Neurodermitis - Atopisches Ekzem - Therapie

Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die sich Hauttrockenheit, Ekzembildung und Juckreiz auszeichnet. Hier finden Sie alles zum Thema - inklusive kostenloser Expertenrat.


Therapie

Die Behandlung des atopischen Ekzems setzt sich aus äußerlicher und innerlicher Behandlung zusammen. Die Therapie beginnt bereits bei einer regelmäßigen allgemeinen Hautpflege.

Äußerliche Behandlung: Allgemeine Hautpflege

Menschen mit atopischer Disposition, das heißt mit einer veranlagungsbedingten Neigung, an einem atopischen Ekzem zu erkranken, sollten ihre Haut gut vor Austrocknung schützen. Dies kann mit der Benutzung von seifenfreien Hautreinigungsmitteln ebenso wie durch regelmäßiges Eincremen der Haut geschehen. Als Zusatz zu Salben und Cremes dient Harnsäure der Steigerung des Feuchtigkeitsgehalts der Haut, Gamma-Linolensäure soll Fettsubstanzen bereitstellen, die möglicherweise in die Fette der Hornschichtbarriere eingebaut werden.

Anstelle alkalischer Seifen sollten seifenfreie Hautreinigungsmittel mit einem pH-Wert von 5,5 verwendet werden, da diese nicht wie die alkalischen Seifen die Funktion der schützenden Hornschichtbarriere beeinträchtigen, sondern die Hornschichtbarriere sogar stabilisieren. Medizinische Ölbäder (in Apotheken erhältlich) haben einen rückfettenden Effekt. Nach jedem Duschen und darüber hinaus ein- bis zweimal täglich (je nach Hautzustand) sollte die Haut sorgfältig mit einer wirkstofffreien Salbe, Creme, Milch oder Lotion behandelt werden. Grundsätzlich stabilisieren besonders fette Grundlagen, das heißt Salben im engeren Sinne, die Hornschichtbarriere in besonderem Maße; allerdings kann der Fettfilm an der Hautoberfläche als unangenehm empfunden werden. Insbesondere im Gesichtsbereich und im Sommer sollten weniger fette Grundlagen (zum Beispiel Cremes) angewandt werden.

Der Zusatz von Harnstoff kann sich unter Umständen besonders günstig auswirken. Harnstoff wird beim Abbau von Eiweiß im menschlichen Körper gebildet und mit dem Urin ausgeschieden. Künstlich hergestellter Harnstoff wird rückfettenden Mitteln zur Hautpflege zugesetzt, weil hierdurch der Feuchtigkeitsgehalt der Hornschicht weiter gesteigert werden kann. Die Teilchen (Moleküle) der Substanz sind sehr klein, so dass sie gut in die Hornschicht eindringen. Dort binden die Harnstoffteilchen in hohem Maße Wasser, das heißt der Wassergehalt der Hornschicht steigt, und die Haut fühlt sich glatt und geschmeidig an. Harnstoffhaltige Cremes und Lotionen sind sehr gut zur Pflege der trockenen Haut unter anderem bei Neigung zu atopischem Ekzem geeignet.

Bei akut entzündlichen Hautveränderungen sollten harnstoffhaltige Präparate allerdings nicht verwendet werden, weil Harnstoff unter Umständen die Haut reizen kann. Ein vorübergehendes leichtes Brennen beim Auftragen dieser Mittel auf unauffällige Haut kommt häufig vor und ist nicht weiter bedenklich.

Alternativ können Hautpflegemittel mit einem Zusatz von Gamma-Linolensäure verwendet werden. Diese Substanz ist im Öl der Samen der Nachtkerze, einer Blütenpflanze, enthalten. Daher ist möglicherweise auch die Einnahme von Nachtkerzensamenöl in Form von Kapseln vorbeugend wirksam. Allerdings wurde eine Wirksamkeit von äußerlich beziehungsweise innerlich angewandter Gamma-Linolensäure bei atopischem Ekzem noch nicht erwiesen. Auch ist nicht sicher, ob die Substanz tatsächlich in die Fettsubstanzen der Hornschichtbarriere (Barrierelipide) eingebaut wird.

Ganz allgemein sollte sich die Basispflege bei Menschen mit Neigung zu atopischem Ekzem jeweils am aktuellen Hautzustand orientieren; eine spezielle Empfehlung kann der Hautarzt geben.

Äußerliche Behandlung bei akuten nässenden Ekzemen

Bei nässenden akuten Ekzemen können feuchte Umschläge lindernd wirken. Entzündliche Hautveränderungen sollten im Allgemeinen frühzeitig mit einem schwach oder mittelstark wirksamen Glukokortikoid-Präparat behandelt werden, um der Entstehung chronischer Hautveränderungen entgegenzuwirken. Wichtig ist eine möglichst kurze Behandlungsdauer, um unerwünschten Wirkungen vorzubeugen.

Für feuchte Umschläge können Leitungswasser, eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung, kalter schwarzer Tee oder eine Gerbstofflösung aus der Apotheke benutzt werden. Gerbstoffe, die im schwarzen Tee enthalten sind, sowie künstlich hergestellte Gerbstoffe wirken entzündungshemmend und lindernd. Auch Extrakte aus Kamillenblüten können zur Linderung der Beschwerden beitragen, doch sollte ihr Einsatz insbesondere an entzündeter Haut vermieden werden.

Die Blüten von Kamille und anderen Korbblütlern (wie zum Beispiel Arnika oder Ringelblume) enthalten zahlreiche Substanzen, die unter Umständen Kontaktallergien auslösen können.

