Epilepsie / Anfallsleiden / Fallsucht - Therapie

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu unkontrollierten Entladungen der Nervenzellen, quasi zu einem Gewitter im Gehirn.


Therapie

Nach dem ersten Anfall kann, nach mehreren Anfällen sollte, eine Therapie der Epilepsie begonnen werden. Mittlerweile steht für die Behandlung von Epilepsien und der verschiedenen Anfallsformen und Syndrome eine ganze Reihe unterschiedlicher Medikamente, sogenannte Antiepileptika, zur Verfügung. Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen können die Anfälle damit gut kontrolliert werden, sogar völlige Anfallsfreiheit ist möglich. Patienten im Erwachsenenalter haben eine Chance von 50 Prozent mit dem ersten Medikament und mit Änderungen der Medikamente in weiteren bis zu 15 Prozent der Fälle anfallsfrei zu werden. Antiepileptika können jedoch nur die Schwelle für einen Anfall erhöhen. Etwa 60 Prozent aller Patienten müssen deshalb lebenslang ein Epilepsiemedikament einnehmen. Die Wahl der Medikation richtet sich aus diesem Grund jeweils individuell nach Verträglichkeit, Sicherheit und den zu erwartenden Nebenwirkungen.

Sind nur kleine Areale des Gehirns betroffen, kommt u.U. auch eine operative Therapie in Betracht. Dank moderner Verfahren haben die Betroffenen mittlerweile eine hohe Chance nach einem solchen Eingriff anfallsfrei zu werden (bis 80 Prozent).

Bei Patienten, die nur unzureichend auf Medikamente ansprechen, bei denen aber eine Operation nicht möglich ist, besteht außerdem die Möglichkeit einer Vagusnerv-Stimulation. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems und spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation lebenswichtiger Vorgänge (z. B. Ruhe/Erregung; Körpertemperatur). Bei der Vagusnerv-Stimulation wird ein Pulsgenerator, ähnlich einem Herzschrittmacher, unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt, der über Elektroden mit dem Nervus vagus am Hals befestigt ist und diesen regelmäßig elektrisch stimuliert. Dadurch können die Anfälle um bis zu 50 Prozent verringert werden.

Eine weitere Möglichkeit bietet die sogenannte ketogene Diät, bei der die Betroffenen sich hauptsächlich von Fetten ernähren müssen, während auf Kohlehydrate weitgehend verzichtet wird. Als Frühstück gibt es beispielsweise nur etwas Ei, mit Butter und Sahne. Etwa ein Drittel der Epilepsie-Patienten profitiert von dieser Diät, allerdings schaffen es nur wenige, diese langfristig einzuhalten.

Einige Betroffene reagieren auch gut auf eine Biofeedback-Therapie, die Effekte in Studien sind bisher jedoch noch nicht ausreichend gut belegt. Mithilfe von Sensoren werden Körperfunktionen wie Pulsfrequenz, Hautleitwert oder Muskelspannung, die normalerweise nicht bewusst wahrgenommen werden, registriert und auf einem Bildschirm sichtbar oder über Töne und Klänge hörbar gemacht: Mithilfe dieser audio-visuellen Rückmeldung (Feedback) lernen die Patienten ihre Körperfunktionen bewusst wahrzunehmen und auch selbst zu beeinflussen.

Biofeedback findet zum Beispiel Anwendung in der Schmerztherapie, als unterstützendes Verfahren im Rahmen einer Psychotherapie oder in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Es ist nicht empfehlenswert bei schweren Depressionen oder Zwangsneurosen.

Quelle: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 13.12.2010
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