Beruf
Deutsche Arbeitnehmer immer häufiger stressgeplagt und schlaflos
Schlafstörungen sind bei deutschen Arbeitnehmern weit verbreitet. Auf diesen Umstand weist der DAK-Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt Schlafstörungen hin.
Jahr für Jahr untersucht die Krankenkasse DAK, wie es um die Gesundheit der deutschen Arbeitnehmer bestellt ist, und fasst die wichtigsten Daten im alljährlich erscheinenden Gesundheitsreport zusammen. Für den diesjährigen Report wurden Daten von 2,5 Mio erwerbstätigen Versicherten ausgewertet sowie eine Befragung von 3.000 Arbeitnehmern im Alter von 35-65 Jahren zum Thema Schlafstörungen durchgeführt. Das Ergebnis: Der Krankenstand ist im dritten Jahr in Folge gestiegen, liegt jedoch mit insgesamt 3,4 Prozent weiterhin auf einem recht niedrigen Niveau.
49 Prozent der Versicherten haben sich im Jahr 2009 krankgemeldet. Die durchschnittliche Länge des Krankenstands unter den DAK-Versicherten betrug 12,4 Tage. 21 Prozent aller Krankheitstage ließen sich auf Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems zurückführen, wobei Rückenbeschwerden als Hauptursache genannt wurden. Weitere Spitzenreiter der Beschwerdenliste und Hauptverursacher für Arbeitsausfälle waren Erkrankungen der Atemwege (19 Prozent) sowie Verletzungen (13,6).
Psychische Belastung am Arbeitsplatz nimmt zu
Besonders auffällig ist der weitere Anstieg psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Der Anteil entsprechender Erkrankungen am Krankenstand ist seit 1998 von 6,6 auf 10,8 Prozent angestiegen. Bei den Frauen sind psychische Beschwerden nunmehr dritthäufigste Krankheitsursache. 13,2 Prozent der Ausfalltage gingen bei ihnen im Jahr 2009 auf psychische Erkrankungen zurück. Bei den Männern nehmen psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 8,8 Prozent Rang vier in der Ursachenstatistik für Arbeitsunfähigkeitstage von 2009 ein.
Immer mehr Berufstätige schlaflos
Rund die Hälfte aller Erwerbstätigen hatte nach eigenen Angaben innerhalb der letzten drei Monate Probleme beim Ein- und Durchschlafen. 21 Prozent der Befragten im Alter von 35 bis 65 Jahren bekommen häufig kein Auge zu, 28 Prozent bleiben immerhin manchmal ruhelos. Jeder zehnte Arbeitnehmer schläft an mindestens drei Nächten pro Woche schlecht und kämpft am Tage mit Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Charakteristisch sind häufiges Aufwachen, langes Wachliegen und eine Schlafdauer von weniger als sechs Stunden.
Frauen liegen nachts weit häufiger wach als die Herren der Schöpfung. In den Altersgruppen über 45 Jahre liegt der Anteil häufiger Schlafprobleme bei den Frauen um etwa ein Drittel über dem der Männer. Im Durchschnitt benötigen Erwachsene, um gesund zu bleiben und sich wohlzufühlen, etwa sieben bis neun Stunden Schlaf. Ein vermindertes Maß an Schlafbedarf kann z.B. genetische Ursachen haben. Als mögliche Gründe für Schlafstörungen gelten unter anderem psychische und körperliche Erkrankungen und Beschwerden, aber auch situative Einflüsse wie Stress, Grübellein und Ängste. Als häufigste unmittelbare Auslöser wurden mit rund 40 Prozent besonderer Stress und Belastungen genannt, die vielfach in Verbindung mit dem Job standen.
Schlafstörungen häufig falsch therapiert
Die meisten der Betroffenen unterschätzen trotz mitunter hohem Leidensdruck die möglichen Auswirkungen von unzureichendem Schlaf. Ungenügender Schlaf senkt sowohl Wohlbefinden als auch die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz dramatisch. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass sich zu wenig Schlaf außerdem negativ auf die psychische Gesundheit, das Immunsystem und den Stoffwechsel auswirkt. Dennoch konsultieren die Wenigsten einen Arzt, wenn sie nachts kein Auge zubekommen.
Um den Schlafproblemen Herr zu werden, wird trotz Risiken und unerwünschter Nebenwirkungen wie Tagesschläfrigkeit immer wieder zu frei verkäuflichen Arzneimitteln gegriffen. Jeder siebte Schlaflose hat schon einmal ein Schlafmittel genommen. Nur jeder zweite folgte damit der Anordnung eines Arztes. Auf der anderen Seite wurden gerade älteren Patienten häufig zu lang Schlafmittel verschrieben, was die Gefahr erhöht, abhängig zu werden. Dabei sind Medikamente nur in wenigen Fällen wirklich nötig.
Schlafhygiene als Schlüssel zu mehr Ruhe
Insgesamt zeigten sich sowohl bei der Diagnostik als auch der Therapie von Schlafstörungen Versorgungslücken. Sowohl bei nicht-medikamentösen als auch medikamentösen therapeutischen Ansätzen kommt es immer wieder zu Fehl-, Über- und Unterversorgung. Laut DAK besteht vor allem in Sachen Aufklärung und Information ein immenser Nachholbedarf. Bereits einfache Regeln der Schlafhygiene haben nämlich gewaltiges Potenzial. Sie sind zum einen darauf ausgerichtet, eine gesunde Schlafumgebung zu schaffen und beinhalten außerdem Regeln zur Anpassung des Lebensstils an eine Lebensweise, die den Schlaf fördert.



