
Die Suche nach dem Spender
Spender-Datenbanken helfen - notfalls weltweit
Für Stammzelltransplantationen muss ein passender Spender gefunden werden. Wenn Verwandte ausscheiden, wird in Datenbanken nach Menschen gesucht, deren Zellen die gleichen Immunmerkmale tragen wie die des Empfängers.
Das menschliche Abwehrsystem (Immunsystem) ist dafür ausgelegt, nicht zum eigenen Organismus gehörende Substanzen zu bekämpfen und nach Möglichkeit zu eliminieren. Um eine Unterscheidung zwischen "Fremd" und "Selbst" vorzunehmen, greift das Immunsystem auf bestimmte Molekülstrukturen zurück, die sich auf nahezu jeder Körperzelle finden und für jeden Menschen individuell aus zehn verschiedenen Bausteingruppen zusammengestellt sind. Diese Bausteingruppen werden zusammenfassend als HLA-System (Human Leukocyte Antigen-System) bezeichnet. Stößt das Abwehrsystem des Körpers auf Zellen, die nicht die richtigen HLA-Merkmale tragen, werden diese attackiert und zerstört.
Abstoßungsreaktion gefährden den Erfolg
Im Rahmen der Vorbereitung der Stammzelltransplantation wird das Abwehrsystem von CML-Patienten vollständig durch Chemotherapie oder Bestrahlung zerstört (Konditionierung) und durch das Abwehrsystems des Stammzellspenders ersetzt. Würde in einem einzigen der zehn HLA-Merkmale eine bedeutsame Abweichung zwischen Spender und Empfänger bestehen, wäre dies für das neue Abwehrsystem das Signal, sich gegen die Zellen des Empfängers zu wenden.
Der Körper des Empfängers wäre ständigen Angriffen seines neuen Immunsystems ausgesetzt. Abweichungen von der genauen Übereinstimmung sind daher nur in engen Grenzen möglich. In solchen Fällen wird von einem "minor mismatch", einer unbedeutenden Abweichung, gesprochen.
Die Reaktion der Spender-Immunzellen gegen den Empfänger wird als Graft-versus-Host-Reaktion (GvH-Reaktion, Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion) bezeichnet. Sie ist in leichter Form häufig bei Stammzelltransplantationen, kann dann in der Regel aber durch Medikamente behandelt werden, die das Abwehrsystem dämpfen (Immunsuppressiva). Bei heftigem oder anhaltendem (chronischem) Verlauf ist die GvH-Reaktion jedoch lebensbedrohlich.
Ein Spender aus der Familie
Blutsverwandte Menschen besitzen ein zum Teil identisches Erbgut: Je enger die Verwandtschaft, desto größer die Übereinstimmung. Auf der Suche nach einem Stammzellspender für einen Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) wird deshalb zuerst bei Verwandten angefragt, ob diese zu einer Stammzellspende bereit wären. Anhand einer Blutprobe lässt sich das Ausmaß der HLA-Übereinstimmung ermitteln. In etwa einem Viertel der Fälle kann so ein passender Spender für den Empfänger gefunden werden. In den übrigen Fällen geht die Suche nach einem nicht-verwandten Spender weiter.
Datenbanken helfen bei der Spendersuche
Zwei nicht-verwandte Menschen weisen nur in sehr seltenen Fällen die gleichen HLA-Merkmale auf. So sind aufgrund der Vielzahl der möglichen Kombinationen von HLA-Merkmalen rund 20.000 potenzielle Spender notwendig, um für einen einzigen Empfänger passende Stammzellen zu finden. Daher wurden umfangreiche Datenbanken aufgebaut, die die HLA-Daten von möglichen Spendern enthalten.
Zur Zeit stehen weltweit die Daten von 11.220.000 möglichen Spendern zur Verfügung. In Deutschland sind knapp 3.000.000 Spender erfasst. Auf dieser Grundlage kann gegenwärtig für mehr als acht von zehn Menschen, die auf eine Stammzelltransplantation angewiesen sind, ein passender Spender gefunden werden. Bei mehr als einem Zehntel bleibt die Suche jedoch vergeblich. Es ist deshalb wichtig, dass sich möglichst viele weitere Menschen als potentielle Spender registrieren lassen.




