Depression erkennen
Was ist mit Ihrem Angehörigen los?
Sich über die Krankheit zu informieren, ist eine erste wichtige Aufgabe für den Partner eines depressiven Menschen wie auch für dessen Angehörige und Freunde. Über die Symptome und Begleiterscheinungen einer Depression Bescheid zu wissen, fördert das Verständnis für die Situation des Betroffenen und kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden.
Ein Mensch, der uns nahe steht, zieht sich immer mehr zurück, ist durchweg traurig und niedergeschlagen, kann an nichts mehr Freude empfinden, ist dauernd kraftlos, müde und erschöpft die Wahrnehmung einer solchen Wesensveränderung löst bei Angehörigen, Freunden oder Arbeitskollegen Unsicherheit darüber aus, was mit der betreffenden Person los ist.
Fragen kommen auf: Will er nichts mehr mit mir zu tun haben? Warum wirkt er so gleichgültig und desinteressiert? Viele der Veränderungen werden dann erklärlich, wenn wir wissen, dass der Betroffene an einer Depression leidet.
Wenn Traurigkeit den Alltag bestimmt
Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die sich im Verhalten, im Gefühlsleben und auch auf körperlicher Ebene bemerkbar macht und behandelt werden muss. Die wichtigsten Symptome sind:
- Starke und überwältigende Traurigkeit und Niedergeschlagenheit
- Verlust der Fähigkeit, Freude zu empfinden bis hin zu einem Zustand der völligen Gefühllosigkeit
- Antriebslosigkeit und Verlust von Interessen
- Rückzug
- Selbstvorwürfe, Schuldgefühle und Abwertung der eigenen Person, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
- Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit, was das eigene Leben und die Zukunft angeht
- Körperliche Symptome wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit
- Auch Selbsttötungsgedanken und -absichten
Das Wissen über Depression und deren Folgen macht deutlich, dass viele der zunächst so unerklärlichen und seltsamen Veränderungen des Betroffenen ihre Ursache in der Erkrankung haben. Das vermeintliche Nichtwollen des depressiven Menschen ist in Wahrheit ein Nichtkönnen. Wenn der Betroffene auf Zuspruch oder Vorschläge für Unternehmungen nicht reagiert oder emotional wie erstarrt wirkt, so drückt sich hierin keine Gleichgültigkeit Ihnen gegenüber aus. Vielmehr sind diese innere Leere und emotionale Erschöpfung Symptome der Depression. Auch der Betroffene selbst leidet darunter.
Depressionen können lebensbedrohlich sein
Viele depressive Menschen leiden so sehr unter Traurigkeit, Selbstvorwürfen und Hoffnungslosigkeit, dass bei ihnen Selbstverletzungs- bzw. Selbsttötungsgedanken auftreten. Die Statistiken offenbaren eine erschreckende Bilanz: Fast die Hälfte aller von einer Depression Betroffenen begehen tatsächlich einen Selbsttötungsversuch und zwischen 10 und 15% aller Personen mit schweren Depressionen nehmen sich tatsächlich das Leben.
Was aber kann ich tun, wenn ich Anzeichen für Selbstverletzungs- und Selbsttötungsabsichten bei meinem Partner, bei einem Angehörigen oder einem Freund feststelle?
- Wichtige Hinweise sind Äußerungen und Aussagen des Betroffenen darüber, nicht mehr leben zu wollen, nicht mehr zu können, Schluss machen zu wollen. Nehmen Sie solche Warnsignale in jedem Fall ernst. Bagatellisieren Sie sie nicht.
- Greifen Sie die Äußerungen auf und sprechen Sie diese ausführlich und offen mit Ihrem Partner, Angehörigen oder Freund an. Gedanken und Absichten auszusprechen, die sich auf Selbsttötung beziehen, hilft dabei, dass sich der Betroffene von diesen Ideen und Gefühlen lösen und distanzieren kann.
- Reden Sie mit der betroffenen Person über ihre Ressourcen über die Personen, Dinge und Aktivitäten, die ihr Halt und Kraft geben.
- Vermitteln Sie einfühlsam Hoffnung und Zuversicht, zeigen Sie Zuwendung und Verständnis.
- Bei deutlichen Anzeichen dafür, dass sich der Betroffene etwas antun will, überzeugen Sie ihn, dass er sich zu einem Arzt begibt oder bringen Sie ihn selbst zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus.


