Migräne - Therapie

Migräne nennt man bohrende und pulsierende Kopfschmerzen, die anfallartig auftreten. Hier finden Sie alles zum Thema.


Therapie

Migräne ist mit Medikamenten bisher nicht heilbar. Es stehen aber verschiedene Therapien zur Schmerzlinderung zur Verfügung.

Fast jeder Migränepatient kennt Maßnahmen, die ihm Erleichterung verschaffen. Was hilft, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Leichtere und kürzere Attacken können meist ohne Medikamente mit alternativen Heilmethoden überstanden werden. Wenn solche Therapien nicht ausreichen, dann sollte man mit seinem Arzt über eine medikamentöse Therapie sprechen, hier stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

Viele der Medikamente haben unerwünschte Wirkungen oder sind verschreibungspflichtig. Besprechen Sie die Therapie deshalb unbedingt mit Ihrem Arzt.

Behandlung der Migräne ohne Medikamente

Allgemeine Maßnahmen:

Fast jeder Migränepatient kennt Maßnahmen, die ihm Erleichterung verschaffen. Es gibt aber kein Patentrezept. Was hilft, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die meisten ziehen sich in ein dunkles Zimmer zurück und schirmen sich so von äußeren Reizen ab. Oft lindert die Kälte aufgelegter Eisbeutel die Kopfschmerzen. Andere ziehen aber Wärme vor oder gehen an der frischen Luft spazieren. Vor allem leichtere und kürzere Attacken können sie so ohne Medikamente überstehen.

Alternative Heilmethoden:

Viele Migräniker haben Erfahrung mit den so genannten alternativen Heilmethoden. Akupunktur und Homöopathie werden am häufigsten angewendet. Es gibt wenig Untersuchungen über die Wirksamkeit dieser Verfahren. Bisher konnte man noch nicht nachweisen, ob mit ihrer Hilfe die Migräneanfälle seltener auftreten oder milder verlaufen. Aber immer wieder berichten einzelne Patienten, dass sich ihre Migräne darunter gebessert habe. Eine Tasse starker Kaffee mit Zitronensaft, eingenommen zu Beginn eines Migräneanfalls, soll manchmal helfen, eine Attacke abzufangen.

Auch einige Verfahren zur bewussten Entspannung scheinen den Verlauf einer Migräne günstig zu beeinflussen:


  • Stressbewältigungstraining

  • Biofeedback

  • Muskelentspannung nach Jacobson
Behandlung der Migräne mit Medikamenten

Zahlreiche Medikamente stehen zur Behandlung der Migräne zur Verfügung. Die Einnahme sollte nach einem Schema erfolgen.

Die medikamentöse Behandlung eines Anfalls sollte man mit dem Arzt absprechen, da auch rezeptfreie Mittel manchmal Nebenwirkungen hervorrufen oder bei bestimmten Vorerkrankungen zu gefährlichen Zwischenfällen führen können.

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

Zu Beginn des Migräneanfalls sollte man ein Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen einnehmen, denn die Bewegungen des Magen-Darm-Traktes sind schon von Anfang an gestört. Dies geht nicht nur mit Appetitlosigkeit oder Übelkeit einher, sondern behindert auch die Aufnahme von Medikamenten. Kommt es zum Erbrechen, so kann sogar jegliche Medikamenteneinnahme unmöglich werden. Mittel der ersten Wahl ist Metoclopramid, am besten in Zäpfchenform. Domperidon kommt ebenfalls in Frage. Nach 20 bis 30 Minuten wirkt das Medikament und der Magen-Darm-Trakt kann die folgenden Schmerzmittel besser aufnehmen.

Schmerzmittel

Als Schmerzmittel wird Acetylsalicylsäure (ASS) bevorzugt. Frühestens 20 Minuten nach dem Mittel gegen Übelkeit sollte man zwei Tabletten ASS einnehmen. Wirken diese nicht, so kann man die Gabe alle drei bis vier Stunden wiederholen. Allerdings sollte man höchstens 4000 mg ASS am Tag schlucken. Wer ASS schlecht verträgt, kann auf Paracetamol ausweichen. Paracetamol gibt es auch in Zäpfchenform und ist deshalb bei starker Übelkeit oft günstiger.

Alle diese Medikamente gegen Schmerzen haben gemeinsam, dass sie entzündliche Reaktionen im Körper hemmen. So wirken sie auch gegen die Entzündung der Gefäßwände im Kopf, die die Schmerzen verursacht. Deshalb wirken sie bei der Migräne besser als Morphine, die eigentlich die stärkeren Schmerzmittel sind.

Bei Migränepatienten besteht wie bei allen Schmerzpatienten die Gefahr des Schmerzmittelmissbrauchs. Vor allem durch die ständige Einnahme von Mischpräparaten kann sich dann ein Dauerkopfschmerz entwickeln, der durch Schmerzmittel kaum mehr zu lindern ist. Mischpräparate enthalten zwei oder mehr Schmerzmittel. Oft sind noch andere Substanzen wie zum Beispiel Koffein zugesetzt. Etwa 0,5 bis ein Prozent der Migränepatienten leiden an Dauerkopfschmerzen, die durch Medikamente verursacht werden. Am Anfang der Behandlung steht in diesen Fällen der Entzug aller Medikamente.

Spezielle Migräneschmerzmittel

Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und kommen zum Einsatz, wenn herkömmliche Schmerzmittel nicht ausreichen. Sie sollten nur nach Absprache mit dem Arzt angewendet werden, da sie gefährliche Komplikationen hervorrufen können. Schwangere und stillende Frauen dürfen diese Schmerzmittel nicht einnehmen. Die Substanzen dürfen nicht innerhalb von 24 Stunden kombiniert werden.

Sumatriptan
Sumatriptan ist eine neuere Substanz, die nur an einigen Serotoninrezeptoren wirkt. Serotonin ist ein Botenstoff, der unter anderem Blutgefäße engerstellt. Sumatriptan verengt nur bestimmte Hirngefäße und hilft auch gegen Übelkeit. Es hemmt wie Ergotamin (siehe unten) die schmerzhafte Entzündung der Gefäßwände. Sumatriptan kann man zu jedem Zeitpunkt der Attacke einnehmen. Es wirkt allerdings kürzer als Ergotamin. Sumatriptan gibt es als Spritze, Tablette, Nasenspray oder Zäpfchen. Dosierung: 1 Tablette Sumatriptan (100 mg), Wiederholung frühestens nach 4 Stunden, Höchstdosis 300 mg/ 24 Stunden.

Ergotamin
Die Substanz wirkt an verschiedenen Serotoninrezeptoren. Ergotamine wirken nur, wenn sie zu Beginn einer Attacke eingenommen werden. Sie können die Übelkeit noch verstärken. Vorgeschriebe Höchstmengen müssen unbedingt eingehalten werden, da die Gefahr der Vergiftung (Ergotismus) droht. Der Ergotismus geht mit Durchblutungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstseinsstörungen und Krämpfen einher. Ergotamin ist heute nicht mehr ein Medikament der ersten Wahl und wurde von Sumatriptan abgelöst. Dosierung: Ergotamintartrat 2 mg, höchstens 4 mg pro Attacke, höchstens 6 mg/Woche.

Quelle: Springer Medizin
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