Mittelohrentzündung - Otitis media - Therapie

Eine akute Mittelohrentzündung ist eine plötzlich einsetzende Entzündung der Mittelohrschleimhaut. Hier finden Sie alles zum Thema


Therapie

Die Behandlung der akuten Mittelohrentzündung erfolgt durch die Gabe von Medikamenten, unterstützende Maßnahmen oder operative Eingriffe.

Ziel der Behandlung ist das schnelle Abklingen der Erkrankung, die Linderung der Beschwerden und die Verhinderung der Komplikationen wie der Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis), der Hirnhautentzündung (Meningitis) und einer bleibenden Schwerhörigkeit durch Übergreifen der Entzündung auf das Innenohr.

Medikamente

Zur Besserung der Ohrtrompetenfunktion verordnet der Arzt frühzeitig abschwellende Nasentropfen, die alle drei bis vier Stunden gegeben werden. Die Nasentropfen sollen am besten im Liegen, bei zurück geneigtem Kopf verabreicht werden. Auf diese Weise gelangen sie in den Nasenrachenraum und sorgen für ein Abschwellen des Bereichs um die Ohrtrompetenöffnung. Dies erleichtert den Abfluss von Entzündungssekret aus der Paukenhöhle in den Rachen.

Gegen die Schmerzen werden Schmerzmittel verordnet. Hierzu sind schmerz- und fiebersenkende Medikamente geeignet. Für Säuglinge und Kinder werden Paracetamol-Zäpfchen oder -Saft empfohlen. Schmerzstillende Ohrentropfen sollten nicht verabreicht werden, da sie den Entzündungsherd hinter dem Trommelfell nicht erreichen und außerdem zu Veränderungen des Trommelfellbildes führen. Diese Veränderungen können dem untersuchenden Arzt die Beurteilung der Trommelfellansicht erschweren.

Durch die Gabe von Antibiotika wird die Komplikationsrate der akuten Mittelohrentzündung erheblich gesenkt. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien töten oder ihre Vermehrung stoppen. Man gibt zunächst solche Antibiotika, die erfahrungsgemäß am häufigsten die Entzündung abklingen lassen. Kommt es unter dieser Antibiotikagabe nicht innerhalb von 48 Stunden zu einer deutlichen Besserung des Krankheitsbildes, so müssen stärker wirksame Antibiotika gegeben werden. Am sinnvollsten ist es in diesem Fall, den Krankheitserreger genau zu bestimmen und im Labor zu testen, gegen welche Medikamente er empfindlich ist.
Wichtig ist, dass die Antibiotika in ausreichender Menge und über einen ausreichend langen Zeitraum eingenommen werden. Die Behandlung mit einem Antibiotikum sollte in der Regel über mindestens sieben bis zehn Tage erfolgen, auch wenn die Krankheitszeichen meist schon nach ein bis zwei Tagen abklingen.

Eine Antibiotikagabe in den Gehörgang durch Ohrentropfen ist bei einer akuten Mittelohrentzündung mit intaktem Trommelfell nicht sinnvoll, weil das Antibiotikum die Paukenhöhle nicht erreicht. Lediglich bei einem Loch im Trommelfell oder dann, wenn das Ohrenlaufen zu einer Entzündung des Gehörgangs geführt hat, können antibiotikahaltige Ohrentropfen angewandt werden.

Operative Eingriffe

Ein kleiner Trommelfellschnitt (Parazentese) kann notwendig werden bei beginnenden Komplikationen wie gleichzeitiger Störung der Innenohrfunktion (merkbar an zunehmenden Hör- oder Gleichgewichtsstörungen) oder Ausbreitung der Entzündung auf den Warzenfortsatz und andere benachbarte Regionen. Durch den Schnitt im Trommelfell kann das Entzündungssekret nach außen abfließen und der Druck in der Paukenhöhle lässt nach.

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Die Abbildung zeigt das Vorgehen bei der Parazentese: Mit einem feinen Messer wird im unteren Teil des Trommelfells ein kleiner Einschnitt gemacht, durch den Flüssigkeit aus der Paukenhöhle in den Gehörgang austritt.

In Fällen, in denen ein angewandtes Antibiotikum nicht zu einer Besserung bei der Mittelohrentzündung führt, kann über diese Parazentese ein bakteriologischer Abstrich gewonnen werden. Man kann hierbei den genauen Erreger der Erkrankung bestimmen und im Labor testen, durch welches Antibiotikum er am zuverlässigsten abgetötet wird.

Bei einem Übergreifen der Entzündung auf den Warzenfortsatz kann meist nur eine operative Ausräumung des dort befindlichen Entzündungsprozesses eine Heilung bringen. Dazu wird der Knochen hinter dem Ohr eröffnet und die entzündete Schleimhaut entfernt. Eine alleinige medikamentöse Behandlung reicht hier häufig nicht mehr aus.

Quelle: Springer Medizin
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