Herpes simplex
Definition
Im Rahmen einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus werden am häufigsten Veränderungen der Haut und Schleimhaut im Sinne gruppiert stehender Bläschen auf gerötetem Grund beobachtet. Im Allgemeinen ist nur ein umschriebenes Haut beziehungsweise Schleimhautareal betroffen.
Die über die Haut oder Schleimhaut eingedrungenen Herpesviren wandern entlang von Nervenbahnen in Nervenknoten (Ganglien), in denen sie sich verstecken und in eine Art Schlaf verfallen. Bestimmte Auslöser, die vorübergehend die Abwehrkräfte schwächen, können die Herpesviren "wecken". Dann wandern sie entlang der Nervenbahnen zurück an die Oberfläche der Haut oder Schleimhaut und verursachen dort die lästigen Herpesbläschen.
Bei Befall der Lippen spricht man von einem Herpes labialis (Lippenherpes), bei Beschwerden im Bereich der Mundschleimhaut (insbesondere bei Kindern) von einer Gingivostomatitis herpetica und bei einer Erkrankung im Genitalbereich von einem Herpes genitalis. Nach einer Erstinfektion bleibt das Herpes-simplex-Virus in der Regel in denjenigen Nervenbahnen bestehen, die mit den betroffenen Haut- beziehungsweise Schleimhautarealen in Verbindung stehen. Von diesen Nervenbahnen aus kann es noch Jahre oder Jahrzehnte später wieder die Haut beziehungsweise Schleimhaut befallen. Daher können Krankheitszeichen, zum Beispiel im Sinne eines wiederkehrenden Herpes labialis beziehungsweise genitalis, auftreten, auch ohne dass sich der Betroffene erneut ansteckt. Man spricht dann von einem endogenen Rezidiv, das heißt von einem aus dem Inneren (des Köpers) kommenden Rückfall.
Die oben genannten Erkrankungen sind zwar lästig, aber im Allgemeinen harmlos. Hingegen kann eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus bei Menschen mit gestörter Hautbarriere oder mit geschwächter Abwehrlage sehr schwer verlaufen. So können sich die Herpesbläschen bei Menschen mit atopischem Ekzem (Neurodermitits) oder bei Neugeborenen unter Umständen über die gesamte Hautoberfläche ausbreiten, dieses Krankheitsbild wird Ekzema herpeticatum genannt.
Neugeborene sind zudem besonders gefährdet, an einer Gehirnentzündung durch das Herpes-simplex-Virus (Herpes-Enzephalitis) zu erkranken. Sie können sich während der Geburt anstecken, falls die Mutter zu diesem Zeitpunkt Herpesbläschen im Genitalbereich hat oder an einem chronisch wiederkehrenden Herpes genitalisleidet. Bei einer Herpes-genitalis-Infektion in der Vorgeschichte sollte die Schwangere ihren Gynäkologen unbedingt auf diese Tatsache hinweisen. Bei auffälligen Befunden im Genitalbereich oder entsprechender Vorgeschichte wird der Gynäkologe während der Schwangerschaft besondere Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Dazu gehört auch ein Virusnachweis in den Schwangerschaftswochen 32, 34, 36 und dann wöchentlich. Sollte eine Gefahr für das neugeborene Kind bestehen, kann diese durch eine geplante Schnittentbindung gebannt werden. Selten kommt es zu einer Ansteckung des Neugeborenen oder Säuglings durch den Lippenherpes eines Elternteils. Eltern können dies vermeiden, wenn die üblichen Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Dazu gehören, im Erkrankungsfall, das Tragen eines Mundschutzes beim Kontakt mit dem Kind und die gründliche Reinigung der Hände.
Die Herpes-simplex-Erkrankung hat ihren Namen von der kriechenden, schlängelnden (herpein = kriechen) Ausbreitung der Bläschen an der Haut bzw. Schleimhaut. Der Beiname "simplex" (simplex = einfach) grenzt die Erkrankung von ähnlich aussehenden Hauterkrankungen wie dem Herpes zoster (Zoster, Gürtelrose) ab.
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