Arthrose (Kniearthrose, Gonarthrose) - Ursachen

Eine Kniearthrose ist eine Gelenkveränderung aufgrund von Verschleiß und Alterung (Degeneration). Hier finden Sie mehr zum Thema.


Ursachen

Zu einer Arthrose des Kniegelenks können Fehlstellungen der Gelenke, Verletzungen, Entzündungen und ererbte Veranlagungen führen.

Angeborene oder erworbene Fehlstellung der Gelenke

Am Knie tritt eine Arthrose meist zunächst einseitig auf, entweder an der Innen- oder an der Außenseite des Knies. Bei einer Innenarthrose verändert sich die Beinachse allmählich in Richtung O-Bein, bei außenseitiger Kniearthrose in Richtung X-Bein. Umgekehrt führen angeborene oder erworbene O-Stellungen zuerst zur Innenarthrose, X-Stellungen zur Außenarthrose.

Neben den genannten beiden Arthroseformen, die das Hauptgelenk betreffen, ist aber auch die Kniescheibenarthrose zu beobachten. Diese Art der Arthrose tritt meist schon in jüngerem Alter auf und verursacht vor allem Probleme beim Aufstehen, Heben von Lasten, Treppensteigen und Springen. Sportarten, die mit Springen und Drehen verbunden sind (zum Beispiel Tennis) sind ungünstig; auch die Berufswahl sollte bei den oft noch jungen Erwachsenen sorgfältig bedacht werden. Berufe wie Fliesenleger oder Bergbauarbeiter unter Tage sind mit einem erhöhten Risiko der Kniearthrose behaftet.

Gelenkverletzungen und Knochenbrüche

Jede Formveränderung mindert die Gelenkfunktion. Wächst der Knochen nach einem Bruch nicht völlig exakt zusammen, reicht eine Stufe im Gelenk von weniger als einem Millimeter aus, um eine Arthrose vorzubereiten. Meniskusschäden oder die operative Entfernung eines Meniskus führen leider recht häufig zur Kniearthrose (nach kompletter Entfernung eines Meniskus verschleißt dieser Gelenkanteil meist innerhalb von zwei Jahrzehnten). Meniskuserhaltende Operationen werden heute daher wo immer möglich durchgeführt. Gelenklockerungen durch Bänderriss führen zum vermehrten mechanischen Verschleiß, da das Gelenkspiel nicht mehr punktgenau arbeitet. Bei Einblutungen in den Gelenkspalt entstehen beim Abbau des Blutes Endprodukte, die aggressiv auf den Knorpel einwirken können.

Nicht-bakterielle Gelenkentzündungen

Arthrose und Rheuma sind zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, die aber häufig verwechselt werden. Arthrose bedeutet zunächst nur Gelenkverschleiß durch erhöhte oder falsche Beanspruchung. Die aktivierte Arthrose ist eine Entzündung - der Entzündungsreiz ist hier kein Krankheitserreger und keine Abwehrreaktion, sondern ein Fremdkörper, zum Beispiel abgeriebene Knorpelteilchen.

Rheuma (primär chronische Polyarthritis) ist eine Krankheit, bei der sich das Abwehrsystem gegen körpereigene Zellen richtet, weil es diese Zellen aufgrund einer Falschinformation für körperfremd hält. Diese Art der Immun-Fehlreaktion wird als Autoaggressionskrankheit bezeichnet (auto = selbst, Aggression = Angriff). Hier liegt die Ursache nicht im Gelenk selbst, sondern in einer fehlgeleiteten Abwehrreaktion. Bei Rheuma sind die Zellen der Gelenkinnenhaut das Ziel der falschen Abwehrreaktion. Aufgrund des Immunprozesses, der sich letzten Endes ebenfalls als Entzündung äußert, verdickt sich die Gelenkinnenhaut. Auch dadurch wird die Gelenkfunktion gestört, sodass aus dem Rheuma eine Arthrose entstehen kann. Hier treffen zwei gelenkzerstörende Prozesse zusammen, sodass die ursprüngliche Krankheit - das Rheuma - intensiv behandelt werden muss. Typisch für Rheuma ist, dass diese Krankheit mehrere Gelenke befällt. Eine ausschließlich auf das Kniegelenk begrenzte Veränderung ist meistens kein Rheuma.

Bakterielle Entzündungen

Über das Blut verschleppte Bakterien können sich in der Gelenkflüssigkeit (Synovia) ansiedeln und ausbreiten. Dort führen sie zur bakteriellen Gelenkentzündung. Der Stoffwechsel ist bei einer Entzündung stark gesteigert (kenntlich an der Rötung und Überwärmung). Es fallen vermehrt Stoffwechselsendprodukte an, die aus dem langsam am Allgemeinstoffwechsel teilnehmenden Gelenkspalt nur verzögert entfernt werden können. Die vor allem sauren Abfallprodukte können den Knorpel nachhaltig schädigen. Die bakterielle Absiedlung aus dem Blut ist heute seltener. Eine bakterielle Gelenkentzündung kann aber nach Gelenkpunktion, Spiegelung oder Gelenkoperation auftreten. Vor allem eine länger dauernde Kortisonbehandlung der Gelenke und die Zuckerkrankheit setzen die Abwehrkraft gegenüber Krankheitskeimen herab.

Langfristige starke Belastung, Fehlbelastung, Unterbelastung

Für jedes Gelenk existieren Idealachsen. Steht das Gelenk in der Idealachse, sind die am Gelenk ansetzenden Kräfte optimal verteilt. Ist die Gelenkstellung gestört, so erhöht sich die Belastung an bestimmten Stellen, es kommt zum Knorpelabrieb. Dabei wirken sich auch Fehlbelastungen in ferneren Gelenken (zum Beispiel Großzehengrundgelenk, Hüfte) auf das Knie aus. Schmerzen im Fuß oder der Hüfte können zur Schonung eines Beines führen, das andere Knie wird daraufhin umso mehr belastet. Eine Überbelastung kann durch ein zu hohes Körpergewicht bedingt sein, welches ja zu einem Großteil auf den Knien lastet.

Quelle: bsmo Redaktion, Springer Professional Medicine
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