Thoraxschmerz - Brustschmerz - Ursachen

Als Thoraxschmerz werden alle Schmerzen im Bereich des Brustkorbs bezeichnet, unabhängig von der Schmerzursache, der Art der Schmerzen und ihrem Entstehungsort.


Ursachen

Thoraxschmerzen werden im Allgemeinen ausgelöst durch krankhafte Veränderungen der Brustwand, des Herzens, der Lunge oder durch Erkankungen von Magen oder Darm, sowie durch psychosomatische und andere Erkrankungen.

Es gibt ausgesprochen viele Erkrankungen, bei denen Schmerzen im Bereich des Brustkorbs auftreten können. Das liegt zum einen daran, dass sich im Brustkorb viele Organe befinden, deren Erkrankung Schmerzen verursachen können. Zum anderen können auch Erkrankungen von Organen außerhalb des Brustkorbs, etwa im Bauchraum, Schmerzen auslösen, die im Brustkorb empfunden werden. Man spricht dann vom projizierten Schmerz, weil der Schmerz an eine andere Stelle verlagert (projiziert) wird als den eigentlichen Entstehungsort. Diese Schmerzprojektion auf den Brustkorb ist besonders typisch für die Organe des Bauchraums, zum Beispiel bei Erkrankungen der Gallenblase oder beim Magengeschwür. Bestimmte Erkrankungen kommen als Ursache für Thoraxschmerz allerdings wesentlich häufiger als andere vor.

Grundsätzlich können die Ursachen nach dem auslösenden Organ beziehungsweise den auslösenden anatomischen Strukturen in sechs verschiedene Gruppen eingeordnet werden:

  • Thoraxwandschmerzen
  • Herzerkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Lungenerkrankungen
  • Psychosomatische Schmerzsyndrome
  • andere Erkrankungen
Entstehung von Thoraxschmerzen bei Lungenerkrankungen

Lungenerkrankungen verursachen nicht so häufig Thoraxschmerzen, denn das Lungengewebe selbst ist nicht schmerzempfindlich.

Nur bestimmte Anteile der Lunge sind schmerzempfindlich, so dass Lungenerkrankungen - abhängig davon, welche Strukturen betroffen sind - sowohl schmerzfrei als auch sehr schmerzhaft verlaufen können. Grundsätzlich sind Anteile des Brustfells, die Luftröhre und die großen Bronchien, sowie die großen Lungengefäße schmerzempfindlich. Die übrigen Anteile der Lunge, so das Lungengewebe an sich, sind vollkommen schmerzunempfindlich. Eine ausgedehnte Lungenentzündung, die nur das Lungengewebe in Mitleidenschaft zieht, kann daher vollkommen schmerzlos sein, während eine vergleichsweise kleine Rippenfellentzündung heftige Schmerzen verursachen kann, weil das Rippenfell gut mit schmerzleitenden Nerven versorgt ist. Grundsätzlich können die folgenden Lungenerkrankungen Thoraxschmerz auslösen, sie müssen aber nicht zu Schmerzen führen:

  • akute Lungenembolie

  • pulmonale Hypertonie

  • Infektiöse Lungenerkrankungen (zum Beispiel tracheobronchitis)

  • Bronchialkarzinom

  • Pneumothorax
Entstehung von Thoraxschmerzen durch Erkrankungen im Bereich des Brustkorbs

Die Knochen und Muskeln des Brustkorbs sind die häufigste Ursache für Thoraxschmerzen.

Entstehung von Thoraxschmerzen durch Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sind die zweithäufigste Ursache für Thoraxschmerzen; Entzündungen der Speiseröhre stehen hier an erster Stelle.

Am häufigsten lösen Erkrankungen der Speiseröhre einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein aus, der zunächst nicht von Herzschmerzen zu unterscheiden sein kann. Dabei können alle Entzündungen der Speiseröhre diese Schmerzen auslösen. Solche Entzündungen der Speiseröhre sind zum Beispiel die Refluxkrankheit, bei der zurückfließender, saurer Magensaft die Speiseröhre schädigt, oder eine Infektion der Speiseröhre.

