
Klassische Chemotherapie
Nur noch in Kombination und zur Transplantationsvorbereitung
Die klassische Chemotherapie ist eine wenig gezielte Form der Behandlung und sollte deshalb nur in Ausnahmefällen zur Therapie der chronischen myeloischen Leukämie (CML) eingesetzt werden.
Was ist klassische Chemotherapie?
Im Zusammenhang mit der Krebstherapie bezeichnet der Begriff Chemotherapie die Behandlung mit chemischen Substanzen, die hemmend auf die Teilung von Zellen wirken. Hintergrund des Einsatzes solcher Wirkstoffe ist die Beobachtung, dass sich die Zellen der meisten Krebsarten häufiger teilen als gesunde Körperzellen. Substanzen, die Zellen während der Teilung schädigen oder zerstören, so genannte Zytostatika, treffen deshalb häufiger Krebszellen als gesunde Zellen.
Dennoch schädigt eine Chemotherapie den Körper in den meisten Fällen erheblich. Besonders betroffen sind dabei Gewebearten, die selbst eine hohe Teilungsrate aufweisen. Dazu gehören z.B. die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt, die Haarwurzeln und das blutbildende System. Typische Nebenwirkungen von Chemotherapeutika sind deshalb Übelkeit, Schleimhautentzündungen, Haarausfall oder eine niedrige Zahl von Blutplättchen und weißen Blutkörperchen.
Chemotherapeutika, die bei CML eingesetzt werden, sind heutzutage vor allem:
- Hydroxyurea (Hydroxycarbamid, Hydroxyharnstoff, HU): Der Wirkstoff findet bereits seit vielen Jahrzehnten Anwendung in der Behandlung von CML. Hydroxyurea wird aufgrund seiner geringen Wirksamkeit heutzutage allerdings meist nur zu Beginn der CML-Therapie zur Normalisierung der Blutwerte (weiße Blutkörperchen) eingesetzt.
- Cytarabin (Arabinosylcytosin, Cytosin-Arabinosid, AraC, AC): Cytarabin fand in der Behandlung der CML in hoher (HDAC) bzw. niedriger (LDAC) Dosis in Kombination mit Interferon alpha Verwendung.
Wie wirksam sind Hydroxyurea und Cytarabin?
Die klassische Chemotherapie wirkt nur unzureichend gegen chronische myeloische Leukämie. Sie hat für die Behandlung von CML daher praktisch keine Bedeutung mehr. Studien haben zwar belegt, dass die Kombination von Hydroxyurea oder Cytarabin mit Interferon alpha die Wirksamkeit der beiden Chemotherapeutika erhöht. Auch derartige Kombinationen sind jedoch der modernen Standardtherapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib weit unterlegen, so dass sie nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
Chemotherapie vor einer Stammzelltransplantation
Trotz der geringen Behandlungseffektivität der klassischen Chemotherapie spielt sie in einer Sonderfunktion weiterhin eine Rolle für die Therapie der chronischen myeloischen Leukämie. Fällt die Entscheidung, bei einem CML-Betroffenen eine so genannte allogene Stammzelltransplantation (Stammzellentransplantation) durchzuführen, ist es im Vorfeld der Transplantation erforderlich, sämtliche Leukämie- und Abwehrzellen im Körper des Patienten zu beseitigen. Zu diesem Zweck wird eine hoch dosierte Bestrahlung, eine Chemotherapie oder eine Kombination aus beidem eingesetzt. Diese vorbereitende Behandlung wird als Konditionierung bezeichnet. Dabei werden nicht nur die Leukämie-Zellen, sondern das gesamte Knochenmark abgetötet. Anschließend wird durch die Gabe von Stammzellen eines geeigneten Spenders ein neues Knochenmark aufgebaut.




