Schlafstörungen - Insomnie - Therapie
Therapie
Meist liegen bei chronischen Ein- und Durchschlafstörungen mehrere Ursachen vor, von denen jede einzelne behandelt werden muss. Die Verordnung von Schlafmitteln sollte dabei nie ohne begleitende psychologische Therapieansätze erfolgen.
In der Therapie von Ein- und Durchschlafstörungen ist die Verschreibung von Schlafmitteln ein Standardverfahren.
Schlafmediziner fordern allerdings, Schlafmittelanwendungen grundsätzlich mit Verfahren zu kombinieren, die in erster Linie auf Strategien der Verhaltensänderung, Entspannung oder Psychotherapie basieren.
Neben Basisverfahren (Aufklärung und Beratung über den Schlaf) werden verhaltenstherapeutische Techniken (wie Schlafhygiene, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion), Entspannungsverfahren (wie Muskelrelaxation, Autogenes Training) und Psychotherapie im engeren Sinne (zum Beispiel tiefenpsychologische Psychotherapie) empfohlen.
Viele Untersuchungen haben die Wirksamkeit der Beachtung der Schlafhygiene und der Stimulus-Kontrolltherapie gezeigt. Besonders gute Therapieerfolge werden erzielt, wenn der Betroffene zusätzlich ein Entspannungsverfahren erlernt wie zum Beispiel Autogenes Training oder die Muskelrelaxation nach Jacobson und diese auch regelmäßig einsetzt.
Dabei kann berits eine einfache Beratung über die Funktion des Schlafs zu Beginn der Behandlung Ängste ("Sterbe ich an zu wenig Schlaf") und Fehlvorstellungen ("ich muss täglich acht Stunden schlafen") abbauen helfen.
Psychologische Verfahren
Schlafmediziner fordern heutzutage, jede Schlafmittelanwendung grundsätzlich mit Verfahren zu kombinieren, die in erster Linie auf Strategien der Verhaltensänderung, Entspannung oder Psychotherapie basieren.
Viele Untersuchungen haben die Wirksamkeit der Schlafhygiene und der Stimulus-Kontrolltherapie gezeigt, die beide auf einen veränderten Umgang mit dem Schlaf abzielen. Auch die Schlafrestriktionstherapie gehört zu den häufiger angewandten verhaltenstherapeutischen Verfahren.
Stimulus-Kontrolltherapie
Ziel dieses Verfahrens ist es, dass das Zubettgehen wieder mit angenehmen Gefühlen und der Erfahrung einschlafen zu können, verbunden wird. Denn viele Schlafgestörte versuchen verzweifelt einzuschlafen, wollen den Schlaf erzwingen und geraten so immer mehr in einen Zustand von Ärger und Erregung. Oft führt schon das Betreten des Schlafzimmers, spätestens das "Sich - ins - Bettlegen" wie bei einem trainierten Reflex zu vollständiger Wachheit. Das Bett wirkt dabei als Signal für die über lange Zeit gemachten Erfahrungen, in ihm nicht schlafen zu können, wach zu liegen, zu grübeln und sich zu ärgern.
Bei der Stimuluskontrolltherapie geht es darum, folgende, sehr wirksame Regeln einzuhalten:
- Das Zubettgehen ist nur erlaubt, wenn man müde ist und glaubt, einschlafen zu können
- Das Bett ist nur zum Schlafen oder für sexuelle Aktivitäten da. Es darf im Bett nicht gelesen, gearbeitet, ferngesehen oder gegessen werden
- Bei Einschlafschwierigkeiten sollten nach einer festgelegten Zeit (15 Minuten!) Bett und Schlafzimmer verlassen werden. Erst bei ausreichender Müdigkeit mit dem Gefühl, wieder schlafen zu können, darf man erneut zu Bett gehen
- Morgens immer zur gleichen Zeit aufstehen, unabhängig von der Schlafqualität der vergangenen Nacht
Dieses Verfahren zielt darauf ab, das Fehlverhalten bei Schlafstörungen, das sich mit der Zeit bei langdauernden Schlafstörungen eingeschlichen hat, zu korrigieren. Dazu gehört auch zum Beispiel wieder zu "verlernen", länger als erforderlich im Bett zu bleiben, um dadurch mehr Schlaf zu bekommen. Vorher wird vom Patienten ein Schlafprotokoll geführt, das häufig sehr schnell das Missverhältnis zwischen der wirklichen Schlafzeit und der im Bett verbrachten Zeit verdeutlicht. Diese Methode ist sehr anstrengend und verlangt den festen Willen zur Mitarbeit von Seiten des Betroffenen. Viele können es nur umsetzen, wenn sie Urlaub haben und vorübergehende Einschränkungen ihrer Befindlichkeit am Tage in Kauf nehmen können.
Dabei soll der Schlafgestörte seinen Aufenthalt im Bett auf die Zeit begrenzen, die er glaubt in den letzten Nächten wirklich geschlafen zu haben. Er darf aber wenigstens viereinhalb Stunden schlafen. Tagesschlaf ist nicht erlaubt, so dass zu Beginn Müdigkeit und Schlafdruck zunächst deutlich zunehmen. Wenn der Patient über mehrere Nächte in der Woche zumindest 85 Prozent seiner im Bett verbrachten Zeit schläft, darf er eine Viertelstunde länger im Bett bleiben. In dieser Weise wird so lange verfahren, bis er die für ihn individuell richtige Schlafzeit erreicht hat.
