Reizdarm / Colon irritabile - Therapie

Das Reizdarmsyndrom bezeichnet eine sogenannte funktionelle Magen-Darm-Erkrankung, der keine erkennbaren organischen Ursachen zugrunde liegen. Schmerzhafte Verstopfung oder Durchfälle sind typische Symptome.


Therapie

Da beim Reizdarmsyndrom keine Ursache der Erkrankung festzumachen ist, werden die Symptome behandelt. Die Therapie ist abhängig von dem Schweregrad und der Ausprägung der Symptome.

Ziel der Behandlung ist eine möglichst langfristige Verminderung, beziehungsweise Beseitigung der quälenden Beschwerden und die damit verbundene Verbesserung der Lebensqualität.

Drei Säulen der Behandlung

  • Allgemeinmaßnahmen: Aufklärung des Patienten über die Ursachen und das Wesen der Erkrankung; Beratung über eine Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zur Verbesserung der Symptome. Anleitung zu mehr Bewegung und ballaststoffreicher Ernährung.
  • Therapie mit Medikamenten.
  • Psychosomatische Grundversorgung: Biofeedback, Hypnotherapie und Entspannungsübungen, eventuell eine ergänzende Psychotherapie (Krankheitsbewältigung, Angst, Depression).
Neueren Untersuchungen zufolge ist die Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Therapie nachweislich effektiver als eine alleinige Gabe von Medikamenten.

Ernährungsgewohnheiten
Einige Grundregeln gelten für die meisten Reizdarm-Patienten, sind aber je nach vorherrschendem Symptom unterschiedlich zu gewichten:
  • Mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag (vor allem bei Verstopfung).
  • Ballaststoffreiche Ernährung. Allerdings sollte die Menge an Ballaststoffen nur allmählich gesteigert werden, damit sich der Darm an die veränderte Nahrung gewöhnen kann. Bei Durchfall und Blähungen keine faserreiche Nahrung, die die Beschwerden eher verschlimmern, sondern besser Quellstoffe (zum Beispiel Flohsamen) zuführen.
  • Vermeidung von den Speisen und Getränken, die die Beschwerden auslösen oder verschlimmern. Welche Nahrungsmittel dies sind, ist individuell verschieden.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen.
Behandlung mit Medikamenten
Die medikamentöse Therapie orientiert sich an den Symptomen und zielt auf eine Regulierung des Stuhlgangs und eine Verminderung oder Beseitigung der Schmerzen sowie der Blähungen.
  • Bei akuten, krampfartigen Schmerzen werden Anticholinergika (Medikamente, die den Botenstoff für Muskelbewegung, Acetylcholin, hemmen, und dadurch die Krämpfe lindern) und muskelentspannende Zäpfchen gegeben.
  • Im Zuge der Schmerzbehandlung kann eine Therapie mit Antidepressiva nützlich sein. Die Medikamente werden dabei über mehrere Monate gegeben und langsam aufdosiert. Da sie lediglich zur Schmerzminderung und nicht zur Behandlung einer manifesten Depression eingesetzt werden, genügen oft relativ geringe Dosen.
  • Sind Beschwerden wie Völlegefühl oder Blähungen besonders quälend, werden vor allem solche Medikamente gegeben, die die Darmbeweglichkeit normalisieren, zum Beispiel sogenannte Prokinetika (kinein = bewegen).
  • Chemisch oder osmotisch wirksame Abführmittel (zum Beispiel Polyäthylenglykol, Magnesiumhydroxid oder Laktulose) sind ausschließlich in schweren Fällen und nur unter ärztlicher Aufsicht zu empfehlen, da durch einen länger anhaltenden Gebrauch die Darmprobleme noch schlimmer werden können.
  • Bei schwerem Durchfall wird in erster Linie ein Medikament eingesetzt, das die Darmbewegung hemmt.
Pflanzliche Medikamente
Eine Wirkung der großen Zahl pflanzlicher Arzneien, die in der Apotheke erhältlich sind, auf die Symptome des Reizdarms ist wissenschaftlich bislang nicht ausreichend belegt. Kleinere Einzelstudien deuten vereinzelt auf positive Effekte hin. Allerdings sind diese Aussagen aufgrund der geringen Zahl der Studienteilnehmer nur mit Vorsicht zu genießen.

Quelle: s. Literaturangaben / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 28.12.2010
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