Durchfall, Diarrhö - Ursachen
Ursachen
Krankheitserreger als Verursacher von Durchfällen
Bei akuten Durchfällen handelt es sich meistens um die Folgen einer Infektion mit Bakterien oder Viren.Folgende Erreger führen häufig zu Durchfällen:Bakterien:
- Salmonellen
- E. coli
Viren:
- Rotaviren (bevorzugt bei Säuglingen und Kleinkindern)
- Norwalk-Viren (bei Erwachsenen)
Ein Spezialfall einer akuten Erkrankung ist der Reisedurchfall (Reisediarrhö). Obwohl es sich auch hierbei um Infektionserreger wie Viren oder Bakterien (die z.B. über hygienisch nicht einwandfreie Nahrungsmittel leicht aufgenommen werden) handelt, fallen die Symptome oft heftiger aus, da die Erreger dem Körper fremd sind. Häufige Erreger einer Reisediarrhö sind z.B.:
- Salmonellen
- E. coli
- Amöben
- Würmer
In vielen Ländern, auch an beliebten Urlaubszielen, sind die hygienischen Verhältnisse mangelhaft. Hinzu kommt, dass Reisestress, Hitze und fremde Speisen eine zusätzliche Belastung für den Organismus sind und die Abwehrkräfte gegenüber Bakterien und Viren schwächen. So leidet ein großer Teil der Reisenden gleich in der ersten Woche in der Ferne unter Durchfall. Dabei kann dem Problem wirksam vorgebeugt werden: zum einen durch geeignete Medikamente (s. "Hilfe aus der Apotheke"), aber auch durch bestimmte Verhaltensregeln. Unerlässlich ist der Verzicht auf alle Lebensmittel, die nicht geschält oder gekocht worden sind (z. B. Eiswürfel, Speiseeis, Salate). Der Durst sollte nur mit industriell gefertigten Getränken aus selbst geöffneten Flaschen gestillt werden. Desweiteren ist häufiges Händewaschen ein Muss, ganz besonders vor dem Essen.
Medikamente als Auslöser von Durchfällen
Bei einigen, vor allem rezeptpflichtigen, Medikamenten tritt häufig Durchfall als Nebenwirkung auf. Dazu gehören beispielsweise:
- Antibiotika
- Herzmedikamente (Digitalis-Glykoside)
- Medikamente gegen Rheuma (Antirheumatika)
- harntreibende Medikamente (Diuretika)
- Abführmittel (Laxanzien) in zu hoher Dosis oder über längere Zeit
Durchfälle aufgrund von Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien
Bei folgenden Nahrungsmitteln kann es zu Durchfällen infolge einer Unverträglichkeit oder Allergie kommen:
- Milch (Allergie gegen Milcheiweiß oder Mangel an Lactase, dem Milchzucker-spaltendem Enzym)
- Süßstoff, Süßigkeiten oder Getränke mit Zuckeraustauschstoffen (zuckerfreie Bonbons, Kaugummi, Light- Getränke)
- einheimische Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer oder Gerste wegen einer Unverträglichkeit von Gluten (Zöliakie, Sprue)
- Nüsse
- Fisch
Alkohol und Coffein können - in großen Mengen genossen – ebenfalls Durchfälle auslösen.Eine Unverträglichkeit von Gluten wird bei Kindern als Zöliakie und bei Erwachsenen als Sprue bezeichnet. Gluten ist ein „Kleber-Eiweiß“. Es wird so genannt, weil es den Teig in Brot, Kuchen und Nudeln zusammenhält. Gluten bzw. ähnliche Stoffe kommen in größeren Mengen in einheimischen Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Grünkern und Einkorn, darüber hinaus in Roggen, Gerste und Hafer vor. Nach einem Verzehr glutenhaltiger Speisen kommt es zu Veränderungen in der Schleimhaut des Dünndarms, die sich nicht wieder regenerieren lassen. Es treten nicht nur Durchfälle, sondern auch Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Eisenmangel auf. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist eine lebenslange glutenfreie Kost. Das bedeutet: betroffene Kinder müssen z.B. auf Nudeln aus Hartweizengrieß, Ketchup oder Fischstäbchen. Erwachsene z.B. auf Schnitzel und Bier verzichten. Bei Mehl ist nur Reis-, Mais- und Johannisbrotkernmehl erlaubt.Bei einem Laktasemangel sind die Betroffenen nicht in der Lage, den Milchzucker (Laktose) aus Milchprodukten aufzuspalten. Sie müssen - je nachdem wie schwer der Mangel ausgeprägt ist - auf Milch und Milchprodukte mehr oder weniger verzichten.
Durchfälle infolge schwerwiegender Erkrankungen
- chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn)
- Reizdarmsyndrom
- Tumorerkrankungen im Darm (z.B. Dickdarmkrebs)
- hormonelle Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion)
Sonderfall: Durchfall bei gleichzeitiger Verstopfung
Ältere, bettlägerige Menschen leiden nicht selten an Verstopfung. Dabei kann es vorkommen, dass der feste, trockene Darminhalt durch Bakterien zersetzt wird und sich daraus dünnflüssiger Stuhl bildet. Dieser wird dann ausgeschieden und täuscht einen Durchfall vor, obwohl sich gleichzeitig größere Mengen verhärteten Stuhls im Darm befinden.
Bruhn/Frey/Wagner: Das Kind in der Apotheke. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart (2006)
Wernig, C. (Hrsg.): Medizin für Apotheker. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2. Auflage (1997)
Schaefer/Spielmann/Vetter: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit, Elsevier GmbH, 7. Auflage 2006
Lennecke/Hagel/Przondziono: Selbstmedikation, Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart (2004)
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