Familie im Grünen

Hilfen für Angehörige

Partner und Angehörige leiden so stark wie die Krebspatienten selbst

Bei Krebs- oder Leukämieerkrankungen steht zumeist der Patient im Mittelpunkt. Doch für den Lebenspartner und die Kinder ist die Belastung nicht weniger hoch.

Die Diagnose Krebs oder Leukämie stellt einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen dar. Ängste, Verunsicherung, Sorgen und nicht zuletzt die Behandlung verlangen eine neue Orientierung im Leben. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass nicht nur der Patient selbst, sondern auch seine Angehörigen von der Erkrankung betroffen sind und Unterstützung benötigen.

Anzeige

Die Diagnose "Leukämie" trifft nicht nur den Patienten

Die Mitteilung, an Leukämie erkrankt zu sein, stellt für die meisten Patienten einen Schock und tiefen Lebenseinschnitt dar. Oft stehen am Anfang konkrete gesundheitliche Probleme und die Angst vor Leid und Tod im Vordergrund. Doch die Diagnose geht in ihrer Bedeutung weit über die Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit hinaus. Lebensentwürfe und Lebensziele werden durch die Erkrankung in Frage gestellt, erscheinen eventuell plötzlich unerreichbar und werden von Sorgen um den Lebenspartner, Kinder und Angehörige überlagert.

Die Diagnose "Leukämie" trifft in dieser Form jedoch nicht allein den Patienten selbst. Denn nicht nur das Leben der Betroffenen wird durch die Erkrankung in neue Bahnen gezwungen. Angehörige reagieren auf die Sorgen und das Leiden der Betroffenen, auch wenn sie die physischen Beeinträchtigungen durch die Krankheit nicht am eigenen Leib erfahren. Sie fühlen sich von den Veränderungen, welche die Erkrankung bei ihrem Partner auslöst verunsichert. Mit dem Lebensentwurf des Patienten werden auch die Hoffnungen, Pläne und Träume der nächsten Bezugspersonen in Frage gestellt und umgewertet. Die Rollen innerhalb des sozialen Netzwerks verändern sich. Aus dem Ernährer oder der Ernährerin der Familie kann unter Umständen ein Hilfsbedürftiger werden, der Partner muss vielleicht eine aufgegebene Berufstätigkeit wieder aufnehmen oder ausbauen, Kinder sind mit dem möglichen Verlust eines Elternteils konfrontiert und müssen unter Umständen früh Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen. Nicht zuletzt kann sich die Pflegebedürftigkeit des Patienten als schwere seelische, körperliche, soziale und finanzielle Prüfung herausstellen.

Hilfen für Angehörige

Studien haben belegt, dass Angehörige den gleichen gefühlsmäßigen Belastungen ausgesetzt sind wie die Betroffenen selbst, bezüglich ihrer sozialen Einbindung oft aber sogar noch stärker leiden. Deshalb gibt es Bemühungen, die Angehörigen von Krebspatienten besser zu unterstützen, ihnen konkrete Hilfsangebote zu machen und Entlastungen zu schaffen.

Krebs- und Leukämieärzten ist bewusst, dass die Krankheit nicht allein den Patienten trifft. Sie verstehen sich daher auch für die Angehörigen als Ansprechpartner. Sie vermitteln Informationen zu der Erkrankung, kennen sich mit den Hilfsangeboten des Sozialsystems aus und behalten nicht zuletzt auch die Gesundheit der Angehörigen im Blick, etwa wenn der Einsatz für den Patienten zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu führen droht. Informationen und konkrete Hilfsangebote vermitteln auch die Krankenkassen und die Sozialdienste von Krankenhäusern.

Wichtig für die Angehörigen ist:

  • Überforderungen aufgrund der Erkrankung vermeiden
  • eigene Belastungsgrenzen anerkennen
  • Hilfsangebote annehmen
  • weiter am Leben teilnehmen
  • nicht alles der Krankheit unterzuordnen
  • den Kontakt zu Freunden und Bekannten möglichst nicht abreißen zu lassen oder ein neues soziales Netz aufzubauen, wenn bestehende Bekanntschaften angesichts der Erkrankung zu verkümmern oder sich aufzulösen drohen.

Selbsthilfegruppen von und für Angehörige von Krebspatienten stellen in diesem Zusammenhang eine wichtige Möglichkeit dar, die Gefahr der gesellschaftlichen Isolation zu überwinden, Rückhalt zu erfahren und mit Menschen in vergleichbarer Situation Erfahrungen auszutauschen.

Weitere Informationen zu Hilfen für Angehörige sowie Kontaktadressen sind im Patientenbereich der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe und in Band 042 der blauen Ratgeber der Deutschen Krebshilfe zu finden.


Quelle: Nach Informationen von:
Deutsche Kebshilfe: Die blauen Ratgeber Nr. 042. Hilfen für Angehörige, http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/042_gespraechshilfen.pdf

Bishop MM, et al.: Late Effects of Cancer and Hematopoietic Stem-Cell Transplantation on Spouses or Partners Compared With Survivors and Survivor-Matched Controls. Journal of Clinical Oncology, 2007; 25 (11): 1403-1411

Universität Leipzig: Versorgung Schwerstkranker in häuslicher Pflege verbesserungswürdig. Pressemeldung 2009/073 vom 06.04.2009, http://www.zv.uni-leipzig.de/service/presse/pressemeldungen.html?ifab_modus=detail&ifab_id=3307

Autor: Jan Groh
Stand: Jun 11, 2009


Sie lesen gerade:

Partner und Angehörige leiden so stark wie die Krebspatienten selbst

Seite empfehlen:
A A A
Anzeige

Expertenrat

Hier geht`s um mich

Im Expertenrat Brustkrebs geht es ganz um Ihren persönlichen Fall. Stellen Sie Ihre Fragen. Ärzte antworten - kostenlos.

Newsletter Rückenschmerz

Älteres Paar sitzt vor dem Computer

Jetzt neu!

Aktuelle Themen rund um Ursachen, Symptome und Behandlung von Rückenschmerz - kostenlos per E-Mail.

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe informiert, klärt auf und berät in allen Belangen rund um den Schlaganfall.

mehr

Kooperationspartner

Wissen & Gesundheit

Wissen & Gesundheit

Das Magazin für aktive Gesundheitsvorsorge und mehr Lebensqualität.

online bestellen