Schilddrüsenunterfunktion - Hypothyreose - Ursachen

Von einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) spricht man, wenn die Körperzellen unzureichend mit Schilddrüsenhormonen versorgt werden.


Ursachen

Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion gibt es viele. Diese können angeboren oder zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel im Rahmen einer Infektion, erworben worden sein.

Für eine primäre Hypothyreose, also einen Mangel an Schilddrüsenhormonen, der von der Schilddrüse selbst ausgeht, kann es mehrere Gründe geben: Entweder die Schilddrüse wird nicht ausreichend mit verwertbarem Jod versorgt, oder die Schilddrüse verfügt über nicht genügend arbeitsfähiges Gewebe.

Für einen solchen Mangel an arbeitsfähigem Gewebe gibt es zahlreiche Ursachen.

Neugeborene mit Schilddrüsenunterfunktion

Bei Neugeborenen ist der häufigste Grund eine nicht vorhandene, also nicht angelegte und gewachsene, oder eine unzureichend große Schilddrüse. Eine weitere Ursache für eine vorübergehende Hypothyreose ist ein Jodmangel der Mutter.

Auch eine übermäßige Jodzufuhr kann eine Hypothyreose verursachen. Bei Neugeborenen, vor allem bei Frühgeborenen, besteht dieses Risiko beispielsweise durch den Einsatz jodhaltiger Desinfektionsmittel. Eine solche Hypothyreose ist nicht dauerhaft, sondern vorübergehend.

Erwachsene mit Schilddrüsenunterfunktion

Die häufigste spontane Ursache bei Erwachsenen ist die so genannte Hashimoto-Thyreoiditis, eine spezielle Form der Schilddrüsenentzündung, die nach einem japanischen Pathologen benannt wurde. Über Jahre hält die Entzündung innerhalb der Schilddrüse an und zerstört nach und nach das gesunde Schilddrüsengewebe, ohne dass es eine wirksame und sinnvolle Behandlungsmöglichkeit gäbe. Neben dem Hormonmangel treten keine weiteren Krankheitszeichen auf. Am Ende steht ein Verschwinden des gesunden Schilddrüsengewebes ohne Knoten, unter Umständen bei gleichzeitiger Ausbildung eines derben Kropfes. Diese Form der Erkrankung ist die eigentliche Hashimoto-Thyreoiditis. Die gleiche Entzündung ohne Kropfentstehung erkennt man nur durch den Hormonmangel. Die Krankheit heißt dann idiopathisches Myxödem. Mit zunehmendem Funktionsverlust und somit zunehmender Hypothyreose wird die Einnahme von Schilddrüsenhormonen nötig.

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird zu den Autoimmunerkrankungen gezählt, bei denen der Körper körpereigene Substanzen bekämpft. Auch andere Formen der Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) können Gewebe arbeitsunfähig machen oder zerstören.

Weitere Gründe für einen Mangel an funktionsfähigem Schilddrüsengewebe können sein:

  • eine Schilddrüsenoperation (je nach Größe der Operation entsteht in zehn bis 50 Prozent der Fälle eine Hypothyreose)
  • eine Radiojodbehandlung (je nach Diagnose und Herddosis entsteht in zehn bis 90 Prozent eine Hypothyreose)
  • eine Strahlentherapie im Halsbereich (je nach Bestrahlungsfeld entsteht in zehn bis 60 Prozent eine Hypothyreose)
Verschiedene Medikamente können eine Hypothyreose verursachen, so beispielsweise:

  • Lithium
  • Perchlorat, das die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmt
  • Thiamizol oder Carbimazol, die eine Hemmung der Schilddrüsenfunktion bewirken
  • übermäßige medikamentöse Jodzufuhr
Selten sind so genannte Enzymdefekte. Hierbei ist der Körper nicht in der Lage, Jod angemessen zu verwerten und die für den Körper notwendigen Schilddrüsenhormone herzustellen.

In sehr vereinzelten Fällen kann eine Geschwulst oder eine andere Erkrankung der Schilddrüse (zum Beispiel Amyloidose, Sarkoidose) zu einem Verlust arbeitsfähigen Schilddrüsengewebes und einer Hypothyreose führen.

Die Ursache für eine sekundäre (hypophysäre) oder tertiäre (hypothalamische) Hypothyreose liegt in einem Defekt oder einer Erkrankung der übergeordneten Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder im wiederum der Hirnanhangsdrüse übergeordneten Zwischenhirn (Hypothalamus). In einem solchen Fall wird der Schilddrüse kein ausreichendes Signal mehr übermittelt, woraufhin sie die Hormonproduktion verringert oder einstellt.

Eine weitere Form der mangelnden Versorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen ist die so genannte periphere Hormonresistenz. Dies bedeutet, dass der Körper - oder auch nur einzelne Organe - gegen Schilddrüsenhormone unempfindlich ist und sie nicht verwerten kann. Es entsteht das Bild einer Hypothyreose, ohne dass ein Mangel an Schilddrüsenhormonen festzustellen ist.

Quelle: Springer Medizin
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