Schizophrenie

Diskriminierung ist ein großes Problem

Schizophren zu sein, hängt Betroffenen häufig wie ein Brandmal an, das sie bis in die soziale Isolation und Armut führen kann. Britische Wissenschaftler fanden heraus, dass auch das eigene Empfinden dazu beiträgt.

Schizophrenie ist eine schwere psychiatrische Erkrankung, bei der es zu Veränderungen der Gedanken, der Wahrnehmung und des Verhaltens kommt. Sie geht mit Realitäts- und Antriebsverlust, Halluzinationen, Wahnideen und Denkstörungen einher. Häufig belastet es Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, dass sie von ihrer Umgebung nicht "für voll genommen" und dementsprechend diskriminiert werden. Dies trifft selbst auf das unmittelbare soziale Umfeld Betroffener, beispielsweise Familienmitglieder oder Freunde zu, wie die Ergebnisse internationaler Studien zeigen.

Viele Menschen mit Schizophrenie erfahren dieses Stigma aufgrund von unzureichendem Wissen sowie negativer Einstellungen und Verhaltensweisen anderer. Die Folgen sind soziale Ausgrenzung, schlechte Lebensqualität und nicht selten rutschen Betroffene in die Armut ab. In bisherigen Studien wurde jedoch nicht untersucht, wie Betroffene sich und ihre Krankheit selbst wahrnehmen, erklärt Dr. Graham Thornicroft vom King's College in London. Er und sein Team gingen den Ursachen der Schizophrenie daher in einer neuerlichen Studie auf den Grund, in die sie auch das Erleben Betroffener einbezogen.

Dazu interviewten die Forscher 732 Schizophrenie-Patienten aus 27 Ländern zum Thema Diskriminierung. 95% der Studienteilnehmer gaben an, in ihrer Vergangenheit auf verschiedene Weise diskriminiert worden zu sein. 47% sprachen von Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen oder aufrechtzuerhalten, 43% fühlten sich durch Familienmitglieder diskriminiert. Ferner hatten 29% Probleme, einen Job zu finden oder ihren Job zu behalten, 27% gaben Diskriminierungen in Partnerbeziehungen an.

Insgesamt 93% der Befragten gaben an, Benachteiligungen in mindestens einem der genannten Lebensfelder selbst erwartet zu haben, 72% wollten ihre Krankheit von sich aus lieber verschweigen. Interessanterweise bestätigten sich die negativen Erwartungen der Befragten in der Realität jedoch bei Weitem nicht. So hatten beispielsweise nur 52% derjenigen, die Diskriminierungen im Berufsleben erwateten, auch wirklich schlechte Erfahrungen gemacht. Im Falle der Partnerbeziehungen wurden schlechte Erwartungen nur bei 56% der Probanden bestätigt.

Der Anteil beider Einflüsse, erlebter und erwarteter Diskriminierungen, sei bei der Schizophrenie sehr hoch, fasst Studienleiter Thornicroft in der Fachzeitschrift Lancet zusammen. Maßnahmen wie Antidiskriminierungsgesetze könnten daher nicht wirken, ohne dass auch Maßnahmen eingeleitet würden, die das Selbstwertgefühl der Menschen mit mentalen Krankheiten verbesserten.

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Quelle: Nach Informationen von www.medwire-news.md
Autor: Claudia Urban
Stand: Jan 26, 2009


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