Therapeutin und Patientin im Gespräch

Nilotinib

Eine Option nach Imatinib

Die Zulassung des Tyrosinkinasehemmers Imatinib war ein großer Fortschritt in der CML-Therapie. Inzwischen gibt es weitere, hochpotente Medikamente, falls Imatinib nicht mehr wirkt oder nicht vertragen wird. Zu ihnen gehört Nilotinib.

Nilotinib gehört zur Gruppe der Tyrosinkinasehemmer. Es steht in Deutschland seit Anfang 2008 für die sogenannte Zweitlinientherapie der chronischen myeloischen Leukämie (CML) in der chronischen oder akzelerierten Phase zur Verfügung. Mit anderen Worten: Die medikamentöse Behandlung der CML erfolgt im Allgemeinen zunächst mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib. Bei einem kleinen Teil der Patienten ist Imatinib allerdings nicht ausreichend verträglich oder lässt im Laufe der Zeit in seiner Wirksamkeit nach. Für diese Betroffenen, die früher nur noch wenige Optionen hatten, stellt Nilotinib eine effektive Alternative dar.

Bei der nachlassenden Wirksamkeit von Imatinib spielen häufig Resistenzen, die die Tumorzellen gegen das Medikament entwickeln, eine Rolle. Nilotinib wurde speziell so entwickelt, dass es im Vergleich zu Imatinib eine noch höhere Selektivität für die bei CML überaktive Tyrosinkinase Bcr-Abl aufweist und auch bei Vorliegen von Imatinib-Resistenz wirksam ist. Darüber hinaus treten Nebenwirkungen, die zur Unverträglichkeit von Imatinib geführt haben, unter Nilotinib nur noch vereinzelt in schwerwiegender Form auf. Somit liegt zwischen Nilotinib und Imatinib eine geringe Kreuzunverträglichkeit vor.

Wie wirksam ist Nilotinib bei CML?

Die Zulassung von Nilotinib basiert auf zwei Studien, an denen Patienten mit CML in der chronischen oder akzelerierten Phase teilgenommen haben, für die eine Behandlung mit Imatinib aufgrund von unzureichender Wirksamkeit oder Unverträglichkeit keine Möglichkeit darstellte. In die erste Studie wurden 321 Patienten mit CML in der chronischen Phase eingeschlossen. Nach einer medianen Beobachtungszeit von etwa 15 Monaten wiesen 77 von 100 Patienten ein komplettes hämatologisches Ansprechen sowie 42 von 100 ein komplettes zytogenetisches Ansprechen auf. Nach einem Jahr waren 95 von 100 Studienteilnehmern noch am Leben.

An der zweiten Studie hatten 138 Patienten mit CML in der akzelerierten, also fortgeschrittenen Phase teilgenommen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug etwa 8 Monate. Hier trat bei 30 von 100 Patienten ein komplettes hämatologisches und bei 19 von 100 ein komplettes zytogenetisches Ansprechen ein. Nach einem Jahr lebten noch 81 von 100 Patienten. Damit stellt Nilotinib für Patienten, für die Imatinib keine Therapiemöglichkeit ist, sowohl in der chronischen als auch in der akzelerierten Phase eine sehr potente Alternative mit hoher Wirksamkeit dar.

Mögliche Nebenwirkungen

Obwohl sich Imatinib und Nilotinib in ihrer chemischen Struktur ähneln, weisen beide Substanzen nur eine geringe Kreuzunverträglichkeit auf. Insgesamt zeigt die Behandlung mit Nilotinib ein günstiges Nebenwirkungsprofil und eine überzeugende Verträglichkeit. Vorsicht ist allerdings geboten bei Patienten, bei denen bestimmte Veränderungen im EKG (QTc-Verlängerungen) vorliegen oder aufgrund von Herzerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten drohen, weil Nilotinib diese verstärken kann.

Die Nebenwirkungen in den Studien waren, insbesondere im Hinblick auf den Schweregrad der Erkrankung, im Allgemeinen akzeptabel. Beobachtet wurden unter anderem Hautausschläge und Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verstopfung und Durchfall. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch in der Regel gut durch Begleitmedikamente, etwa Schmerzmittel bei Kopfschmerz oder Antihistaminika bei Hautausschlägen, bessern. Die zusätzliche Einnahme von Medikamenten sollte allerdings immer mit dem Arzt abgestimmt werden, da einige Substanzen die Wirksamkeit von Nilotinib beeinflussen können. Klingen die Nebenwirkungen auf diese Weise nicht ausreichend ab, kann die Nilotinib-Therapie unterbrochen und nach Eintreten einer Besserung wieder begonnen werden.

Darüber hinaus ist es möglich, dass Nilotinib nicht nur die Vermehrung der Leukämiezellen verhindert, sondern auch die normale Blutbildung beeinträchtigt. Daher sollte der Arzt in den ersten beiden Monaten der Therapie alle zwei Wochen und anschließend weiterhin regelmäßig ein großes Blutbild erstellen. Falls sich hier Änderungen zeigen, kann es notwendig sein, die Behandlung anzupassen. Denn meistens ist die Einschränkung der normalen Blutbildung reversibel: Die Blutwerte lassen sich dann durch eine Unterbrechung der Therapie bzw. Verminderung der Dosierung wieder normalisieren.

Wie wird Nilotinib eingenommen?

Die empfohlene Dosierung von Nilotinib beträgt 400 mg zweimal täglich. Nilotinib sollte alle zwölf Stunden - also morgens und abends - in Form von zwei Kapseln zu je 200mg eingenommen werden. Die Patienten schlucken die Kapseln unzerkaut mit Wasser. Sie sollten zwei Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme nichts essen, da die Nahrungsaufnahme die Wirkstoffmenge des Medikamentes im Blut beeinflusst. Medikamente und Grapefruitsaft können ebenfalls diesen Effekt haben. Daher sollten Patienten ihren behandelnden Arzt nach möglichen Wechselwirkungen fragen und ihn über jegliche Art der Begleitmedikation informieren.null

Patienten, die Nilotinib erhalten, können ihre Behandlung demnach zu Hause durchführen und ihr normales Alltagsleben weiterführen. Für den Erfolg der Therapie ist es allerdings sehr wichtig, das Medikament sehr zuverlässig jeden Tag in der verordneten Dosierung einzunehmen. Denn jede Unterbrechung birgt die Gefahr, dass die CML wieder aufflammt und anschließend weniger gut auf die Therapie anspricht. Daher sollte die Einnahme nie eigenmächtig unterbrochen werden - etwa, weil das Befinden so gut ist oder Nebenwirkungen aufgetreten sind. Diese Entscheidung muss immer der behandelnde Arzt - gemeinsam mit dem Patienten - treffen und entsprechend begleiten. Vergisst ein Patient die Einnahme der Kapseln, so sollte er diese nicht nachholen, sondern zum nächsten Einnahmezeitpunkt wieder die verschriebene Dosis anwenden.


Quelle: Nach Informationen der Fachzeitschrift "Blood", aktuellen Kongressbeiträgen und der Fachinformation zum Wirkstoff Nilotinib, Stand November 2007
Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 18, 2008


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