Rheumatoide Arthritis - Polyarthritis - Symptome

Bei der rheumatoiden Arthritis, einer so genannten Systemerkrankung, kommt es zu Entzündungen der Gelenke.


Symptome

Die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis wird umso wahrscheinlicher, wenn eine bestimmte Kombination verschiedener Krankheitszeichen auftritt. Neben Gelenkschwellungen und Morgensteifigkeit gehören dazu auch entsprechende Auffälligkeiten bei der Labor-, Gelenkultraschall- oder Röntgenuntersuchung.

Die rheumatoide Arthritis (RA) beginnt oft schleichend im Verlauf von Wochen oder Monaten. In zehn bis 20 Prozent der Fälle kündigt sich die Erkrankung zunächst durch ein unspezifisches Vorstadium mit Allgemeinbeschwerden wie Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, subfebrilen Temperaturen (leicht erhöhte Körpertemperaturen) und schneller Ermüdbarkeit an. Später treten Morgensteifigkeit, Schmerzen im Gelenkbereich und Gelenkschwellungen hinzu. Typisch ist ein beidseitiger Befall von Finger- oder Zehengrund- und -mittelgelenken sowie der Handgelenke. Im Unterschied zu verschleißbedingten Gelenkerkrankungen, sogenannten Arthrosen, treten Gelenksteifigkeit und Entzündungsschmerz besonders in den Morgenstunden auf und bessern sich im Tagesverlauf. Das gleichzeitige Vorkommen entzündlicher Krankheitszeichen (Überwärmung, Schwellung, Schmerz, Funktionseinschränkung) an mehreren Gelenken ist ein weiteres typisches Zeichen für die RA.

Abweichend vom typischen Befallsmuster kann die Erkrankung aber auch mit dem Befall anderer Gelenke wie der Kiefergelenke oder kleinen Gelenke der Halswirbelsäule beginnen. Darüber hinaus beginnt die Erkrankung nicht immer schleichend. Bei etwa jedem fünften Patienten beginnt die Erkrankung sogar sehr akut, mit Entzündung zahlreicher Gelenke, ausgeprägten Schmerzen und schlechtem Allgemeinbefinden innerhalb weniger Tage.

Bei der rheumatoiden Arthritis betroffene Fingergelenke

Die Diagnose der rheumatoiden Arthritis ist - gerade im frühen Stadium der Erkrankung - nicht immer einfach zu stellen. Wenn allerdings eine Kombination mehrerer Krankheitszeichen zusammenkommt, ist die Diagnose RA wahrscheinlich. Dazu gehören:

  • Schwellung und/oder Schmerzhaftigkeit von mindestens drei Gelenkregionen über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen
  • Schwellung und/oder Schmerzhaftigkeit von Hand- oder Fingergrund- oder Fingermittelgelenken
  • Beidseitiges (symmetrisches) Auftreten der Gelenkbeschwerden
  • Morgensteifigkeit, die länger als eine Stunde anhält, über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen
  • Rheumaknoten – derbe und schmerzlose Knoten, die vorzugsweise in druckbelasteten Regionen wie im Bereich der Finger- oder Ellenbogenstreckseite unter der Haut oder in der den Knochen umhüllenden, „Knochenhaut“ tastbar sind

Zeichen, die der Arzt bei seinen Untersuchungen feststellen kann:

  • Ultraschall- oder Röntgenzeichen der rheumatoiden Arthritis
  • Erhöhte Entzündungswerte (Blutsenkungsgeschwindigkeit und CRP-Wert)
  • Rheumafaktor und/oder andere Antikörper im Blut

Rheumafaktor

Der Rheumafaktor ist ein Antikörper, der im Blut von RA-Patienten nachgewiesen werden kann. Antikörper sind Eiweißstoffe, die normalerweise die Aufgabe haben, Fremdsubstanzen zu erkennen und zu vernichten. Bei RA-Patienten produziert das Abwehrsystem (Immunsystem) irrtümlicherweise Antikörper gegen körpereigene Eiweißstoffe, die es als Fremdstoff (Antigen) erkennt. Genau genommen ist der Rheumafaktor ein Komplex aus einem Antikörper, der sich mit seinem Antigen (dem körpereigenen Eiweißstoff) verbunden hat.

Der Name Rheumafaktor ist leicht irreführend: Es gibt circa 400 verschiedene rheumatische Erkrankungen, der Rheumafaktor gilt aber nur als Indiz für die rheumatoide Polyarthritis. Bei RA-Patienten ist er in 70 bis 90 Prozent der Fälle nachweisbar (seropositive RA). Die restlichen zehn bis 30 Prozent der RA-Patienten ohne nachweisbaren Rheumafaktor (seronegative RA) machen deutlich, dass das Fehlen dieses Faktors eine rheumatoide Arthritis nicht ausschließt.

Das Vorhandensein des Rheumafaktors ist kein Beweis für das Vorliegen einer RA, zumal er auch bei bis zu fünf Prozent der Gesunden gefunden wird, und zwar umso häufiger je älter die Patienten sind.

Es gibt auch andere Erkrankungen außerhalb der Rheumatologie, bei denen der Rheumafaktor positiv sein kann. Beispielsweise bei chronisch, das heißt lang andauernd verlaufenden Infektionskrankheiten (z.B. Tuberkulose, chronische Virus-Hepatitis) oder bei anderen Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen, bei denen die körpereigene Abwehr fehlgesteuert ist) oder bei Erkrankungen der Immunzellen selbst.

Der Nachweis des Rheumafaktors kann also nur ein Baustein für die Diagnosestellung, der Bestimmung der Krankheit, sein. Wenn die Vorgeschichte des Patienten und die Untersuchungsergebnisse schon auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen, kann er als zusätzliche Information die Diagnose stützen.

Deutlich spezifischer für eine RA ist jedoch der Nachweis von Antikörpern gegen sogenannte zyklische citrullinierte Peptide (CCP-Antikörper). Das sind Eiweiße (Peptide), die in verschiedenen aktivierten Abwehrzellen durch bestimmte chemische Reaktionen entstehen. Diese Eiweiße spielen möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Entstehung und im Verlauf der RA. Heute weiß man, dass sie bei einigen Menschen bereits Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung nachweisbar sind. Ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung dieser Stoffe ist das Rauchen.

Autor: Redaktion SpringerGesundheit

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