Labor - Reagenzglas mit Blut

Dasatinib

Eine Möglichkeit nach der Imatinib-Therapie

Die medikamentöse CML-Therapie beginnt in der Regel mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib. Wenn er keine Möglichkeit zur Behandlung der CML darstellt, gibt es - neben Nilotinib - mit Dasatinib eine weitere Alternative.

Wie Imatinib und Nilotinib gehört auch Dasatinib zur Gruppe der Tyrosinkinasehemmer. Anders als die beiden erstgenannten Wirkstoffe wirkt Dasatinib allerdings auf eine Reihe weiterer Enzyme aus einer speziellen Kinase-Familie, deren Bedeutung bei CML bislang unklar ist.

Dasatinib steht in Deutschland seit Ende 2006 für Patienten mit CML in allen Phasen zur Verfügung, wenn andere medikamentöse Behandlungen inklusive Imatinib keine Option darstellen. Denn die Zulassung von Imatinib 2001 hatte die CML-Therapie zwar deutlich verbessert, doch bei einem kleinen Teil der Patienten ist die Substanz nicht ausreichend verträglich oder lässt im Laufe der Zeit in seiner Wirksamkeit nach. Für diese Betroffenen, die früher nur noch wenige Therapiemöglichkeiten hatten, stellt Dasatinib eine Alternative dar.

Wie wirksam ist Dasatinib bei CML?

Die Wirksamkeit von Dasatinib bei Patienten mit CML, bei denen Imatinib aufgrund von mangelnder Wirksamkeit oder Unverträglichkeit nicht eingesetzt werden konnte, ließ sich unter anderem in drei Studien belegen. Aufgrund unterschiedlicher Aufnahmekriterien und unterschiedlich langer Nachbeobachtungszeit lassen sich die Studienergebnisse nicht mit denen von Nilotinib vergleichen. An der ersten Studie nahmen 387 Patienten mit CML in der chronischen Phase teil. Nach zwei Jahren Beobachtungszeit wiesen 87 von 100 Patienten ein vollständiges hämatologisches Ansprechen und 52 von 100 ein vollständiges zytogenetisches Ansprechen auf.

In einer zweiten Studie mit 174 Patienten, deren CML bereits in die akzelerierte Phase übergegangen war, wurde nach zwei Jahren ein vollständiges hämatologisches Ansprechen bei 50 von 100 und ein vollständiges zytogenetisches Ansprechen bei 33 von 100 Patienten beobachtet. An der dritten Studie hatten 157 Patienten mit CML in der letzten Phase, der Blastenkrise, teilgenommen. Hier trat bei 26 von 100 (myeloische Blastenkrise) bzw. 46 von 100 (lymphatische Blastenkrise) ein vollständiges zytogenetisches Ansprechen ein.

Mögliche Nebenwirkungen

Insgesamt zeigte die Behandlung mit Dasatinib in den Studien ein akzeptables Verträglichkeitsprofil. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn bestimmte Veränderungen im EKG (QTc-Verlängerungen) vorliegen oder aufgrund von Herzerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten drohen, weil Dasatinib diese verstärken kann.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten unter anderem Hautausschläge, Übelkeit, Erbrechen, Erschöpfung, Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall und Schmerzen im Bewegungsapparat. Diese Nebenwirkungen lassen sich in der Regel durch Begleitmedikamente, etwa Schmerzmittel bei Kopfschmerz oder Antihistaminika bei Hautausschlägen, bessern. Die zusätzliche Einnahme von Medikamenten sollte allerdings immer mit dem Arzt abgestimmt werden, da einige Substanzen die Wirksamkeit von Dasatinib beeinflussen. Klingen die Nebenwirkungen auf diese Weise nicht ausreichend ab, kann die Dasatinib-Therapie unterbrochen und nach Eintreten einer Besserung wieder begonnen werden.

Zu weiteren häufigen Nebenwirkungen gehören Blutungen (Hämorrhagien) und Flüssigkeitsansammlungen im Brustkorb zwischen der Lunge und den Rippen (Pleuraerguss), die zu Hustenreiz und Atemnot führen können. Darüber hinaus ist es möglich, dass Dasatinib die normale Blutbildung beeinträchtigt. Das Risiko ist umso höher, je weiter fortgeschritten die CML bereits ist. Daher sollte der Arzt in den ersten beiden Monaten der Therapie alle zwei Wochen und anschließend weiterhin regelmäßig ein großes Blutbild erstellen. Falls sich hier Änderungen zeigen, kann es notwendig sein, die Behandlung anzupassen. Denn in der Regel ist die Einschränkung der normalen Blutbildung reversibel: Die Blutwerte lassen sich dann durch eine Unterbrechung der Therapie bzw. Verminderung der Dosierung wieder normalisieren.

Wie wird Dasatinib eingenommen?

Die Dosierung von Dasatinib hängt unter anderem von der Phase der CML ab. In der chronischen Phase beginnt die Therapie in der Regel mit der Einnahme von einmal täglich zwei Tabletten zu je 50mg morgens oder abends. Ist die CML bereits in die akzelerierte Phase oder die Blastenkrise fortgeschritten, nehmen die Patienten zu Beginn in der Regel zweimal täglich, morgens und abends, eine Tablette zu je 70mg ein. Je nach Ansprechen und Verträglichkeit der Therapie kann anschließend eine Dosisanpassung notwendig sein. Die Tabletten müssen im Ganzen, also unzerkaut, geschluckt werden.

Wie bei der Behandlung mit anderen Tyrosinkinasehemmern ist es auch bei Dasatinib sehr wichtig, zuverlässig jeden Tag die volle verordnete Dosis einzunehmen. Denn jede Unterbrechung der Behandlung birgt die Gefahr, dass die CML wieder aufflammt und anschließend weniger gut auf die Therapie anspricht. Das Risiko des Vergessens lässt sich mindern, wenn die Tabletten jeden Tag zu einer festen Uhrzeit eingenommen werden. Auch die Aufklärung von Familienangehörigen, Freunden und Kollegen kann hilfreich sein, damit diese den Erkrankten gegebenenfalls an die Einnahme erinnern können.


Quelle: Nach Informationen der Fachzeitschrift "Blood", aktuellen Kongressbeiträgen und der Fachinformation zum Wirkstoff Dasatinib, Stand August 2007
Autor: Springer Medizin
Stand: May 11, 2009


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