Zehn Regeln der Schlafhygiene für Patienten mit Schlafstörungen
- Einhalten der individuellen Schlafmenge
- Einhalten regelmäßiger Schlafzeiten
- Kein Tagesschlaf
- Angenehme Schlafbedingungen
- Ausgeglichene Ernährung
- Koffeinkarenz
- Alkohol- und Nikotinkarenz
- Regelmäßige sportliche Betätigung
- Entspannende Abendgestaltung
- Individuell ausgerichtete Regelanwendung
Etwa jeder zehnte Deutsche sowie fast die Hälfte derer, die mindestens gelegentlich unter Ein- und Durchschlafstörungen leiden, nehmen Schlafmittel zu sich.
Unter Schlafexperten herrscht noch keine Übereinstimmung darüber, ob ein zunächst psychologischer Therapieansatz bei chronischen Schlafstörungen mit einer Schlafmitteltherapie verbunden werden sollte. Die Spezialisten sind sich jedoch einig, dass jede Schlafmittelbehandlung eines Insomniepatienten von zumindest einem Therapieelement einer psychologischen Therapie begleitet werden sollte.
Die Wahl des Schlafmittels hängt von der Art der Krankheitszeichen ab, zum Beispiel ob eher Ein- oder Durchschlafstörungen oder begleitende Angstanfälle oder eine Depression vorliegen.
Barbiturate
Sie waren früher das Hauptmedikament, jetzt werden sie wegen Suchtgefahr, Gewöhnungseffekt und atembehindernder Wirkung kaum noch verwendet. Sie gehören zu den schlaferzwingenden Mitteln und verändern den natürlichen Schlafablauf stark und können bei Überdosierung und gleichzeitigem Alkoholgenuss sogar lebensgefährlich werden.
Benzodiazepinrezeptoragonisten
Nach Auffassung der Expertenkommission der Weltgesellschaft für Psychiatrie gehören Benzodiazepinrezeptoragonisten (Hierzu gehören Benzodiazepine, Cyclopyrrolone, Imidazopyridine) zu den sichersten in der klinischen Praxis verwendeten am zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) wirksamen Psychopharmaka.
Neben diesen "klassischen" Schlafmitteln werden auch andere Substanzen mit beruhigender (sedierender) und schlafanstossender Wirkung bei Schlafstörungen eingesetzt. Dies sind neben sedierenden Antidepressiva und so genannten niederpotenten Neuroleptika vor allem Antihistaminika, Alkoholabkömmlinge, Thiazolabkömmlinge oder Präparate aus Heilpflanzen.
Schlafmittelabhängigkeit
Die Schlafmittelabhängigkeit ist eine gefürchtete Komplikation bei längerfristigem Schlafmittelgebrauch.
Heutzutage besteht vor allem bei Schlafmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine bei längerer Einnahme die Gefahr der Entwicklung einer Abhängigkeit. Oft lässt nach Wochen täglichen Schlafmittelgebrauchs die Wirkung nach, es werden mehr und mehr Tabletten notwendig, um die selbe Wirkung zu erzielen und der Schlafgestörte rutscht, ohne es zu merken, in eine Tablettensucht. Wenn Schlafmittel über eine längere Zeit eingenommen wurden, sollten sie nur unter ärztlicher Aufsicht langsam ausschleichend abgesetzt werden, um eine Entzugssymptomatik und eine so genannte Absetz-Schlaflosigkeit (dies bedeutet: Die Schlaflosigkeit tritt sofort nach Absetzen der Tabletten wieder auf, häufig sogar verstärkt) zu vermeiden. Im Allgemeinen wird etwa ein Zehntel der Zeit benötigt, die der Schlafgestörte sein Schlafmittel eingenommen hat, um es wieder problemlos abzusetzen.
Anwendung von Schlafmitteln
In der Therapie von Ein- und Durchschlafstörungen ist die Verschreibung von Schlafmitteln ein Standardverfahren. Umso wichtiger ist es, einige Empfehlungen zur Anwendung und zum Umgang mit diesen Präparaten zu beachten. Auch der gefürchteten Tablettenabhängigkeit kann so vorgebeugt werden.
Tipps zum Umgang mit Schlafmitteln
- Schlafmittel sollen grundsätzlich nicht länger als vier Wochen ohne Unterbrechung eingenommen werden, da sonst die Gefahr der Entwicklung einer Abhängigkeit besteht.
- Nur die vom Arzt verordnete Dosierung einnehmen.
- Nicht selbstständig die Dosis erhöhen.
- Wenn Schlafmittel längerfristig notwendig sind, so rasch wie möglich auf die so genannte Intervall-Einnahme umstellen. Dies bedeutet, dass immer wieder Einnahmepausen von einem oder mehreren Tagen eingeplant werden sollten.
- Wenn sie schon über Jahre Schlafmittel einnehmen, setzen Sie diese nie vom einen auf den anderen Tag ab, sondern besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie die Tabletten zeitlich abgestuft reduzieren können.
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