebspraktika statt.
Die Wirksamkeit der Therapie wurde in regelmäßigen Untersuchungen überprüft. Wir haben den Behandlungserfolg nicht eindimensional definiert, sondern verschiedene Aspekte berücksichtigt", so der Leiter der Studie Dr. Peter Brieger. Wichtige Gesichtpunkte waren seelischer Gesundheitszustand, Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und das Funktionieren im sozialen Umfeld. Neu war, dass identische Erhebungen bei einer Kontrollgruppe von 75 weiteren Patienten durchgeführt wurden, die unter vergleichbaren Krankheiten litten, aber kein berufsvorbereitendes Training erhielten.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Teilnehmer der Reha-Gruppe schätzten ihre Arbeitsfähigkeit nach Ablauf der Studie klar als verbessert ein und waren mit der Rehabilitationsmaßnahme sehr zufrieden. Ein Fünftel von ihnen fand im Anschluss an die Behandlung eine Arbeit. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich außerdem ein verbessertes Funktionieren im sozialen Umfeld wie auch auf beruflicher Ebene. Die Effekte waren auch noch neun Monate nach Abschluss der Behandlung nachweisbar. Nach Auffassung der Autoren sind die Ergebnisse der Studie so ermutigend, dass entsprechende Therapien ausgebaut und zum festen Bestandteil der Versorgung psychisch kranker Menschen gemacht werden sollten.





