Herzinfarkt - Myokardinfarkt - Ursachen

Beim Herzinfarkt wird die Versorgung des Herzmuskels über die Herzkranzgefäße (Koronargefäße) unterbrochen. Hier finden Sie alles zum Thema.


Ursachen

Der Herzmuskel benötigt für seine Arbeitsleistung ein eigenes Versorgungssystem, das ihm kontinuierlich Nährstoffe und Sauerstoff zuführt. Dazu dient ein Geflecht von Arterien, den so genannten Herzkranzgefäßen oder Koronarien, welche sich netzförmig um das Herz spannen. Dieses Versorgungssystem beginnt mit zwei Hauptkoronar-Arterien, die der Hauptschlagader (Aorta) direkt nach ihrem Abgang aus der linken Herzkammer entspringen. Diese zweigen sich immer weiter auf und gehen in ein feines Kapillarnetz und schließlich in ein Venengeflecht über.

Der unermüdlich arbeitende Herzmuskel braucht je nach körperlicher Aktivität 5-20% der vom gesamten Organismus benötigten Sauerstoffmenge! Kommt es durch Arteriosklerose oder aufgrund anderer Mechanismen (Krampf von Gefäßmuskeln) zu einer Enge innerhalb eines Gefäßes, fließt vermindert Blut in das nachgeschaltete Versorgungsgebiet des Herzmuskels.

Wenn das Angebot von Sauerstoff schließlich unter eine kritische Grenze fällt, reagiert das Herz mit einem Angina-pectoris-Anfall. Ist die Durchblutung des Gefäßes und damit die Nährstoffversorgung eines Herzmuskelbereiches über längere Zeit ganz aufgehoben, führt dies unweigerlich zum Herzinfarkt mit Untergang von Gewebe.

Die häufigste Ursache der Gefäßverengungen ist die Arteriosklerose, die sich an den Herzkranzgefäßen als so genannte koronare Herzkrankheit (KHK) äußert.

Risikofaktoren der Arteriosklerose

Einige wichtige Risikofaktoren wie eine familiäre Veranlagung zur Arteriosklerose, das Alter oder die Geschlechtszugehörigkeit (Männer sind stärker gefährdet als Frauen) lassen sich nicht beeinflussen. Daneben gibt es aber eine Reihe beeinflussbarer Faktoren, die nach ihrer Wichtigkeit in Risikofaktoren erster und zweiter Ordnung eingeteilt werden:

Risikofaktoren erster Ordnung:

  • Fettstoffwechselstörungen: Der Gesamtcholesterinspiegel, also die Gesamtmenge Cholesterin im Blut, sollte einen Wert von 200 Milligramm pro Deziliter (entspricht 5,2 Millimol pro Liter) nicht überschreiten, wobei dies nur ein Richtwert ist. Der individuell anzustrebende Wert kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. So werden bei über Vierzigjährigen, die keine weiteren Risikofaktoren aufweisen, Werte bis 240 Milligramm pro Deziliter toleriert, während z.B. bei Menschen, die bereits an einer KHK leiden oder gar schon einen Herzinfarkt erlitten haben, Werte von deutlich unter 200 Milligramm pro Deziliter angestrebt werden.
    Als Untergruppe des Gesamtcholesterins werden LDL- und HDL-Cholesterin unterschieden. LDL (Lipoprotein geringer Dichte, umgangssprachlich auch als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet) sollte einen Wert von 150 Milligramm pro Deziliter nicht überschreiten, während das HDL-Cholesterin (Lipoprotein hoher Dichte, auch als "gutes" Cholesterin bezeichnet) einen möglichst großen Anteil am Gesamtcholesterin ausmachen soll. Neben den Cholesterinen gibt es im Blut noch die Neutralfette, die Triglyzeride. Auch ein erhöhter Triglyzeridwert fördert die Arteriosklerose.
  • Bluthochdruck
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Metabolisches Syndrom: Dieser Komplex von Krankheiten wird auch als "Wohlstandssyndrom" bezeichnet und umfasst die bauchbetonte Fettleibigkeit, eine typische Konstellation der Blutfette, einen erhöhten Blutdruck, einen im nüchternen Zustand erhöhten Blutzuckerwert oder auch einen manifesten Diabetes mellitus sowie einen erhöhten Harnsäurewert. Nicht alle Krankheiten müssen gleichzeitig auftreten.
  • Tabakrauchen

Risikofaktoren zweiter Ordnung:

  • Bewegungsmangel
  • negativer Stress
  • eine Erhöhung der Aminosäure Homocystein
  • eine Erhöhung des Fibrinogens

Sind beispielsweise zwei Risikofaktoren erster Ordnung vorhanden, ist das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, im Vergleich zu einer Normalperson vierfach erhöht. Bei Vorliegen von drei Faktoren erster Ordnung besteht schon ein zehnfaches Risiko!
Das Infarktrisiko kann z. B. mit Hilfe des PROCAM-Kalkulators abgeschätzt werden (http://www.chd-taskforce.com/assessment_german.htm).


Quelle: Springer Medizin
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