Migräne - Ursachen

Migräne nennt man bohrende und pulsierende Kopfschmerzen, die anfallartig auftreten. Hier finden Sie alles zum Thema.


Ursachen

Wir wissen nicht genau, was zur Migräne führt und was sich während einer Attacke im Kopf abspielt. Es gibt mehrere Theorien dazu. Einige Faktoren, die bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen, sind bekannt.

Wie entsteht die Migräne?

Wir wissen nicht mit Sicherheit, wie die Migräne entsteht. Verschiedene Theorien wurden dazu entwickelt. Die Mehrzahl der Wissenschaftler hält es aber für möglich, dass ein Anfall folgendermaßen abläuft:

Vielleicht löst die Überaktivität einzelner Nervenzellverbände im Hirnstamm die Kopfschmerzattacke aus. Als Hirnstamm wird das Großhirn ohne den Hirnmantel bezeichnet. Die elektrischen Impulse gelangen über Nervenfasern zu den Blutgefäßen der Hirnhaut. Dort verursachen sie eine keimfreie Entzündung. Diese Entzündung nennt man neurogen, also von Nerven verursacht. Die betroffenen Gefäßwände sind schmerzhaft und so empfindlich, dass der Migräniker jede Pulswelle als pochenden Kopfschmerz fühlt. Die Gefäßwand wird durchlässig. Botenstoffe werden freigesetzt, die das Gefäß erweitern, beziehungsweise die Schmerzschwelle herabsetzen. Vielleicht trägt die Weitstellung der Gefäße zum Schmerz bei, vielleicht aber ist sie nur eine Folge des Geschehens. Die zeitgleiche Erregung anderer Nervenzentren im Gehirn führt zu Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen oder Lärm- und Lichtscheu.

Dem Kopfschmerz geht die so genannte Aura voraus. Das sind neurologische Störungen, wie zum Beispiel Flimmersehen oder Lähmungen. Verantwortlich für die Aura könnte eine verminderte elektrische Aktivität von Gehirnzellen oder eine Durchblutungsstörung sein.

Die wichtigsten weiteren Theorien

Vaskuläre Hypothese

Die älteste Theorie geht von der Vorstellung aus, dass eine Fehlfunktion der Blutgefäße die eigentliche Ursache der Migräne ist. Demnach verengen sich die Gefäße als erstes. Die nachfolgende Minderdurchblutung ist verantwortlich für die Aura. Anschließend stellen sich die Gefäßwände weit und verursachen so den Kopfschmerz. Heute weiß man, dass es während einer Aura zu Störungen des Blutflusses im Gehirn kommt. Diese Tatsache erklärt aber nicht den Schmerz. Vermutlich ist die Erweiterung der Blutgefäße erst eine Folge vom Kopfschmerz.

Neurogene Hypothese

Biochemische oder mechanische Reize verändern die elektrische Aktivität der Gehirnzellen. Folge ist eine Minderdurchblutung des Gehirns vom Hinterhaupt bis zu den Schläfen. Diese Theorie erklärt nur die Aura, aber nicht den Kopfschmerz.

Trigeminovaskuläre Hypothese

Nur Fasern, die aus dem Kerngebiet des Trigeminusnervs im Gehirn kommen, leiten zu viele oder zu starke elektrische Impulse zu den Blutgefäßen der harten Hirnhaut. Dies führt zu einer neurogenen Entzündung der Gefäßwand.

Was wir sonst noch über die Entstehung der Migräne wissen

  • Eine familiäre Belastung nimmt man bei bis zu 65 Prozent der Migräniker an. Je jünger der Patient bei seiner ersten Migräneattacke ist, desto wahrscheinlicher hat er seine Kopfschmerzen geerbt. Das Leiden wird vor allem über die mütterliche Linie weitergegeben. Forscher durchsuchen zwar das Erbgut, aber ein Migräne-Gen ist bisher nicht bekannt.
  • Vermutlich können sich die Gehirnzellen eines Migränepatienten schlecht gegen Reizüberflutung schützen und reagieren deshalb stärker auf Reize als gewöhnlich. Das haben Untersuchungen ergeben, bei denen die elektrische Aktivität des Gehirns nach wiederholten Lichtsignalen oder Tönen gemessen wurde.
  • Viele Migräniker berichten über Auslöser von Kopfschmerzattacken. Bestimmte Wetterbedingungen oder Phasen des Menstruationszyklus, Stress oder Wochenende, optische Reize, Alkohol oder Lebensmittel (Rotwein, Schokolade, Käse) werden verantwortlich gemacht. Wer seinen Auslöser kennt, der kann seinen Lebensstil entsprechend einrichten. Meistens kommen aber mehrere Faktoren zusammen, die einen Anfall auslösen.
  • Serotonin, ein Botenstoff des Nervensystems, ist vor einer Migräneattacke im Blut leicht erhöht. Im Anfall ist seine Konzentration stark vermindert und Abbauprodukte werden mit dem Urin ausgeschieden. Serotonin verengt unter anderem Gefäße und beeinflusst die Schmerzwahrnehmung. Man nimmt an, dass das Serotonin zu Beginn eines Anfalls aus seinem Speicher, den Blutplättchen, freigesetzt wird und aus den Gefäßen austritt. Sein Wegfall vor Ort soll dann zur Gefäßerweiterung führen.

Quelle: Springer Medizin
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