Rheumatoide Arthritis - Polyarthritis - Diagnose
Diagnose
Verschiedene Untersuchungen werden zur Diagnose der rheumatoiden Arthritis durchgeführt.
Damit der Arzt die Art der Krankheit beurteilen kann (Diagnose), führt er verschiedene Untersuchungen durch. Einige davon werden später zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs wiederholt.
Die wichtigsten Methoden in der Übersicht:
Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten
Bei Verdacht auf rheumatoide Arthritis (RA) wird Ihr Arzt Sie unter anderem nach der Art der Gelenkbeschwerden und Schmerzen fragen und eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen.
Von besonderer Bedeutung sind dabei u.a. Erkrankungszeichen, die schon vor den Gelenkbeschwerden aufgetreten sind. Vor einer rheumatoiden Arthritis entwickeln sich beispielsweise häufig Sehnenscheiden-Entzündungen. Zudem gibt die Art der Schmerzen wichtige Hinweise für die Diagnose. Ähnliches gilt für das Befallsmuster der Gelenke. So sind Schmerzen und Steifigkeit in den Gelenken, die besonders nachts oder in den frühen Morgenstunden auftreten, eher ein Zeichen für entzündliche Gelenkerkrankungen. Typisch ist ein beidseitiger Befall von Finger- oder Zehengrund- und -mittelgelenken sowie der Handgelenke. Wenn der Schmerz sich zu Beginn einer Bewegung steigert und nach längerer Bewegungsdauer nachlässt (Anlauf- und Belastungsschmerz), ist das eher ein Hinweis auf eine Gelenkerkrankung, die durch Verschleiß (degenerativ) verursacht wird. Eine solche degenerative Gelenkerkrankung ist die Arthrose. Liegen beide Erkrankungen jedoch gleichzeitig vor, kann dies die Diagnosestellung erschweren. Die Abgrenzung erfolgt dann anhand von bildgebenden Verfahren (wie Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung) und Laborbefunden.
Röntgenuntersuchung
Die Anfertigung von Röntgenbildern der betroffenen Gelenke ist für die Erstdiagnose und für die Kontrolle des Krankheitsverlaufs sehr wichtig. Der Arzt kann anhand der Röntgenbilder Verschleißerscheinungen (Arthrosen) von entzündlichen Veränderungen (Arthritis) unterscheiden. Außerdem kann er anhand der Bilder das Ausmaß der entzündungsbedingten Gelenkknorpel- und Knochenschädigung beurteilen. Mit einer Röntgenaufnahme erhält der Arzt Informationen über Veränderungen an Knochen und Weichteilen (Muskel, Fett), aber keine direkten Hinweise auf Veränderungen des Knorpels, da dieser im Röntgenbild nicht sichtbar ist. Untersuchungen im weiteren Verlauf dienen der Kontrolle von Krankheitsaktivität und Behandlungserfolg.
Laboruntersuchungen
Mit Hilfe von Laboruntersuchungen bestimmt Ihr Arzt bei der rheumatoiden Arthritis Entzündungszeichen wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit, das C-reaktive Protein oder die Anzahl der weißen Blutkörperchen. Einen speziellen "Rheumatest" im Blut zur Diagnosesicherung gibt es allerdings nicht.
Bei 70 bis 90 Prozent der RA-Patienten kann der Rheumafaktor nachgewiesen werden. Bei RA-Patienten produziert das Abwehrsystem (Immunsystem) Stoffe (Antikörper), die irrtümlicherweise körpereigene Strukturen angreifen. Der Rheumafaktor ist so ein Antikörper. Liegt keine Krankheitsaktivität vor oder ist der Patient völlig beschwerdefrei kann der Rheumafaktor, bei zuvor für dieses Merkmal positiven Patienten, absinken oder nicht mehr nachweisbar sein.
Allerdings kann der Rheumafaktor auch bei anderen Erkrankungen und bei Gesunden nachweisbar sein. Deutlich spezifischer ist deshalb der Nachweis von sogenannten CCP-Antikörpern. Es handelt sich dabei um Eiweiße, die, in Abwehrzellen chemisch verändert wurden und die, bei der Entstehung und im Verlauf der RA, eine wichtige Rolle spielen. CCP-Antikörper können bei einigen Patienten bereits Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung nachweisbar sein. In Verbindung mit einer bereits bestehenden Gelenkentzündung zeigen sie ein höheres Risiko für Schäden im Gelenkbereich an, sofern die Erkrankung nicht ausreichend behandelt wird.
In seltenen Fällen kann das Blut auch auf Gewebsverträglichkeits-Antigene (HLA-Antigene) untersucht werden. HLA-Antigene sind erblich und können darüber mitentscheiden, ob eine Krankheit zum Ausbruch kommt. Mit ihnen wird die Veranlagung, an rheumatoider Arthritis zu erkranken, vererbt.
Gelenkuntersuchungen
Untersuchungsverfahren, die möglicherweise zum Einsatz kommen, sind der Gelenkultraschall und die Gelenkpunktion.
Die Ultraschall-Untersuchung verläuft schmerzlos und ohne Strahlenbelastung. Mit dieser Methode können auch Gelenke untersucht werden, die dem Arzt sonst nicht frei zugänglich sind - zum Beispiel Hüft- und Schultergelenke. Im Bereich der Fingergelenke können erfahrene Untersucher zudem frühzeitig Veränderungen wie einen Gelenkerguss oder entzündungsbedingte Veränderungen der Gelenkinnenhaut feststellen.
Für eine exakte Diagnosestellung kann es notwendig sein, die Gelenkflüssigkeit zu analysieren. Dazu wird dem Gelenk mit einer Kanüle (Punktion) Flüssigkeit entnommen.
Autor: Redaktion SpringerGesundheit
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