Zur Linderung des Juckreizes kann eine Creme mit dem Wirkstoff Thesit aufgetragen werden. Diese Substanz wirkt juckreizstillend, aber im Gegensatz zu Glukokortikoiden nicht antientzündlich. Mit nachteiligen Effekten ist bei dieser Substanz in der Regel nicht zu rechnen.

Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion auf dem Boden des Ekzems kann zusätzlich ein Antibiotikum beziehungsweise ein desinfizierender Wirkstoff äußerlich angewandt werden. In der Apotheke gibt es rezeptpflichtige fertige Cremes oder Salben, die sowohl ein Glukokortikoid als auch ein Antibiotikum oder eine desinfizierende Substanz enthalten.

Glukokortikoid-Präparate

Entzündliche Hautveränderungen sollten im Allgemeinen frühzeitig mit einem schwach oder mittelstark wirksamen Glukokortikoid-Präparat behandelt werden, um der Entstehung chronischer Hautveränderungen entgegenzuwirken. Nach Abklingen der Entzündungsreaktion sollte allmählich die Anwendungshäufigkeit des Glukokortikoid-Präparats reduziert und gleichzeitig die der wirkstofffreien Pflegecreme erhöht werden. Diese Vorgehensweise wird auch als Ausschleichen des Glukokortikoids bezeichnet. Plötzliches Absetzen des Glukokortikoids sollte insbesondere bei stärker wirksamen Präparaten vermieden werden, da dies das Wiederaufflammen der Entzündungsreaktion begünstigen kann.

Glukokortikoid-haltige Salben beziehungsweise Cremes sollten ganz allgemein nur kurzfristig eingesetzt werden, da die Haut bei regelmäßiger Anwendung über einige Wochen unter Umständen dünner werden kann.

Äußerliche Behandlung bei dyshidrosiformem Hand- und Fußekzem

Ein dyshidrosiformes Hand- und Fußekzem im Rahmen eines atopischen Ekzems sollte im Allgemeinen mit mittelstark wirksamen Glukokortikoiden behandelt werden.

Die Anwendung von feuchten Umschlägen mit gerbenden Zusätzen im Wechsel mit Salben kann die Behandlung unterstützen. Hautreizung durch Kälte oder Hitze sollte vermieden werden. Außerdem kommen so genannte PUVA-Bäder der Hände beziehungsweise der Füße infrage. Bei dieser Therapieform werden die Hände beziehungsweise die Füße zunächst in ein Bad mit einem lichtsensibilisierenden Stoff gehalten und anschließend mit ultraviolettem (UV-A-) Licht bestrahlt. Hierzu werden Hände und/oder Füße in Schlitze spezieller Bestrahlungsgeräte gehalten, die die UV-Strahlung nicht an die übrige Haut gelangen lässt.

Innerliche Behandlung des atopischen Ekzems

Durch innerliche Gabe von so genannten Antihistaminika kann der Juckreiz bei atopischem Ekzem gelindert werden. Bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion der betroffenenen Hautareale können Antibiotika notwendig sein.

Bei sehr schweren Ekzemschüben können insbesondere erwachsenen Patienten im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts unter Umständen Glukokortikoide innerlich verabreicht werden.

Klimaveränderungen können die Hauterscheinungen nur kurzfristig bessern; als wirksames Prinzip wird die Kombination aus ultravioletter (UV-) Strahlung der Sonne, insbesondere am Meer oder im Gebirge, allergenarmer Umgebung am Meer und im Hochgebirge und seelischer Entspannung betrachtet.

Was Sie sonst noch tun können


  • Die Suche nach den Auslösern der Neurodermitisschübe ist meist langwierig und bleibt häufig sogar erfolglos. Außerdem gibt es Auslöser, mit denen der Kontakt nicht vermieden werden kann. Daher ist die beste Vorsorge eine sorgfältige Hautpflege. Diese verschafft der Haut eine glatte, geschmeidige Beschaffenheit und damit eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen.

  • Es gibt keine allgemeingültige Neurodermitisdiät. Deshalb sind übereilte und radikale Maßnahmen zur Umstellung der Ernährung mit Vorsicht zu betrachten. Lebensmittel sollten nur dann ausgelassen werden, wenn ein eindeutiger Zusammenhang zwischen derem Verzehr und dem Auftreten von Schüben erkennbar ist.

  • Übertriebene Hygiene fördert das Austrocknen der Haut. Daher gilt beim Duschen und Baden der Grundsatz: nicht zu oft, so kurz wie möglich und mit nur lauwarmem Wasser. Danach ist die Haut mit dem Handtuch trocken zu tupfen und nicht trocken zu rubbeln. Unverzichtbar ist Eincremen nach jeder Hautreinigung. In schubfreien Phasen wird die gesamte Haut mit einem Pflegeprodukt behandelt und während eines Schubes nur diejenigen Hautstellen, die nicht betroffen sind.

Wichtig!

Für die Behandlung der Neurodermitis gibt es keine Patentlösung, weder für die Medikamente noch für die Pflegeprodukte. Da jede Haut ihre eigenen Ansprüche hat, kann es eine gewisse Zeit dauern, bis die richtigen Mittel gefunden sind. Daher ist es wichtig, geduldig zu bleiben und der Volksweisheit "Was lange währt, wird gut." zu vertrauen. Schließlich entscheidet bei einer chronischen Krankheit die langfristige Beschwerdefreiheit und nicht der kurzzeitige Erfolg.

Quelle: bsmo Redaktion; Springer Professional Medicine
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