Cellulite, Orangenhaut - Therapie

Cellulite betrifft etwa acht von zehn Frauen über 20 Jahre und gilt als kosmetischer Makel. Dabei hat sie keinerlei Krankheitswert und war früher sogar ein Schönheitsmerkmal. Heutzutage sucht man dagegen eifrig nach Gegenmitteln.


Therapie

Obwohl die Kosmetikindustrie jedes Jahr zur beginnenden Badesaison das Gegenteil verspricht, gibt es gegen die Zellulite noch immer keine wirklich wirksamen Behandlungsansätze. Am besten scheint eine rundum gesunde Lebensweise zu helfen: mit viel Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung, dem Verzicht auf Nikotin, übermäßigen Alkohol- oder Kaffeegenuss und dazu Maßnahmen, die die Durchblutung des Bindegewebes anregen wie Wechselduschen, Massagen und Sport.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Behandlungsansätzen, deren Wirksamkeit allerdings in den meisten Fällen nicht wissenschaftlich belegt ist. Nachweis für die Hilfe von außen in Form von Cremes und Gels gibt es am ehesten für zwei Wirkstoffe: Koffein, das in gewissem Maß Fettzellen zum „Schrumpfen“ bringen kann, und Retinol (Vitamin A), das die Struktur des Bindegewebes stärkt. In beiden Fällen reicht es allerdings nicht aus, dass Präparate den Stoff überhaupt enthalten, er muss auch in ausreichender Konzentration an den Ort des Geschehens gelangen. Das ist bei Koffeinpräparaten beispielsweise nur der Fall, wenn der Transport über sogenannte „Liposomen“ geschieht, die in der Lage sind, die Barriere, die die Haut ihrer natürlichen Schutzfunktion wegen darstellt, zu überwinden.

Für viele andere Produkte gibt es zurzeit nur die zweifelhaften Wirksamkeitstests der Hersteller und nicht selten Aussagen angeblicher Koryphäen der Dermatologie nach dem Schema „Dr. XY empfiehlt: …“ Von solcher „Eminenz-basierten“ Kosmetik mit dem Anspruch medizinischer Wirksamkeit sollte man im Zweifelsfall lieber die Finger lassen, denn meist bekommt man unterm Strich für teures Geld keine Wirkung zu sehen. Am besten lässt man sich für passende Produkte in einer für die dermatologische Beratung zertifizierten Apotheke beraten.

Neben der Behandlung mit äußerlich anwendbaren Kosmetikprodukten gibt es auch andere Verfahren, die eine Reduktion oder Beseitigung der Zellulite versprechen. Zu nennen wären Methoden, die mit Laser- oder Infrarotlicht in Kombination mit Massagetechniken arbeiten und das Fett aus den Depots an Gesäß, Oberschenkeln und Hüften mobilisieren sollen. Erste Ergebnisse, die auf Kongressen der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie vorgestellt wurden, zeigten hier durchaus vielversprechende Ansätze – allerdings in Studien mit sehr kleiner Fallzahl, ohne Vergleichsgruppen und ohne Langzeitverläufe, was im Verhältnis zu den sehr hohen Kosten auch hier zur Vorsicht raten lässt. Pro Sitzung zahlt man ca. 200 Euro.

In eine ähnliche Kategorie lässt sich das Verfahren der sogenannten Endermologie einordnen, eine spezielle Art der Massage für die tieferen Bindegewebsschichten, die die Durchblutung anregen und zur Reduktion des Fettgewebes führen soll. Auch hier fallen für die Nutzerin hohe Kosten pro Sitzung an und die Nachhaltigkeit der Effekte ist nicht belegt.

Eine weitere Behandlungsmethode, die viele Befürworter hat, ist die Einhaltung bestimmter Diätprinzipien: entweder mit Hilfe vorgefertigter Nahrungsergänzungsmittel oder – mit ein bisschen Bewusstsein, Zeit und Aufmerksamkeit – in die normale tägliche Ernährung integriert. Geachtet wird hierbei insbesondere auf die ausreichende Zufuhr von essenziellen Fett- und Aminosäuren, Lecithin und Radikalfängern. Essenziell bedeutet in diesem Fall, dass der menschliche Körper diese Substanzen nicht selber herstellen kann, daher müssen sie über die Nahrung zugeführt werden. Aminosäuren sind die Bausteine der Eiweiße. Lebensmittel, die in einer solchen Diät enthalten sein sollten sind beispielsweise Eier, Soja-Produkte, Erdnussbutter (für Lecithin), Blumenkohl, Olivenöl, Beeren, Citrusfrüchte und anderes mehr.

Und auch damit ist die Liste an propagierten Behandlungsmethoden noch längst nicht abgeschlossen: Wechselstrom, Kompressionsstrümpfe, Anti-Cellulite-Trainings- oder Strumpfhosen, Wickeltechniken oder Wechselbäder – schon die Vielzahl der Empfehlungen zeigt letztendlich, dass es eine wirklich wirksame Methode, die Beulen und Dellen wieder ganz loszuwerden, bisher nicht gibt.

Und was den für viele als letzter Ausweg geltenden Gang zum Schönheitschirurgen angeht, so sind auch deren Möglichkeiten Grenzen gesetzt: Eine Fettabsaugung wirkt nur in Kombination mit einer sorgsamen und sehr vorsichtigen Lösung der Bindegewebssepten an genau den richtigen Stellen: ein Verfahren, das aufwändig und kompliziert ist und keineswegs immer den erhofften Erfolg bringt. Wird zu viel oder zu schnell Fett entfernt, kann der Effekt sogar ins Gegenteil umschlagen und die Zellulite verstärken.

Quelle: www.zellulite.eu
Cellulite als Thema der Westzeit des Radiosenders WDR2
„Die neue Beulenpest“; FAZ, 02.Juli 2007
Benninghoff, Drenckhahn: Anatomie, Makroskopische Anatomie, Histologie, Embryologie, Zellbiologie, Band 2; Urban & Fischer, 16. Auflage 2004
Frew K, Katz B: The efficacy of a Diode Laser with contact cooling and suction in the treatment of cellulite.
Fritsch: Dermatologie, Venerologie; Springer 2. Auflage 2004
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