Reizdarm / Colon irritabile - Ursachen

Das Reizdarmsyndrom bezeichnet eine sogenannte funktionelle Magen-Darm-Erkrankung, der keine erkennbaren organischen Ursachen zugrunde liegen. Schmerzhafte Verstopfung oder Durchfälle sind typische Symptome.


Ursachen

Es gibt derzeit keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die Entstehung eines Reizdarmsyndroms.

Mögliche Ursachen sind:

  • Eine Störung der Interaktion zwischen Gehirn und Darm (Gehirn-Darm-Achse) - unter anderem durch anhaltende emotionale Belastungen (Stress, etc.).
  • Vorangegangene Schleimhautentzündung des Dickdarms (sogenanntes Postinfektionssyndrom).
  • Gesteigerte Sensibilität des Darms durch eine Überreaktion der Rezeptoren in der Darmwand. Diese reagieren zum Beispiel auf Druck durch Darmgase oder Stuhl.
  • Eine Störung der Peristaltik* des Magen-Darm-Rohres, wodurch die Geschwindigkeit des Nahrungsmitteltransports, die sogenannte Nahrungspassage verändert wird.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
  • Psychische Faktoren: Zum Beispiel sind Menschen, die zu Angststörungen und Depressionen neigen, eher anfällig für ein Reizdarmsyndrom.

Die Hirn-Darm-Hypothese

Möglicherweise ist eine gestörte Wechselwirkung zwischen dem Magen-Darm-Trakt und dem Gehirn für das Entstehen der Symptome verantwortlich. Dafür sprechen verschiedene Hinweise: Beispielsweise führt psychischer oder mentaler Stress zu einer veränderten Beweglichkeit des Darms. Die psychischen Faktoren führen auch zu Funktionsstörungen des Magens, der Galle, der Harnblase und der Lunge. Möglicherweise sind es aber auch bestimmte stimulierende Faktoren, zum Beispiel Dehnungsreize durch Darmgase, die über die sehr sensiblen Rezeptoren im Darm extrem starke Nervensignale auslösen und über das Rückenmark Reaktionen im Gehirn bewirken.

Ein weiteres Indiz für die Zusammenhänge zwischen Gehirn und Darm ist die Tatsache, dass bei einem Teil der Patienten mit einem Reizdarmsyndrom psychische beziehungsweise psychosomatische Störungen nicht die Ursache, sondern die Folge der Darmprobleme sind. Andererseits haben die psychischen Faktoren wiederum einen Einfluss auf die Entstehung und die Intensität der Beschwerden.

Glossar

Peristaltik: Der Begriff Peristaltik bezeichnet grundsätzlich die Muskelaktivität von Hohlorganwänden. Durch die Kontraktionen der Muskelzellen wird dabei der Inhalt der Hohlorgane bewegt. Im Magen und im Darm ist die Peristaltik somit für den Transport des Nahrungsbreis zuständig.

Quelle: s. Literaturangaben / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 28.12.2010
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