Rheumatoide Arthritis - Polyarthritis - Therapie
Therapie
Am Anfang, wenn zunächst der Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis (RA) besteht, verordnet der Arzt schnell wirkende entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Neben der Beschwerdelinderung steht zu diesem Zeitpunkt die Diagnosesicherung im Vordergrund.
Sobald die Diagnose rheumatoide Arthritis gesichert oder zumindest ausreichend wahrscheinlich ist, kommen langfristig wirkende Medikamente zum Einsatz. In der Regel wird heute ein langfristig wirkendes, entzündungshemmendes Basismedikament mit einem kurzfristiger wirkenden Medikament kombiniert. Manchmal werden auch mehrere Basismedikamente zusammen eingesetzt. Während der gesamten Behandlungszeit sollen die Patienten zusätzliche Behandlungen erhalten, die zur Schmerzlinderung beitragen (z.B. Kältebehandlung und weitere physiotherapeutische Maßnahmen). Dabei ist auch das Ausmaß der aktuellen entzündlichen Aktivität zu berücksichtigen. Die Hauptziele der physiotherapeutischen Behandlungen sind der Erhalt bzw. die Verbesserung der Belastbarkeit, der Leistungsfähigkeit und der Beweglichkeit sowie eine Verminderung der Schmerzen und ggf. der Entzündungsreaktion. Im Zuge einer solchen Behandlung erlernen RA-Patienten z.B. bestimmte Übungen, um eine zu starke Belastung ihrer Gelenke zu vermeiden. Darüber hinaus gibt eine trainierte Muskulatur dem Gelenk, das durch die Entzündung bedroht ist, zusätzlichen Halt und dient auf diese Weise auch der Funktionserhaltung.
Medikamentöse Therapie
Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis stehen verschiedene Gruppen von Medikamenten zur Verfügung, die alle – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß - entzündungshemmend wirken: kortisonfreie Entzündungshemmer, Kortison, Basismedikamente und sogenannte Biologics.
Kortisonfreie Entzündungshemmer
Kortisonfreie Entzündungshemmer (NSAR) sind Medikamente, die entzündungshemmend (antiphlogistisch) und schmerzstillend (analgetisch) wirken. Zu dieser Gruppe gehören u.a. Ibuprofen und Diclofenac. Sie enthalten kein Kortison (Steroid, Glukokortikosteroid) und werden daher auch als nicht-steroidale Antirheumatika (anti = gegen) bezeichnet. Die Wirkung tritt rasch, nach 30 Minuten bis drei Stunden, ein und hält mehrere Stunden bis maximal einige Tage an (je nach Präparat unterschiedlich). Diese Medikamente bekämpfen nicht die Ursache der Entzündung. Sie wirken nur schmerzlindernd und bekämpfen die sichtbare Entzündung. Deshalb werden sie vor allem im akuten Schub einer rheumatoiden Arthritis eingesetzt.
Kortison
„Kortison“ ist bei der rheumatoiden Arthritis eine gut und meist schnell wirksame Substanz. Zum Beispiel dämpfen Wirkstoffe aus der Gruppe der Kortikoide („Kortison“) die rheumatische Entzündung und damit auch die dadurch ausgelösten Schmerzzustände meist sehr schnell und zuverlässig. Gleichzeitig können diese Stoffe bei sorgfältiger Anwendung der Zerstörung von Knochen und Knorpelgewebe Einhalt gebieten und die Wirksamkeit anderer Medikamente verstärken. Während „Kortison“ am Beginn oder bei akuten Krankheitsschüben u.U. in hohen Dosen eingesetzt und danach schrittweise reduziert wird, erfolgt die Behandlung im weiteren Verlauf heute meist mit der niedrigst möglichen Dosis. Wie bei anderen Medikamenten auch sollten Nutzen und Risiken einer solchen Behandlung jedoch regelmäßig kontrolliert werden. Falls der Körper nicht durch eine allgemeine Kortisongabe oder andere entzündungshemmende Medikamente belastet werden soll, kann Kortison alternativ direkt in das entzündete Gelenk gespritzt werden.
Basismedikamente
Hierzu gehören Substanzen wie Methotrexat, Leflunomid und Sulfasalazin. Die Basismedikamente wirken der zunehmenden Gelenkschädigung entgegen, zeigen aber frühestens nach vier bis acht Wochen Wirkung. Dann beginnen Schwellungen und Schmerzen zurückzugehen. Die maximale Wirkung entfalten sie meist erst nach zwei bis drei Monaten (wobei sich einzelne Medikamente hierin deutlich unterscheiden). Es können auch mehrere Basismedikamente miteinander kombiniert werden, falls die Therapie mit nur einem einzelnen Präparat keinen Erfolg zeigt.
Biologics (biotechnologisch hergestellte Medikamente)
Mehr als zehn Jahre nach ihrer ersten erfolgreichen Anwendung haben „Biologics“ eine neue Ära in der Behandlung rheumatologischer Erkrankungen eingeleitet. Durch den gezielten Einsatz dieser Medikamente, allein oder in Kombination mit herkömmlichen Basistherapeutika, ist es möglich geworden, die meisten der an entzündlichen Gelenk-erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis leidenden Patienten erfolgreich zu behandeln.
Für nicht wenige Patienten bedeutet dies, neben einer deutlichen Minderung der Entzündungsvorgänge, auch eine entscheidende Verbesserung ihrer Lebensqualität. Während die meisten der bislang zur Verfügung stehenden „Biologics“ die Wirkung von Entzündung vermittelnden Botenstoffen blockieren, beeinflussen wieder andere bestimmte Zellen des Abwehrsystems direkt. Ansatzpunkte der Wirkung von Biologics sind daher neben dem Tumornekrosefaktor-alpha und weiteren Zytokinen (Interleukin-1, Interleukin-6), mittlerweile auch Zellen des spezifischen Abwehrsystems. Bei diesen Zellen handelt es sich um bestimmte B- und T-Lymphozyten, die ihre jeweilige Fähigkeit zum Mitwirken bei Abwehrprozessen erst im Lauf ihres „Lebens“ erworben haben und die bei der RA ein wichtiger Teil des Krankheitsgeschehens sind.
Physiotherapeutische Behandlung
Neben Massagen und der Ergotherapie haben verschiedene physiotherapeutische Methoden wie gezielte Lagerungen, Gelenkmobilisation und Wärme- oder Kälteanwendungen ihren Platz bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Diese Methoden werden abhängig von der jeweiligen Ausprägung der Gelenkprobleme eingesetzt. Bedeutsam ist ebenso die aktive Bewegung nach dem Erlernen eines spezifischen krankengymnastischen Übungsprogramms. Diese Übungen sollten nicht nur in der krankengymnastischen Praxis, sondern auch zu Hause regelmäßig durchgeführt werden.
Operative (chirurgische) Maßnahmen
Trotz aller Verbesserungen bei der Früherkennung und den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten haben operative Therapieverfahren bei der RA weiterhin einen hohen Stellenwert. Sie dienen u.a. der Funktionserhaltung bei Schäden an Sehnen oder Gelenken. Dazu gehören die Entfernung von entzündlich veränderter Gelenkinnenhaut (Synovektomie), der Gelenkersatz durch künstliche Gelenkteile (Endoprothesen) und die Gelenkversteifung (Arthrodese).
Autor: Redaktion SpringerGesundheit
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