Schlafstörungen - Insomnie - Ursachen
Ursachen
Ein- und Durchschlafstörungen können sowohl Zeichen eines organischen oder psychiatrischen Krankheitsbildes als auch eine eigenständige Krankheit sein. Doch auch die verkürzten Schlafzeiten in modernen Gesellschaften infolge flexiblerer Arbeitszeiten, der Reizüberflutung durch die neuen Medien und dem Leistungsdruck am Arbeitsplatz scheinen das Problem der Schlaflosigkeit immer brisanter werden zu lassen.
Nach Angaben des Schlafmediziners Jürgen Zulley von der Universität Regensburg leiden 95 Prozent der deutschen Schichtarbeiter unter Schlafstörungen.
Statistiken aus schlafmedizinischen Zentren in Deutschland und den USA zeigen übereinstimmend, wie vielseitig die übrigen Ursachen von Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) sein können. So waren Schlafstörungen der Patienten in Spezialabteilungen für Schlafmedizin in etwa der Hälfte der Fälle psychisch beziehungsweise psychiatrisch begründet und hatten in den übrigen Fällen unterschiedlichste organische Ursachen. Die Schlafstörungen können hierbei auch als Begleitsymptom anderer Schlafstörungen (Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, Parasomnien wie zum Beispiel Schlafwandeln, Tagesschläfrigkeit) auftreten.
Am häufigsten ist die so genannte psychophysiologische Insomnie. Im Vordergrund steht stets ungenügender Schlaf, verbunden mit einer verminderten Leistungsfähigkeit am Tage.
Psychophysiologische Ein- und Durchschlafstörungen
Dieses Krankheitsbild gehört zu der Gruppe von Schlafstörungen, deren Andauern nicht direkt mit einer psychischen Störung oder einer organischen Ursache in Beziehung gebracht werden kann. Mit anderen Worten, bei einer ärztlichen Untersuchung wird meist keine konkrete Ursache für die Schlafstörungen gefunden. Trotzdem besteht ein erheblicher Leidensdruck, da die Schlafstörung schon chronisch geworden ist und/oder die Klagen über die Schlaflosigkeit das Leben beherrschen. Die permanente Störung des Schlafs führt mit der Zeit auch zu einer ständigen Bereitschaft zur Stressreaktion, zu einem Zeitpunkt wo die ursprüngliche Ursache der Schlafstörung schon längst weggefallen ist.
Diese permanente Stressbereitschaft äußert sich in einem erhöhten Erregungszustand des Nervensystems, die auf der körperlichen Ebene zu Muskelanspannungen, Herzrasen und Ruhelosigkeit und auf der geistig/seelischen Ebene zu Ärgern, Grübeln, Gedankenkreisen und ständig neu einschießenden Gedanken führen kann. Scheinbar harmlose Belastungen können dann zu jeder Zeit die Schlafstörungen wieder auslösen.
Diese Form der Schlaflosigkeit wird auch als erlernte oder konditionierte Insomnie bezeichnet, unter der Annahme dass sie ursprünglich wahrscheinlich als Reaktion auf eine akute oder chronische Belastung entstanden ist, die sich dann aber durch ein gelerntes Fehlverhalten im Umgang mit dem Schlaf verselbstständigt hat. Sie wird chronisch durch einen Teufelskreis von Erwartungsangst und schlechtem Schlaf. Das Einschlafen fällt um so schwerer, je mehr es herbeigewünscht wird. In monotonen Situationen dagegen, wenn kein Einschlafwunsch besteht, schlafen diese Patienten oft problemlos ein.
Besonders wichtig ist, diese Form der Schlaflosigkeit von Schlafstörungen bei Depressionen und Angststörungen abzugrenzen.
Ein- und Durchschlafstörungen bei Depressionen
Schlafstörungen können mit einer Stimmungsverschlechterung einhergehen, in den meisten Fällen führen jedoch umgekehrt depressive Verstimmungen zu einem schlechten Schlaf. Hinweise auf das Vorliegen einer Depression sind vorherrschende Durchschlafstörungen mit Früherwachen. Die Betroffenen fühlen sich antriebsschwach und zeigen vermindertes Interesse und wenig Freude an Aktivitäten. Auch Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie Gefühle der Wertlosigkeit und Schuldgefühle sowie Todesgedanken können auftreten.
Ein- und Durchschlafstörungen bei Angsterkrankungen
Krankhafte Ängste können die Schlaffähigkeit des Menschen erheblich einschränken. Bei Patienten mit einer manifesten Angststörung unterbrechen vor allem nächtliche Panikattacken mit Unruhe, Herzrasen oder Atemnot den Schlaf. Bei der Generalisierten Angststörung sind dies so genannte frei flottierende Ängste. Hierbei sind es nicht selten unrealistische oder übertriebene Ängste bezüglich bestimmter Lebensumstände, die Angst auslösen und dazu führen, dass die entsprechende Situation vermieden wird. (zum Beispiel Angst vor Menschen (Soziophobie) oder vor freien Plätzen (Agoraphobie)).
