Schlafstörungen - Insomnie - Diagnose
Diagnose
Bei Schlafstörungen bis zu vier Wochen ist zunächst die genaue Erhebung der Krankengeschichte einschließlich genauer Erfragung der Schlafgewohnheiten und eine körperliche Untersuchung wichtig. Haben die Schlafstörungen jedoch bereits größere Ausmaße angenommen, ist es sinnvoll, außerdem einen Schlafmediziner aufzusuchen beziehungsweise eine Untersuchung in einem Schlaflabor anzustreben.
Je nachdem wie lange die Schlafstörung bereits besteht, beziehungsweise ob bereits erfolglose Therapieversuche mit Tabletten unternommen worden sind (siehe auch unter Kapitel "Behandlung" und "Medikamenteninformation") sollten abhängig vom vermuteten Krankheitsbild nochmals gezielt bestimmte internistische und neurologisch/psychiatrische Grunderkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Lungenerkrankungen wie Asthma oder Bronchitis, Herzerkrankungen wie Rhythmusstörungen, neurologische Erkrankungen wie das Syndrom der Unruhigen Beine oder psychische Ursachen wie Depressionen.
Wann zum Schlafmediziner?
Ein Spezialist für Schlafmedizin sollte dann aufgesucht werden, wenn sich trotz hausärztlicher und/oder fachärztlicher Behandlung die Beschwerden nicht verbessern.
Eine Untersuchung in einem Schlaflabor kann in folgenden Situationen sinnvoll sein:
- Einschlaf- und Durchschlafstörungen, die chronisch geworden sind oder nicht behandelbar erscheinen
- schwere Ein- und Durchschlafstörungen, die zu erheblicher Beeinträchtigung des Befindens am Tage und zu Problemen bei der Alltagsbewältigung führen
- Verdacht auf körperlich bedingte Ein- und Durchschlafstörungen (zum Beispiel Schlafapnoesyndrom, Syndrom der periodischen Beinbewegungen, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie)
- starke Tagesschläfrigkeit und unwillkürliches Einschlafen am Tage
- nächtliches Erwachen mit Schmerzen in der Brust oder dem Körper und/oder Kurzatmigkeit
- ausgeprägtes nächtliches Schnarchen mit vom Bettpartner beobachteten Unregelmäßigkeiten der Atmung gegebenenfalls sogar Atemstillständen
- Parasomnien, wie zum Beispiel Schlafwandeln mit Gefährdung der eigenen Person oder anderer Personen
- erhebliche Unterschiede in der Beurteilung des Schlafes zwischen dem Schlafgestörten und seinem Bettpartner
- Ein- und Durchschlafstörungen und/oder Tagesschläfrigkeit bei Einnahme größerer Mengen von Schlaf- oder Beruhigungstabletten
Da es den Betroffenen selbst oft schwer fällt, sämtliche Krankheitszeichen der Schlafstörung zu beschreiben, sind gezielte Fragen zum Schlaf vonseiten des Arztes zum Beispiel auch an den Bettpartner notwendig.
Die von diesen Patienten vermuteten Ursachen für die Schlafstörung müssen nicht immer zutreffend sein.
Fehlwahrnehmung des Schlafzustands
Die so genannte Fehlwahrnehmung des Schlafzustands kommt bei etwa jedem 20. Patienten vor, der aufgrund chronischer Schlaflosigkeit im Schlaflabor beim Test einen normalen Schlaf zeigt. Die Betroffenen haben das Gefühl, stundenlang wach zu liegen, obwohl sie schlafen. Schlafmediziner vermuten als Grund hierfür eine erhöhte Hirnaktivität, was diese Patienten glauben lässt, sie hätten kaum ein Auge zugetan, obwohl sie unzweifelhaft schlafen. In diesen besonderen Fällen kann manchmal alleine das Aufzeichnen der dann normalen Schlafkurven bereits Therapie sein. Denn mithilfe der normalen Resultate kann es gelingen, die Betroffenen von der Normalität ihres Schlafes zu überzeugen.
Chronische Schlafstörungen bei Depressionen
Das Aufzeichnen der Schlafableitung kann auch helfen, eine Depression zu erkennen, die zum Beispiel einer schweren chronischen Schlafstörung zugrunde liegt. So zeigen sich im Schlafprofil die so genannten Early-sleep-onset-REM Phasen (SOREM-Phasen) bereits innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Einschlafen, während dieses Schlafstadium normalerweise erst nach zirka 90 Minuten erreicht ist.
Wenn der Betroffene dann noch jeden Morgen um drei Uhr oder vier Uhr aufwacht und nicht wieder einschlafen kann (so genanntes Früherwachen), ist eine Depression wahrscheinlich. Denn die zwei häufigsten Ursachen für Früherwachen sind Depressionen und übermäßiger Alkoholkonsum vor dem Zubettgehen.
