Multiple Sklerose - MS - Therapie

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Hier finden Sie alles zum Thema.


Therapie

Da die Ursachen einer Multiplen Sklerose bisher nicht vollständig geklärt sind, gibt es auch noch keine ursächliche, heilende Therapie. Wenngleich MS nicht heilbar ist, ist sie doch gut behandelbar!

Die Therapie der Multiplen Sklerose setzt ein insgesamt sehr komplexes Vorgehen voraus. Die Therapie jedes einzelnen Patienten mit MS ist so individuell wie der gesamte Krankheitsverlauf und stellt fortwährend eine Herausforderung für Patienten und Ärzte dar. Im Rahmen des medizinischen Fortschrittes gibt es immer wieder die Notwendigkeit aufgrund neuer und erfolgreicher Therapien oder neuer Expertenmeinungen Anpassungen und Veränderungen vorzunehmen. Grundlegend für die Therapie sind aus diesem Grund Therapieempfehlungen von Expertengremien, die regelmäßig aktualisiert und überarbeitet werden.

Neben der Schubbehandlung gibt es die den Verlauf günstig beeinflussende immunmodulatorische Therapie und nicht zuletzt verschiedene symptomatische Therapien.


Schub-Therapie

Als Standardtherapie des akuten MS-Schubes gilt bevorzugt die intravenöse Verabreichung von hoch dosiertem Cortison (500-1000 mg über 3-5 Tage) mit dem Ziel, einen Schub mit den beeinträchtigenden Symptomen schneller zum Abklingen zu bringen.
Je nach Schubsymptomatik kann z.B. auch eine Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie hilfreich sein.

Wenn die Schubsymptomatik anhält, kann nach 14 Tagen eine zweite Cortisongabe erwogen werden (so genannte Eskalationstherapie des akuten Schubes - dann mit 2000 mg über 5 Tage).

Bei einem klinisch schweren Schub, der nicht ausreichend auf die zweimalige Cortison-Gaben anspricht, kann eine zusätzliche Behandlung mit Plasmapherese (Blutwäsche) in Erwägung gezogen werden.


Verlaufsbeeinflussende Therapie der schubförmigen MS (auch Basistherapie oder immunmodulatorische Therapie)

Für die verlaufsbeeinflussende Therapie der MS beim schubförmigen Verlauf sind in Deutschland folgende Präparate zugelassen:


  • Interferon-beta-Präparate
  • Glatiramerazetat
  • Azathioprin: nicht Mittel der ersten Wahl, sondern Reservepräparat in der Basistherapie, bei Unverträglichkeit von Interferon beta oder Glatirameracetat bzw. Ablehnung von Spritzen
  • Intravenöse Immunglobuline (IVIg): bislang keine Zulassung für die MS, können als Alternative in der Behandlung der schubförmigen MS bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen für die o.g. zugelassenen Präparate eingesetzt werden.
  • Natalizumab: bei hoch aktiver schubförmiger MS zugelassen, nicht in Kombination mit anderen Immunmodulatoren
  • Mitoxantron: bei rasch progredienter schubförmiger MS und sekundär chronisch-progedineter MS zugelassen bei Versagen oder Unverträglichkeit einer Vortherapie mit Immunmodulatoren.


Die immunmodulatorische Therapie sollte mit einem Interferon-beta-Präparat oder Glatiramerazetat begonnen werden, möglichst frühzeitig nach der Diagnosestellung einer schubförmigen MS und aktivem Verlauf. In Abhängigkeit von der individuellen Situation des Patienten (z.B. Gegenanzeigen oder ablehnende Haltung gegenüber regelmäßigen Spritzen) kommen weitere Substanzen, wie IVIg oder Azathioprin, für die Basistherapie in Frage.

Bei hoher Schubaktivität oder raschem Forschreiten ist eine so genannte Eskalation der Therapie durch Umstellung auf die Wirkstoffe Natalizumab oder Mitoxantron, ggf. auch auf Cyclophosphamid möglich.

Bei einer sekundär-progredienten MS ist der Behandlungserfolg mit einem Interferon-beta-Präparat wahrscheinlicher, wenn Schübe auftreten oder sich im MRT entzündliche Krankheitsaktivität zeigt. Bei raschem Voranschreiten sollte nach Rücksprache mit einem MS-Zentrum die Therapie mit Mitoxantron erwogen werden.

Bei der primär-progredienten Verlaufsform ist bisher keine gesicherte immunmodulatorische Therapie bekannt. Hierbei steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund.


Symptomatische Therapien

Neben der immunmodulatorischen Therapie spielt die Behandlung von Symptomen eine wichtige Rolle im Therapiekonzept. Krankheitszeichen wie Spastik, Blasenstörung oder auch Schmerzen und Gefühlsstörungen können gezielt medikamentös und/oder physiotherapeutisch behandelt werden. Krankengymnastik gehört zur Basisversorgung von MS-Patienten mit Gehbehinderung oder Koordinationsstörungen. Verschiedene, fächerübergreifende Rehabilitationsverfahren können die Mobilität verbessern und Behinderung vermindern.
Seit kurzem liegt eine evidenzbasierte Empfehlung der internationalen Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe (MSTKG) zur Behandlung wichtiger und häufiger Symptome vor.

Quelle: Springer Medizin
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