Erkältung - Grippaler Infekt - Therapie

Die Erkältung wird meistens von Viren hervorgerufen, die sich besonders in den Zellen der Atemwegsschleimhäute wohlfühlen. Hier finden Sie alles zum Thema.


Therapie

Das Immunsystem wird mit der Vireninvasion selbst fertig, aber Hausmittel sind gegen die lästigen Symptome nützlich. Zuviel des Guten kann hier aber mehr schaden als nützen!

Einfach die Viren mit einem antiviralen Mittel vernichten - ebenso wie man bei Bakterien mit Antibiotika verfährt? Das geht nur eingeschränkt, weil sich die Viren in die körpereigenen Zellen einnisten. Vernichtet werden können sie nur, wenn auch die Zellen dabei zugrunde gehen - also ist man mit so genannten Virostatika sehr zurückhaltend. Bei lebensgefährlichen viralen Infekten werden die unerwünschten Effekte in Kauf genommen, bei Schnupfen keinesfalls.

Was also sonst? Die Medikamente bei einem banalem Infekt erleichtern die Symptome und können hierbei sehr sinnvoll sein. Sie können aber auch die Abwehrkraft steigern und so schon vorbeugend eingesetzt werden.

Symptome bekämpfen

Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen werden unter anderem durch Botenstoffe hervorgerufen, die während der Abwehrreaktion Aufträge an die Immunzellen vermitteln. Diese Symptome werden durch Substanzen unterdrückt, die in den Botenstoffhaushalt eingreifen. Sie wirken gleichzeitig fiebersenkend, schmerzlindernd und entzündungshemmend (antipyretisch, analgetisch, antiphlogistisch). In erster Linie sind das die Acetylsalicylsäure (Aspirin®, ASS-ratiopharm® und andere) und Paracetamol (ben-u-ron®, Enelfa® und andere). Für Kinder wird das Paracetamol (als Zäpfchen) vorgezogen, weil bei ihnen nach ASS sehr selten schwer wiegende Nebenwirkungen wie Leberversagen auftreten können.

Bei Leberkrankheiten (zum Beispiel Hepatitis C) darf kein Paracetamol genommen werden. ASS hemmt die Blutgerinnung und darf nicht eingenommen werden, wenn der Patient ein blutverdünnendes Medikament erhält, zum Beispiel bei Herzklappen- oder anderen Herzkrankheiten. Bei Magen- oder Dünndarmgeschwüren ist ASS gefährlich, weil es Blutungen auslösen kann, die dann wegen der gestörten Gerinnung besonders lange anhalten.

Der Zusatz von Vitaminen kann gerade bei grippalen Infekten sinnvoll sein.

Die verstopfte Nase und gestörte Nasenatmung wird durch abschwellende Nasentropfen oder -sprays behandelt (Wirkstoffe mit Endung auf "-zolin"). Sie ziehen ähnlich wie Adrenalin die arteriellen Blutgefäße in der Nase zusammen. Die Schwellung geht zurück, die Nase wird wieder frei.

Wird die Nasendurchblutung durch zu häufige Anwendung (mehr als viermal pro Tag) nachhaltig gedrosselt, bekommen Keime allerdings leichtes Spiel, und die Schleimhaut kann dauerhaft geschädigt werden. Deshalb nicht zu oft und lange anwenden!

Vor allem wenn der Schlaf durch die verstopfte Nase gestört ist oder wenn durch ständige Mundatmung die Schleimhäute austrocknen, sind Nasentropfen oder -sprays sinnvoll.

Husten löst sich durch Wärme (warme Brustwickel, warmes Armbad), reichlich warme Flüssigkeit wie Bronchialtees (aber eher keine Milch - bewirkt unangenehme Verschleimung) und eventuell Hustenlöser. Sie verflüssigen den Schleim, sodass er besser abzuhusten ist.

Bitte nicht abends anwenden und nie zusammen mit hustenreizstillenden Mitteln (enthalten Codein)! Ist der Schleim verflüssigt, aber der Hustenreiz gedämpft, so kann sich Sekret in den tiefen Atemwegen sammeln und dort die Atmung stark behindern.

Auch Bronchialbalsam erleichtert das Abhusten. Allergiker sollten vorsichtig sein, denn die Allergisierungsrate liegt hoch (bei zirka zehn Prozent der Anwender).

Keinen Bronchialbalsam oder ätherische Öle im Nasenbereich bei Kleinkindern und Säuglingen anwenden - Gefahr eines gefährlichen Atemwegskrampfes! Hier gibt es die Möglichkeit, ätherische Öle aufs Kissen oder das Lätzchen zu tropfen.

Hustenreizstillende Medikamente wirken auf das Hustenzentrum im Gehirn ein. Sie dämpfen nicht nur den Hustenreiz, sondern auch die Reaktionsfähigkeit! Am sinnvollsten sind sie abends und vor allem beim trockenen Husten der ersten Phase. Später sind sie eher ungünstig, weil sie den sinnvollen Schutzreflex blockieren.

Ätherische Öle (Eukalyptus, Thymian, Fichten-, Kiefer-, Piniennadelöl und andere) vertiefen die Atmung, erleichtern das Abhusten und regen die Durchblutung in den Atemwegen an. Sie können ins Bad gegeben werden und wirken dann durch Inhalation, sie können direkt inhaliert werden oder über Einreibungen oder Wickel wirken.

Allgemeine Empfehlungen. Bettruhe sollte eingehalten werden, wenn das Allgemeinbefinden deutlich eingeschränkt ist. Bei unkompliziertem Schnupfen ist sie nicht notwendig. Viel frische Luft, auch im Winter und bei Säuglingen/Kleinkindern, verbessert ebenfalls die Atmung. Die Kleidung sollte angemessen und weder zu kalt noch zu warm sein. Hat der kleine oder große Patient keinen Appetit, sollte das respektiert werden. Statt den Verdauungsorganen steht die Energie dann dem Immunsystem zur Verfügung.

Vorbeugende Behandlung

Abhärtung durch gezielten Kontakt mit Warm- und Kaltreizen trainiert die Reaktionsfähigkeit des ganzen Organismus. Sie macht nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Keimen, sondern auch gegenüber psychischem Stress oder anderen Krankheiten. Besonders günstig ist regelmäßiges Saunieren, weil dadurch der Organismus mit Temperaturwechseln umzugehen lernt.

Die Abwehr kann auch durch pflanzliche Substanzen angeregt werden, beispielsweise durch Sonnenhutextrakte. Die enthaltenen Zucker sind für den Körper harmlos, aktivieren bis zu einem gewissen Grade die Zellen, die mit einstürmenden Keimen besser fertig werden. Eine Anwendung über mehrere Wochen hinaus ist nicht sinnvoll. Bakterien-Lysate wirken ähnlich und sind dementsprechend bei wiederkehrenden bakteriellen Infekten sinnvoll.

Quelle: Springer Medizin
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