Die am meisten anerkannte Theorie über die Entstehung von Depressionen beinhaltet ein biologisches Ungleichgewicht der im Gehirn vorkommenden Botenstoffe, den Neurotransmittern. Einmal aus der Balance gebracht, beeinflussen sie fast immer sowohl den Schlaf als auch die Stimmung. Sind die Depressionen geheilt, so verschwindet normalerweise auch das Schlafproblem.
Untersuchungen bei ähnlichen Erkrankungen
Narkolepsie
Als Ursache wird eine Regulationsstörung des REM-Schlafes im Sinne einer REM-Schlafhemmung angenommen. Dies führt dazu, dass Phänomene, die nur im REM-Schlaf auftreten, sich bis hinein in den Wachzustand erstrecken. Zu den typischen Merkmalen einer Narkolepsie gehören von daher auch die so genannten hypnagogen Halluzinationen. Dies sind Trugwahrnehmungen mit lebhaften Bildern und Vorstellungen in Einschlaf- und Aufwachsituationen. Diese treten auf, wenn jemand unmittelbar in den REM-Schlaf fällt, ohne die dazwischenliegenden Non-REM-Stadien zu durchlaufen. Wenn REM-Schlaf schnell eintritt, beginnt die Traumgeschichte oft exakt dort, wo der Wachzustand aufhörte - ein nahtloser Übergang des Bewusstseinsstroms von der realen Welt in die Traumwelt. DieSchlafableitung (Polysomnographie) im Schlaflabor zeigt sowohl am Tage wie auch nachts beim Einschlafen einen direkten Übergang vom Wachzustand in den als REM-Schlaf (so genannte Einschlaf-REM-Episoden) bezeichneten Traumschlaf. Normalerweise durchlaufen Menschen die Non-REM-Phasen eins bis vier, bevor sie in den REM-Schlaf eintreten. Die Diagnose kann auch durch immungenetische Untersuchungen gestützt werden. Denn da so gut wie alle Narkoleptiker das HLA-DR2-Antigen besitzen, kann bei dessen Fehlen eine Narkolepsie ausgeschlossen werden.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Das "Syndrom der unruhigen Beine" (Restless-Legs-Syndrom) beschreibt quälende Missempfindungen in den Beinen, die nur durch Bewegung gelindert werden können. Typischerweise treten diese in Ruhe und vor dem Einschlafen auf.
Bei den symptomatischen Formen des RLS können die Beschwerden Zeichen einer anderen Grunderkrankung wie zum Beispiel einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz sein.
Die Diagnose wird durch einen Neurologen gestellt. Ist sie jedoch nicht klar, oder werden noch zusätzliche andere Erkrankungen wie schlafbezogene Atemfunktionsstörungen vermutet, ist eine Untersuchung in einem Schlaflabor angezeigt. Nur hier lässt sich der Einfluss der unruhigen Beine auf den Schlaf untersuchen, der durch Ein- und Durchschlafprobleme gekennzeichnet ist. Außerdem können durch die Schlafableitung (Polysomnographie) zusätzlich vorliegende schlafstörende organische Erkrankungen wie eben das Schlaf-Apnoe-Syndrom oder das "Syndrom der periodischen Beinbewegungen" (Periodic Limb Movement Disorder) aufgedeckt und voneinander abgegrenzt werden.
Auch ein diagnostischer Test, eine ein- bis zweitägige Behandlung mit dem Medikament L-Dopa kann Gewissheit bringen. Denn über 90 Prozent aller Patienten, die ein RLS haben, sprechen auf dieses Medikament prompt mit einer Besserung der Beschwerden und gelegentlich auch mit Beschwerdefreiheit an.
Periodic Limb Movement Disorder (PLMD)
Das "Syndrom der periodischen Beinbewegungen" (Periodic Limb Movement Disorder) beschreibt das wiederholte Auftreten von Muskelzuckungen im Schlaf, meist an den Beinen.
Fast alle Patienten mit dem Restless-Legs-Syndrom leiden auch unter PLMD. Die Aufzeichnung eines Elektromyogramms (Messung der elektrischen Aktionsströme im Muskelgewebe) an beiden Unterschenkeln zeigt dann die typischen regelmäßig wiederkehrenden Beinbewegungen im Schlaf. Die Ernsthaftigkeit des Problems hängt von der Häufigkeit der Bewegungen ab. Besonders eindrucksvoll ist ihre Regelmäßigkeit. So kann es passieren, dass die Schlafkurve alle dreißig Sekunden einen Ausbruch von elektrischer Aktivität im vorderen Schienbeinmuskel anzeigt. Die Folge sind oft unzählige Weckreaktionen mit Zerstörung der Schlafstruktur.
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