Arzneimittelexanthem - Ursachen
Ursachen
Im Gegensatz zu anderen Nebenwirkungen von Arzneimitteln treten allergische Reaktionen gegen Arzneimittel unabhängig von der verabreichten Menge des Mittels auf.
Viele unerwünschte Reaktionen auf Arzneimittel sind unvermeidlich und gehören ebenso zu den Wirkungen eines Medikaments wie die erwünschten (therapeutischen) Wirkungen. Ein Beispiel für eine solche unvermeidliche, aber unerwünschte Wirkung ist zum Beispiel der Haarausfall als Folge einer Chemotherapie zur Krebsbehandlung. Die unerwünschten Wirkungen werden dabei direkt durch den Wirkmechanismus des Medikaments ausgelöst und lassen sich von der therapeutischen Wirkung nicht trennen. Unvermeidlich heißt nicht, dass diese Wirkungen bei jedem behandelten Patienten in gleicher Ausprägung vorkommen. Aber die unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen) lassen sich durch die Wirkung des Medikamentes erklären und sie sind genau wie die erwünschten Wirkungen abhängig von der Dosis des Medikaments.
Allergische Arzneimittelreaktionen sind dosisunabhängig
Bei den allergischen Reaktionen fungiert das Arzneimittel als Antigen und es kommt nur dann zur Reaktion, wenn bei einem individuellen Patienten entsprechende Bedingungen dafür vorliegen. Während also die nicht allergischen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei entsprechend hoher Dosierung bei den meisten Patienten berechenbar auftreten werden, können allergische Reaktionen auftreten. Diese allergischen Reaktionen werden aber auch bei sehr hoher Dosierung nur bei einem Bruchteil der Patienten auftreten.
Charakteristisch für Medikamentenallergien ist die Sensibilisierung. Dabei kommt es beim Erstkontakt mit einem Antigen (hier einem Medikament) zur Auslösung einer Immunantwort ohne erkennbare äußerliche Reaktion. Bei diesem Erstkontakt spezialisiert sich ein winziger Teil der Immunzellen genau auf dieses Antigen. Bei erneutem Antigenkontakt tritt die Immunreaktion verstärkt auf, denn es sind nun schon spezialisierte Zellen vorhanden, die sofort und heftig auf das Antigen reagieren können. Die Sensibilisierung ist von der Menge des zugeführten Antigens unabhängig und bleibt sehr lange bestehen, in manchen Fällen sogar lebenslang. Das heißt, auch Jahrzehnte nach der erstmaligen Einnahme eines Medikaments kann es bei erneuter Einnahme zum Auftreten einer allergischen Reaktion kommen, wenn bei der ersten Einnahme eine Sensibilisierung erfolgt ist. Das lebenslange Gedächtnis des Immunsystems wird von besonders spezialisierten weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) gebildet. Es gibt aber Arzneimittel, bei denen es auch ohne Sensibilisierung zu einer allergischen Reaktion kommt. Das heißt schon bei Erstgabe kann eine allergische Reaktion auftreten. Eine mögliche Erklärung liegt in einer Kreuzimmunität oder Kreuzreaktion: das Immunsystem verwechselt die erstmals verwandte Substanz mit einer, gegen die schon einen Sensibilisierung erfolgt war, zum Beispiel aufgrund einer ähnlichen chemischen Struktur. Solche Kreuzreaktionen sind bei den verschiedenen Arten von Penizillinen nicht selten. Das Risiko einer Allergieentstehung ist bei lokaler Anwendung am höchsten, was mit ein Grund ist, warum Antibiotika als häufige Auslöser von Arzneimittelallergien möglichst nicht in Form von Pudern oder Salben auf die Haut aufgetragen werden sollen. An zweiter Stelle bei der Allergieentstehung folgt die intravenöser Gabe, also die Gabe von Spritzen oder Infusionen in ein Blutgefäß. Bei oraler Anwendung (Tabletten) ist das Risiko einer Allergie prinzipiell am geringsten.
Ursachen für die Neigung zu Allergien sind kaum bekannt
Die Frage, warum ein Individuum auf eine bestimmte Substanz überempfindlich reagiert, ist ungeklärt. Sicher gibt es eine erbliche Disposition (Neigung) zu Allergien, die sogenannte Atopie. Dabei handelt es sich aber nicht um eine klassische Erbkrankheit, bei der eine Erkrankung in jedem Fall von den Eltern auf die Kinder übertragen wird. Trotzdem ist eine familiäre Häufung von allergischen Erkrankungen zu beobachten. Neben der erblichen Disposition werden auch Umweltfaktoren für die Entstehung von Allergien verantwortlich gemacht, allerdings bestehen über diese Faktoren bisher nur Vermutungen.
Kreuzreaktionen führen auch zu Arzneimittelallergien
Ursache für Arzneimittelallergien sind außerdem Kreuzreaktionen: Ähnliche Antigene kann das Immunsystem nicht unterscheiden und reagiert gleichermaßen darauf: Das bezeichnet man als Kreuzreaktion oder Kreuzallergie. So kann beispielweise ein gegen Penicillin (zum Beispiel Penicillin G) allergischer Patient bei erstmaliger Gabe eines anderen Penicillins (zum Beispiel Amoxycillin) ebenfalls allergisch reagieren.
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