Darmkrebs-Früherkennung
Koloskopie zur Darmkrebs-Vorsorge künftig nur noch alle 20 Jahre?
Werden bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) des Dickdarms keine Krebsvorstufen entdeckt, reicht es möglicherweise aus, wenn die nächste Untersuchung erst in 20 Jahren stattfindet. Das ist das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).
Derzeit wird eine Darmspiegelung im Rahmen der Krebsvorsorge ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahren von den Kassen übernommen. Der Zeitabstand basiert auf Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und leitet sich aus der mittleren Dauer ab, in der aus einem Adenom (gutartige Zellwucherung) ein Karzinom (bösartiger Tumor) entstehen kann. Experten gehen für diesen Prozess von einem Zeitraum von zehn Jahren aus.
In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die in der Abteilung klinische Epidemiologie und Altersforschung des DKFZ unter der Leitung von Prof. Hermann Brenner durchgeführt wurde, werteten Wissenschaftler Daten von insgesamt 865 Personen aus 22 Kliniken aus. Eingeschlossen waren Menschen, die sich einer ersten Darmspiegelung (Koloskopie) bereits unterzogen hatten und Personen, bei denen eine derartige Untersuchung noch nicht durchgeführt worden war. Ferner befanden sich in der Koloskopie-Gruppe Studienteilnehmer, bei denen im Rahmen der ersten Untersuchung keine Darmkrebs-Vorstufen festgestellt wurden, sowie Personen mit positivem Darmkrebs-Befund.
Es zeigte sich, dass Personen ohne Krebsvorstufen bei der ersten Darmspiegelung selbst noch 20 Jahre später ein um 74% niedrigeres Risiko für Darmkrebs aufwiesen als Personen, die überhaupt keine Darmspiegelung im Vorfeld erhalten hatten. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass ein Wiederholungsintervall von 20 Jahren ausreicht, wenn bei der ersten Vorsorgeuntersuchung keine Darmkrebs-Vorstufen gefunden werden. Bei einem positiven Befund sei jedoch eine Wiederholung der Untersuchung alle drei Jahre nötig.
Auf Grundlage der vorliegenden Untersuchung die gegenwärtigen Leitlinien zu ändern, ist nach Expertenmeinung jedoch noch zu früh. Die Studienergebnisse könnten jedoch eine erneute Diskussion zu diesem Thema anstoßen.





