Allergie

Die Allergie ist die häufigste und wichtigste Umwelterkrankung. Das Immunsystem reagiert sensibel auf äußere, an sich harmlose Einflüsse.


Definition

Der Begriff "Allergie" wird inflationär gebraucht. Nicht alles, was als Allergie bezeichnet wird, verdient diesen Namen.

In der Umgangssprache sagt man, man sei allergisch gegen eine Kunstrichtung, gegen Lärm oder eine Person. Gemeint ist, dass man etwas nicht mag, etwas nicht verträgt. Eine Allergie ist das jedoch noch nicht. Der Begriff lässt sich auch nicht mit "Unverträglichkeit" übersetzen, denn Gift wird beispielsweise nicht vertragen und ist dennoch keine Allergie.

Allergie bezeichnet eine auf die Einzelperson zutreffende Eigenschaft - selbst wenn weltweit Millionen an Heuschnupfen leiden, handelt es sich nicht um ein kollektives Geschehen (wie das zum Beispiel bei einer Nahrungsmittelvergiftung der Fall wäre).

Was ist eine Allergie?

Allergie ist aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht definitionsgemäß an eine Immunreaktion gebunden. Clemens von Pirquet (1874-1929), der Schöpfer des Begriffs, sah darin korrekterweise eine Fehlreaktion des Immunsystems.

Allergien richten sich gegen Pollen, Tierhaare, Nahrungsmittel und vieles mehr. Auslösefaktoren sind stets harmlose, teils für den Körper nützliche oder sogar lebensnotwendige Dinge. Eigentlich ist es ist verrückt, dass die Abwehr hier zuschlägt.

Allergien beruhen gewissermaßen auf einer Fehleinschätzung der Körpers. Der Heuschnupfen ist dann nämlich nichts anderes als eine Maßnahme zur sofortigen Entfernung der Pollen aus der Nase, damit sie dort nicht anwachsen, und eine Ei-Allergie soll den Körper sozusagen vor der Entwicklung eines Hühnchens schützen.

Wenngleich die Allergie in Anbetracht ihrer Häufigkeit eine Volkskrankheit zu sein scheint, handelt es sich letztlich um ein seltenes Ereignis - verglichen mit der Anzahl der Kontakte mit Pollen, Kosmetika, Arbeitsmaterialien, Bastelartikeln, Medikamenten und ähnlichen potenziellen Allergieauslösern.

"Falsche Allergien"

Es gibt Reaktionen, die mit einer Allergie verwechselt werden können, bei denen das Immunsystem aber nicht beteiligt ist.

Pseudoallergien

Dazu zählen zum einen die Pseudoallergien. Sie beruhen auf einer Schwäche des Immunsystems. Körpereigene Immunzellen (so genannte Mastzellen) können bestimmte äußere Faktoren nicht ausreichend bekämpfen. Die Qualität der Mastzellen wird vererbt und ist von Mensch zu Mensch verschieden. Diese Tatsache erklärt zumindest zum Teil, warum bei manchen Menschen Pseudoallergien entstehen und bei anderen nicht.

Beispiele sind etwa die Sonnen-Allergie, oder die Schweiß-Allergie. Das Immunsystem reagiert hier nicht gegen die Sonne oder den Schweiß, sondern Sonne und Schweiß führen zu physikalischen Reizen, wie beispielsweise zu Verdunstungskälte auf der Hautoberfläche oder einer pH-Verschiebung auf der Haut (der Schweiß macht die Hautoberfläche sauer). Das Immunsystem kann die Reize nicht beseitigen, setzt aber Substanzen mit allergieähnlicher Wirkung (zum Beispiel Histamin und Leukotriene) frei.

Intoleranzen

Zum anderen gibt es Intoleranzen. Sie entstehen meist, wenn dem Körper ein bestimmtes Enzym fehlt - ohne dieses Enzym kann er bestimmte störende Stoffe nicht abbauen.

Ein Beispiel ist die Milchunverträglichkeit: Personen, die den in der Milch enthaltenen Zucker (Laktose) wegen eines Fermentmangels (Laktasemangels) nicht abbauen können, bekommen nach dem Genuss von Milch Bauchschmerzen mit Durchfall.

Die Trennung von echter und falscher Allergie ist wichtig, denn die Therapie richtet sich danach. Allergietest und Immuntherapie sind nur bei einer echten Allergie sinnvoll.

Quelle: Springer Medizin
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