Anorexie / Magersucht - Therapie

Als Anorexie (Magersucht, Anorexia nervosa, Anorexia mentalis) wird ein selbst verursachter bedeutsamer Gewichtsverlust bezeichnet. Ebenso spricht man von Anorexie, wenn Kinder oder Jugendliche selbst verursacht ein Gewicht beibehalten, das nicht ihrem Alter gemäß ist, oder selbst verursacht nicht altersgemäß zunehmen. Hier finden Sie alles zum Thema.


Therapie

Die Behandlung der Anorexia nervosa erfolgt in Abhängigkeit von der Schwere des Krankheitsbildes stationär in einem Krankenhaus oder ambulant. Erstes Ziel der Behandlung ist die Gewichtszunahme. Die gezielte Therapie der psychischen Krankheitsaspekte kann erst dann erfolgen, wenn das Körpergewicht der Patienten so weit angehoben wurde, dass diese für psychotherapeutische Maßnahmen erreichbar sind.

Gründe für eine stationäre Behandlung sind:

  • kritisches Untergewicht, Gewichtsverlust oder ungenügende Gewichtszunahme, unzureichende Flüssigkeitszufuhr, häufiges Erbrechen
  • körperliche Komplikationen
  • Selbstmordgefährdung
  • schwerwiegende psychische Begleiterkrankungen
  • ausgeprägtes Selbstverletzungsverhalten
  • festgefahrene familiäre Konfliktsituationen
  • Verdacht auf Misshandlung bzw. Missbrauch
  • soziale Isolation
  • Scheitern ambulanter oder tagesklinischer Behandlungsversuche
Grundsätzlich erfolgt die Behandlung der Anorexie auf mehreren Ebenen. Neben der gezielten Therapie des gestörten Essverhaltens stehen Psychotherapie, Familientherapie, Maßnahmen zur sozialen Integration sowie gegebenenfalls die medikamentöse Behandlung.

Die Behandlung des gestörten Essverhaltens versucht über Ernährungs- und Bewegungsprotokolle, Essenspläne, Überwachung der Nahrungszufuhr, Kontrolle von gewichtsreduzierenden Maßnahmen, Information über Nahrungszusammensetzung und Nährstoffe (Psychoedukation) sowie Gewichtskontrolle die Einstellung zur Nahrungsaufnahme zu beeinflussen. Bei starkem Untergewicht, das zu stationärer Behandlung zwingt, ist eine Gewichtszunahme von 0,5 kg bis 1,5 kg pro Woche anzustreben. In schweren Fällen kann die Ernährung über eine Nasen-Magen-Sonde erfolgen.

Psychotherapie und Familientherapie zielen darauf ab, die Gewichtsphobie der Betroffenen zu überwinden, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihre Beziehungsfähigkeit zu verbessern. Vorausgegangene Traumata sollten aufgearbeitet und akute oder chronische Konflikte nach Möglichkeit gelöst werden. Die Eltern sollen befähigt werden, kompetenter mit der Erkrankung ihres Kindes umzugehen. Die familiäre Konfliktfähigkeit soll gesteigert werden. Gewichtsüberwachung und Psychotherapie sollten vom selben Therapeuten vorgenommen werden.

Ziel der psychosozialen Integrationsbemühungen ist, die Betroffenen wieder zur Teilnahme am Schulunterricht bzw. der Ausbildung zu befähigen. Dafür kann es notwendig sein, den Patienten bei der Relativierung ihres Leistungsanspruchs zu helfen. Gleichfalls sollen die Maßnahmen die Isolierung der Patienten von Gleichaltrigen aufheben und bei der Teilnahme an altersentsprechenden Aktivitäten unterstützen.

Die medikamentöse Therapie richtet sich sowohl gegen psychische als auch gegen körperliche Begleiterscheinungen der Magersucht. Zur Behandlung der Gewichtsphobie und der Körperschemastörung können Therapieversuche mit so genannten atypischen Neuroleptika (z.B. Olanzapin) unternommen werden. Gegen depressive Verstimmungen und Zwangshandlungen sowie zur Prophylaxe werden so genannte Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI) wie z.B. Fluoxetin eingesetzt.

Einen Schwerpunkt der medikamentösen Behandlung körperlicher Symptome stellt die Osteoporose-Vorbeugung dar. Hier kommen Calcium-Präparate und Vitamin D zur Anwendung, falls eine ausgewogene und ausreichende Ernährung nicht erreicht werden kann. Hormonelle Störungen wie das Ausbleiben der Regelblutung normalisieren sich in der Regel mit der Gewichtszunahme.

Autor: Jan Groh

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