Psychogene/Psychoreaktive Ein- und Durchschlafstörungen
Hier spielt oft die Kombination aus lange anhaltenden Belastungssituationen und unbewussten seelischen Konflikten als Verursacher eine Rolle. Emotionale Belastungen können unter diesem Druck schlechter verarbeitet werden und stören den Schlaf zusätzlich. Häufig beginnt diese Art der Schlafstörung zunächst wie eine Insomnie bei Anpassungsschwierigkeiten.
Ein- und Durchschlafstörungen bei Anpassungsschwierigkeiten
Diese akuten Schlafschwierigkeiten entstehen durch Stress, Probleme im sozialen Umfeld oder schwere psychosoziale Belastungen. Sie ist die häufigste Insomnieform des menschlichen Alltags und geht fast immer mit einem Zustand körperlicher und gefühlsmäßiger Anspannung und Erregung einher. Jeder kennt diese Situationen, sei es bei der Trauer über den Verlust einer nahe stehenden Person, bei der Anspannung vor einer Prüfung, oder dem Missempfinden, im fremden Hotelbett zu schlafen.
Im Gegensatz zu den chronischen, schweren Schlafstörungen sind diese Ein- und Durchschlafstörungen meist erst seit kurzer Zeit vorhanden. Sie treten nur vorübergehend auf und hören auf, wenn der Stressor verschwindet. Begleitend auftreten können Lethargie, Müdigkeit, lange Bettliegezeiten, Angst, Reizbarkeit, körperliche Beschwerden (zum Beispiel Schmerzen) und auch depressive Verstimmungen.
Durch Stimulanzien bedingte Schlafstörungen
Kaffee und koffeinhaltige Getränke sollten vor dem Schlafengehen möglichst vermieden werden. Die wenigsten wissen jedoch, dass Kaffee auch paradox wirken kann. Immerhin auf jeden Dritten hat Kaffee eine einschläfernde Wirkung.
Auch viele Schmerz- und Grippemittel enthalten Koffein. Die Wirkstoffe Theophyllin und Ephedrin sind dem Koffein chemisch nah verwandt und können ebenso den Schlaf beeinträchtigen. Sie sind in einer ganzen Palette von Medikamenten gegen Grippe, Husten, Schnupfen, Bronchitis und Asthma enthalten. Auch verschiedene Mittel gegen Epilepsie und Depressionen (so wie die antriebssteigernden trizyklischen Antidepressiva) können Schlafstörungen verursachen. Besondere Vorsicht ist bei Appetitzüglern geboten: Sie führen häufig zu Schlafproblemen, da sie Aufputschmittel enthalten.
Auch Raucher brauchen durchschnittlich fast eine Viertelstunde länger, um einzuschlafen und liegen nachts länger wach als Nichtraucher.
Wenig bekannt ist auch, dass Alkohol zwar das Einschlafen erleichtert, größere Alkoholmengen - etwa ab einer halben Flasche Wein - jedoch zu ganz erheblichen Veränderungen im Schlafmuster führen. Am Anfang der Nacht, wenn der Alkoholspiegel im Blut noch hoch ist, werden der Tiefschlaf unterdrückt und die REM-Schlaf-Phasen deutlich verkürzt. Mit dem Abklingen der Alkoholeinwirkung im weiteren Verlauf der Nacht kommt es dann zu Unruhe und einer Verlängerung der Wachperioden. Im Durchschnitt schlafen Personen, die täglich Alkohol trinken, kürzer als Menschen, die keinen Alkohol zu sich nehmen. Alkoholabhängigkeit hat fast immer eine Ein- und Durchschlafstörung zur Folge, die im Entzug verstärkt wird.
Häufig wird auch vergessen, dass Schlafmittel die Wirkung von Alkohol verstärken. Das gilt auch noch, wenn der Alkohol am Tag nach der Einnahme des Schlafmittels getrunken wird.
Illegale Drogen wie Heroin oder Morphium und vor allem Amphetamine, auch Ecstasy und Kokain verringern die Schlafdauer, führen zum Aufwachen in der Nacht und reduzieren den Tiefschlaf und den traumreichen Rapid-eye-movement-Schlaf (REM-Schlaf).
Schlafstörungen durch Schlafmittel
Auch die Einnahme von Schlafmitteln kann für sich allein bereits zur Ausbildung von Ein- und Durchschlafstörungen führen. Dies betrifft vor allem Benzodiazepinrezeptoragonisten, deren abruptes Absetzen nach längerer Einnahmedauer eine solche Schlafstörung auslösen kann. Solche Absetzschlafstörungen (Absetzinsomnien) kommen vor allem bei einer höheren Dosierung und bei Substanzen mit schneller Ausscheidung vor, sowie bei Patienten mit einer schweren Schlafstörung. Sie lassen sich im Allgemeinen durch eine niedrigere Medikamentendosis und ein allmähliches Vermindern der Dosis zum Ende der Therapie hin vermeiden.
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