Seltenere Ursachen für Thoraxschmerzen sind ein Magen- oder Zwölffingerdarm-Geschwür, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder eine Gallenkolik.

Als Mediastinitis wird eine Entzündung des Mediastinums (Raum zwischen den beiden Lungenflügeln hinter dem Brustbein) bezeichnet. Sie kann beispielsweise durch eine Verletzung der Speiseröhre (zum Beispiel bei einem Speiseröhrentumor) entstehen.

Entstehung von Thoraxschmerzen durch Herzerkrankungen

Zu den gefährlichsten Ursachen von Thoraxschmerzen gehören der Herzinfarkt und Erkrankungen der Hauptschlagader.

Eine Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff durch eine Verengung der Herzkranzgefäße verursacht den als Angina pectoris bezeichneten Schmerz. Dieser ist typischerweise hinter dem Brustbein als brennender oder drückender Schmerz lokalisiert, der durch körperliche Belastung oder Aufregungen ausgelöst oder verschlimmert wird. Kommt es zum Verschluss eines Astes der Herzkranzgefäße, entsteht ein Herzinfarkt mit Absterben von Herzmuskelgewebe, der sehr starke Schmerzen im Brustkorb auslösen kann.

Ähnlich heftige Beschwerden verursacht die Aortendissektion, die allerdings wesentlich seltener ist als ein Herzinfarkt. Hierbei kommt es zu einem Einriss der innersten Schicht der Hauptschlagader des Körper (die Aorta).

Auch Herzklappenerkrankungen (meist Aorten- oder Mitralstenose = Verengung der Aortenklappe oder der Mitralklappe im Herzen) oder Entzündungen des Herzmuskels oder des Herzbeutels (zum Beispiel im Rahmen einer Viruserkrankung) können die Ursache für herzbedingte Brustschmerzen sein. Bei den Herzklappenerkrankungen kann es durch den fortschreitenden Krankheitsprozess zu Folgeerscheinungen kommen, die Thoraxschmerzen verursachen können, zum Beispiel eine mangelnde Blutversorgung des Herzens oder ein Bluthochdruck in den Lungen. Bei Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) sind die Schmerzen durch die Entzündung bedingt.

Thoraxschmerzen durch psychosomatische Schmerzsyndrome

Die psychosomatischen Schmerzsyndrome sind zwar nicht gefährlich, können bei den Betroffenen aber sehr große Angst auslösen.

Psychosomatische Schmerzsyndrome können sich als "Herzneurose" oder im Rahmen einer Panikattacke mit Brustschmerzen äußern. Bei der Herzneurose kann der Betroffene überzeugt sein, an einer bedrohlichen Erkrankung des Herzens zu leiden. Panikattacken können häufig zumindest mit einem Engegefühl in der Brust, aber auch Thoraxschmerzen einhergehen. Auch im Rahmen einer Depression können Brustschmerzen als ein mögliches Symptom auftreten. Die Diagnose eines psychosomatischen Schmerzsyndroms kann erst nach Ausschluss aller möglichen organischen Ursachen gestellt werden.

Quelle: Springer Medizin
Seite empfehlen:
A A A
Ärzte Zeitung - DIE Tageszeitung für die Praxis

Täglich Neue Forschungsergebnisse zu medizinischen Themen: Vorbeugen, Erkennen, Behandeln.
www.aerztezeitung.de

Twitter

Twitter

Folgen Sie uns auf Twitter!

Bekommen Sie täglich News in Ihrem Twitter-Feed und nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Hier geht's zu unserer Twitter-Seite

Kooperationspartner

cover_wissen_und_gesundheit_3_2011

Wissen & Gesundheit

Das Magazin für mehr Lebensqualität.

  • Gesund auf Reisen
    Zu Urlaubsvorbereitung gehört auch, Gesundheitsrisiken vorzubeugen.
  • Den Erfolg im Visier
    Magdalena Neuner findet die richtigen Rezepte, Leistungsdruck und Entspannung zu vereinbaren.
  • Dem Herzen Gutes tun
    Herzgesund leben ist nicht schwer – und lohnt sich immer!

Wissen & Gesundheit