Bulimie / Ess-Brech-Sucht - Therapie

Bulimie (Ess-Brech-Sucht, Bulimia nervosa) ist eine psychisch verursachte Essstörung, die durch häufig auftretende Essattacken und anschließende Versuche, den dick machenden Effekt der Nahrung wieder aufzuheben, gekennzeichnet ist. Hier finden Sie alles zum Thema.


Therapie

Die Behandlung der Bulimia nervosa erfolgt in Abhängigkeit von der Schwere des Krankheitsbildes stationär in einem Krankenhaus oder ambulant. Bestandteile der Therapie sind die spezifische Behandlung der Essstörung, Psychotherapie, soziale Integration sowie die Gabe von Medikamenten.

Gründe für eine stationäre Behandlung sind:

  • körperliche Komplikationen wie z.B. schwere Elektrolytstörungen
  • häufige Essattacken oder häufiges Erbrechen
  • schwerwiegende psychische Begleiterkrankungen
  • ausgeprägtes Selbstverletzungsverhalten
  • Substanzmissbrauch (Alkohol, Drogen, Tabletten)
  • festgefahrene familiäre Konfliktsituationen
  • Verdacht auf Misshandlung bzw. Missbrauch
  • soziale Isolation
  • Scheitern ambulanter oder tagesklinischer Behandlungsversuche

Die spezifische Behandlung der Essstörung verbindet Informationen zur Ernährung mit Verhaltensschulung. So werden die Patienten angehalten, ein Ernährungstagebuch zu führen, über den Zusammenhang von Essensbeschränkung und Heißhungerattacken aufgeklärt, und ein Essensplan inklusive Zwischenmahlzeiten aufgestellt, der geeignet ist, Heißhunger zu verhindern.

Psychotherapie und – je nach Alter der Patienten – Elternberatung bzw. Familientherapie zielen darauf ab, die Gewichtsphobie der Betroffenen zu überwinden, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihre Beziehungsfähigkeit zu verbessern. Vorausgegangene Traumata sollten aufgearbeitet und akute oder chronische Konflikte nach Möglichkeit gelöst werden. Die Eltern sollen befähigt werden, kompetenter mit der Erkrankung ihres Kindes umzugehen, und die familiäre Konfliktfähigkeit soll gesteigert werden.

Ziel der psychosozialen Integrationsbemühungen ist es, die Betroffenen wieder zur Teilnahme am Schulunterricht bzw. der Ausbildung zu befähigen. Dafür kann es notwendig sein, den Patienten bei der Relativierung ihres Leistungsanspruchs zu helfen. Gleichfalls sollen die Maßnahmen die Isolierung der Patienten von Gleichaltrigen aufheben und bei der Teilnahme an altersentsprechenden Aktivitäten unterstützen.

Die medikamentöse Therapie richtet sich vor allem gegen psychische Begleiterscheinungen der Bulimie. Neben der eigentlichen Essstörung stehen dabei besonders depressive Verstimmungen im Vordergrund. Zum Einsatz kommen so genannte Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI) wie z.B. Fluoxetin oder Fluvoxamin. Eine medikamentöse Behandlung sollte nie ohne begleitende Psychotherapie erfolgen.

Autor: Jan Groh

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