Depressionen - Diagnose

Der Begriff Depression kommt vom lateinischen "deprimere" und bedeutet soviel wie niederdrücken.


Diagnose

Ein großer Teil derer, die an Depressionen leiden, vertraut sich keinem Arzt an. Aus der Depressionsspirale kann sich der Einzelne meist jedoch nicht selbst befreien.

Um herauszufinden, ob Sie an einer depressiven Störung leiden, reichen häufig bereits zwei einfache Fragen aus.

  1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Haben Sie beide Fragen mit „Ja“ beantwortet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der dann genau untersuchen kann, ob Sie an einer Depression leiden.

Am besten aufgehoben sind Sie dort, wo die grundsätzliche Haltung in der Vermittlung der Hoffnung besteht, dass eine solche Lebenskrise überwindbar ist. Eine der wichtigsten Botschaften lautet: Was Sie derzeit erleben, ist völlig normal! Es ist keine Schande, wenn das gesamte Weltbild ins Wanken gerät und sich inneres Chaos ausbreitet - wenn man sich plötzlich in einem geistigen Vakuum wiederfindet und nicht mehr weiter weiß. Vertrauen ist dabei die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die "Chemie" muss stimmen. Die Fahndung nach einer Depression erfolgt daher sinnvollerweise in mehreren Schritten: Zuhören, fragen, beurteilen, untersuchen, informieren und erklären.

Das Gespräch bei der Diagnose der Depression

Um eine Depression richtig diagnostizieren zu können, müssen Mediziner gezielte Gesprächs- beziehungsweise Fragetechniken entwickeln und dem Betroffenen ausreichend Zeit geben, sich zu öffnen. Das A und O beim Erstgespräch und bei allen weiteren Gesprächen ist deshalb Zeit. Hier nehmen sich Psychiater, Nervenärzte und Psychotherapeuten naturgemäß viel Zeit. Entsprechend dauert das Erstgespräch relativ lang.Der Arzt stellt gezielte Fragen zur familiären und partnerschaftlichen Situation, zu seelischen Erkrankungen in der Familie, zu Arbeit und sozialen Aktivitäten, zu Lebensumständen und Finanzen. Und: Er lässt den Patienten sprechen, um herauszufinden, was diesem - auch spontan - wichtig ist und was er zunächst verschweigt.

Fragebogen, Tests und Skalen

Psychometrische Tests bauen auf den Klassifikationssystemen DSM-IV und ICD-10 auf. Sozusagen zur Feindiagnostik, also zur Ergänzung der Diagnostik, zur Beurteilung des Schweregrades, zur Dokumentation des Verlaufs bzw. der Veränderung, wurden in den letzten Jahren objektive und verlässliche Interviews, psychometrische Tests, Fragebögen und Skalen entwickelt. Mit deren Hilfe kann der Arzt, in relativ kurzer Zeit zuverlässig erfassen, ob die in ICD-10 und DSM-IV definierten Symptome vorhanden sind.

Aufgaben des Hausarztes

Da 90 Prozent aller depressiven Patienten zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, kommt diesem für die Diagnostik eine zentrale Funktion zu.

Beim Hausarzt geht es zunächst darum, eine Depression überhaupt zu erkennen beziehungsweise bei körperlichen und psychischen Symptomen in Betracht zu ziehen. Die diagnostischen Hilfsmittel sind im Wesentlichen eine gute Anamnese- und Fragetechnik. Der erfahrene Arzt wird im Gespräch bei Stichworten wie Schlafstörungen, Energieverlust, Verlust der Lebensfreude, Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Enttäuschung über sich selbst ohnehin hellhörig werden.

Körperliche Untersuchung

Nahezu alle körperlichen Erkrankungen beeinflussen auch die Stimmungslage der Betroffenen. Viele Erkrankungen können zudem Depressionen verursachen. Daher ist neben der neurologischen Untersuchung auch eine ausführliche körperliche Untersuchung notwendig, um festzustellen, ob sich hinter der Depression nicht eine körperliche Erkrankung verbirgt. Daher werden unter anderem auch Schilddrüsen-, Elektrolyt-, Nieren- und Leberwerte überprüft; EKG, EEG und falls erforderlich auch ein Computertomogramm durchgeführt. Darüber hinaus gilt es zu entscheiden, ob die Überweisung zu einem Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Psychotherapeutische Medizin notwendig ist.

Aufgaben des Facharztes

Die klassischen Symptome einer Depression, wie Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Traurigkeit, Selbstzweifel und Resignation können bei vielen anderen psychischen Störungen auftreten: beispielsweise bei Bipolaren Störungen, Zyklothymia, Panikstörung, Generalisierter Angststörung, Sozialer Phobie, Agoraphobie, Posttraumatischer Belastungsstörung, Zwangsstörung, Essstörungen, Alkohol-, Nikotin-, Drogen- oder Tablettenabhängigkeit.

Bei Betroffenen, die bereits an mehreren anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen leiden oder bei älteren Patienten ist die Diagnose einer depressiven Störung erschwert, da auch bei ihnen sehr ähnliche Symptome wie bei einer Depression auftreten können. Die Klärung erfordert daher in der Regel einen entsprechend ausgebildeten Facharzt.

Die Aufgaben des Spezialisten bestehen darin, körperliche Untersuchungen des Hausarztes und eventuell bestehende körperliche und psychische Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) zu bewerten, gegebenenfalls auch eine weiterführende körperliche und psychiatrische Diagnostik durchzuführen oder zu veranlassen. Weitere Aufgaben sind die Durchführung einer störungsspezifischen Befunderhebung, die genaue Diagnosestellung und Klassifikation sowie die Planung einer Behandlung.

Quelle: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 14.12.2010
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