Familienplanung

Den Kinderwunsch vorausplanen

Bei einer Stammzelltransplantation werden neben den blutbildenden auch die Keimzellen abgetötet. Ein möglicher Kinderwunsch muss deshalb vor dem Eingriff berücksichtigt werden.

Die Chemotherapie oder Bestrahlung, die vor einer Stammzelltransplantation eingesetzt wird, um bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) das blutbildende System zu zerstören (Konditionierung), hat für Frauen und Männer unterschiedliche Folgen.

Frauen: Die Konditionierung führt bei Frauen zum Absterben der Eizellen in den Eierstöcken. Nach der Chemotherapie oder Bestrahlung können sie deshalb keine Kinder mehr bekommen. Gleichzeitig wird die Produktion der weiblichen Sexualhormone (Östrogen, Progesteron) eingestellt. Durch die Konditionierung erfolgt bei Frauen vor den Wechseljahren daher ein vorzeitiges dauerhaftes Ausbleiben des normalen Monatszyklus.

Es können typische Wechseljahresbeschwerden wie Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder trockene Scheidenschleimhaut resultieren. Allerdings ist ein Drittel der Frauen von diesen Symptomen gar nicht, ein Drittel leicht und nur ein Drittel stärker betroffen. Bei jüngeren Frauen ist es erforderlich, nach der Konditionierung mit einer Hormonersatztherapie zu beginnen, um den Einfluss, den Östrogen etwa auf den Knochenstoffwechsel und die Blutgefäße hat, bis zur Menopause aufrechtzuerhalten.

Männer: Bei Männern werden durch die Konditionierung die Keimzellen abgetötet, die im Hoden Spermien produzieren. Auch hier führt die Transplantation demnach zur Unfruchtbarkeit. Der Hormonhaushalt ist hingegen nicht oder nur leicht betroffen. Denn die im Hoden befindlichen Testosteron-produzierenden Zellen (Leydig-Zellen) überstehen eine Chemotherapie oder Bestrahlung weitgehend unbeschadet. Eine Hormonersatztherapie ist hier daher zumeist nicht erforderlich, kann aber bei Schwierigkeiten im Sexualleben unter Umständen lindernd wirken.

Vorausplanung eines Kinderwunsches

Da die Transplantation demnach sowohl bei Frauen als auch bei Männern zur Unfruchtbarkeit führt, muss ein späterer Kinderwunsch im voraus berücksichtigt werden.

Männer: Männer können einen späteren Kinderwunsch vorausplanen, indem sie nach Möglichkeit vor dem Beginn jeglicher Chemo- oder Bestrahlungstherapie eine Samenspende einfrieren lassen. Das betrifft auch die Chemotherapie, die im Rahmen der CML-Behandlung durchgeführt werden kann, also nicht zur Vorbereitung der Stammzelltransplantation dient.

Denn die chemotherapeutische CML-Behandlung führt zwar nicht immer zur Unfruchtbarkeit, sie erhöht jedoch noch bis zu drei Monate nach Beendigung der Chemotherapie durch Spuren der verwendeten Medikamente im Sperma bzw. durch geschädigte Samenzellen die Gefahr, ein Kinder mit Erbgutschäden zu zeugen. In diesem Zeitraum sollten deshalb sichere Verhütungsmaßnahmen ergriffen werden.

Das Einfrieren der Samenprobe wird als Kryokonservierung bezeichnet. Im Falle eines späteren Kinderwunsches kann die Probe wieder aufgetaut werden. Mittels moderner reproduktionsmedizinischer Methoden ist dann die Befruchtung einer Eizelle und damit die Zeugung eines Kindes möglich.

Frauen: Frauen sind hinsichtlich eines späteren Kinderwunsches deutlich stärker eingeschränkt. Denn bisher ist es nicht möglich, ruhende Eizellen einzufrieren. Dies gelingt bislang nur mit Eizellen, die bereits von einem Spermium befruchtet wurden. Frauen müssen sich daher vor der Transplantation festlegen, mit wem sie ein Kind zeugen möchten. Daher wird als Voraussetzung für die Kryokonservierung einer befruchteten Eizelle gefordert, dass die Frau in einer stabilen Partnerschaft lebt.

Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass für die Entnahme der befruchteten Eizelle in der Regel eine Vorbereitungszeit von zwei bis drei Monaten erforderlich ist, während der keine Chemotherapie erfolgen darf. Nur so können Erbgutschäden durch Chemotherapeutika oder geschädigte Eizellen sicher verhindert werden.

Eine letzte Hürde stellt für die betroffenen Frauen die Kostenfrage dar. Denn die Entnahme der Eizelle und die Kryokonservierung werden von der Krankenkasse nicht getragen. Es fallen einmalige und - für die Aufbewahrung der Eizellen - laufende Zahlungen an. Erfolgt trotz aller Schwierigkeiten eine Kryokonservierung, kann die eingefrorene, befruchtete Eizelle nach erfolgreicher Stammzelltransplantation aufgetaut und in die Gebärmutter eingepflanzt werden. Aufgrund der zahlreichen Hürden sollten Frauen mit CML und Kinderwunsch frühzeitig den Rat von Reproduktionsmedizinern suchen.

Verhütung nach der Transplantation

Innerhalb der ersten drei Monate nach der Chemotherapie besteht eine erhöhte Gefahr, durch geschädigte Ei- oder Samenzellen ein Kind mit Erbgutschäden zu zeugen. Empfohlen wird daher in der Regel, mindestens ein halbes Jahr nach der Therapie abzuwarten, bevor ein Kinderwunsch erfüllt wird. Auch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) und nach der Transplantation erforderlich sind, sollten zu diesem Zeitpunkt abgesetzt sein.

Da in sehr seltenen Fällen Männer und Frauen auch nach der Konditionierungsbehandlung noch fruchtbar sein können, sollten Menschen nach einer Stammzelltransplantation jedoch nicht unkritisch auf Verhütungsmaßnahmen verzichten. Sollte es zu einer Schwangerschaft kommen, besteht allerdings kein Grund zur Sorge. Bislang wurde keine erhöhte Rate an Fehlbildungen bei Kindern von transplantierten Müttern oder Vätern beobachtet. Da jedoch die Rate an Frühgeburten etwas erhöht ist, sollte die Schwangerschaft sorgfältig überwacht werden.


Quelle: Nach Informationen der Deutschen Leukämie- & Lymphomhilfe, Novartis u.a.
Autor: Jan Groh
Stand: May 13, 2009


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