Gallensteine - Ursachen
Ursachen
Weibliche Geschlechtshormone, Schwangerschaften, Übergewicht und höheres Alter begünstigen die Entstehung von Gallensteinen.
Gallensteine bilden sich, wenn das Verhältnis der verschiedenen, in der Gallenflüssigkeit gelösten Salze aus dem Gleichgewicht gerät. Bei Übersättigung mit einem Salz wird ein bestimmter Salzanteil zu einem festen Kristall, und bildet einen so genannten Kristallisationskeim. Um ihn herum wächst der Stein.
Die Gallenflüssigkeit besteht im Wesentlichen aus den drei Bestandteilen Gallensalze, Lezithin und Cholesterin. Befinden sich diese drei Hauptbestandteile der Gallenflüssigkeit in einem bestimmten Konzentrationsverhältnis, bleiben sie gelöst. Wird das Gleichgewicht zugunsten eines Bestandteils verschoben, kristallisiert die entsprechende Substanz.
Steinarten
Die häufigsten Steine (90 Prozent) sind Cholesterinsteine. Die zweite Gruppe bilden die Pigmentsteine. Sie werden auch Kalksteine genannt und entstehen vermehrt aus dem Abbau verschiedener Zellen, zum Beispiel bei bestimmten Blutkrankheiten; auch als schwarze Pigmentsteine. Die Cholesterinsteine sind Kompositionssteine mit mindestens 50 Prozent Cholesterin oder reine Cholesterinsteine (mehr als 90 Prozent Cholesterin).
Begünstigende Faktoren
Frauen leiden doppelt so häufig an Gallensteinen wie Männer. Angehende Ärzte lernen die 5-F-Regel für den klassischen Gallensteinpatienten:
- Female (weiblich)
- Fecund (fruchtbar = mehrere Geburten)
- Fat (übergewichtig)
- Flatulent (über Blähungen oder Verdauungsstörungen klagend)
- Forty (40-jährig und darüber)
Weiblich
Die spezifische Verteilung der Geschlechtshormone, die unter anderem aus Cholesterin gebildet und wieder zu Cholesterin abgebaut werden, begünstigt die Cholesterinstein-Bildung. Trotz des Zusammenhangs zwischen weiblichen Hormone und Gallensteinleiden erhöhen die Pille und die gegen Wechseljahresbeschwerden verwendeten Hormone das Risiko für Gallensteine nicht eindeutig. Studien erbrachten hier widersprechende Ergebnisse. Die Meinung geht dahin, dass durch Einnahme der Pille der Zeitpunkt einer Steinbildung allenfalls vorverlegt wird.
Fruchtbar
Schwangerschaft und Geburt gehen mit einem erhöhten Umsatz an weiblichen Geschlechtshormonen (siehe oben) einher. Die Schwangerschaft behindert aber auch den Gallenabfluss, da das wachsende Baby Raum beansprucht und die Gallenblase verdrängen kann. Zum Dritten ist in der Schwangerschaft die Aktivität der Muskulatur in Darm, Gallen- und Harnwegen (glatte Muskulatur) allgemein gedämpft, so dass sich die Gallenblase weniger stark zusammenzieht und damit weniger gut entleert.
Die meisten Gallensteine entstehen nach der Schwangerschaft in der Umbauphase, wenn sich die enorm erhöhten Östrogen-Spiegel normalisieren. In dieser Phase wird das überschüssige Abbauprodukt davon als Cholesterin über die Galle ausgeschieden.
Jede Schwangerschaft steigert damit das Risiko, Gallensteine zu entwickeln.
Übergewicht
Übergewicht ist vor allem im Hinblick auf den hierbei häufig gestörten Fettstoffwechsel mit erhöhten Cholesterinspiegeln ein Risikofaktor. Reichlicher Zuckerkonsum, wenig Ballaststoffe, Alkoholkonsum, Verzicht auf Frühstück und auf kleinere Zwischenmahlzeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine. Unter 900 Frauen bis 24 Jahren wurden bei 54 (4,8 Prozent) Gallensteine nachgewiesen, in der Gruppe der Übergewichtigen bei 13,2 Prozent.
Flatulent
Blähungen können ein Hinweis auf unzureichende Bewegungen des Verdauungstraktes und eine falsche Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit sein. Sie stellen jedoch nur ein sehr unsicheres Symptom, das auch auf anderen Ursachen im Verdauungssystem beruhen oder durch seelische Belastung verursacht sein kann.
Lebensalter
Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine.
Veranlagung
Hinzufügen könnte man noch ein sechstes "F", nämlich "Family´" (Veranlagung): Bevölkerungsstudien ergaben Hinweise darauf, dass eine Veranlagung zu Cholesterin-Gallensteinen weitervererbt werden kann. Den Cholesteringallensteinen liegt als Ursache auch eine genetische Stoffwechselstörung (Veranlagung) zugrunde. Hier ist eine bestimmte Gallensäure, die Chenodesoxycholsäure (Chenodiol), vermindert.
Weitere Risikogruppen
- Diabetiker haben häufiger Gallensteine als Nicht-Zuckerkranke. Die Vermutung, dass Diabetiker auch häufiger oder schwerere Komplikationen durch Gallensteine erleiden als andere Patienten, hat sich jedoch nicht bestätigt.
- Darmoperierte: Nach ausgedehnteren Dünndarm-Operationen (zum Beispiel wegen entzündlicher Darmkrankheiten, der Crohn-Krankheit oder Colitis ulcerosa) treten unter Umständen gehäuft Gallensteine auf, denn es gehen vermehrt Gallensäuren aus dem Darm verloren. Sie stehen damit in der Gallenblase nicht zur Verfügung, um Cholesterin in Lösung zu halten.
- Entzündung: Gallenblasenentzündungen und -steine treten häufig gemeinsam auf. Was die Ursache, was die Folge ist, lässt sich nicht immer eindeutig erkennen. Die Entzündung selbst kann die Steinbildung fördern, da sie den Gallenfluss beeinträchtigt. Eine Gallenblasenentzündung tritt bei bestehenden Steinleiden sehr häufig nach einem Nahrungs-Exzess (Martinsgans, Torten und so weiter) auf.
- Blonde Frauen haben - genetisch fixiert - ein deutlich erhöhtes Steinrisiko.
Das Land mit den meisten Gallensteinträgerinnen weltweit ist Chile. Man nimmt an, dass dies mit dem überdurchschnittlich hohen Fleischkonsum dort in Zusammenhang steht. Viele Einwohner sind deutschen oder spanischen Ursprungs und diese Populationen lassen sich mit den Ursprungsländern für gewöhnlich gut vergleichen.
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