Lymphödem - Therapie

Beim Lymphödem handelt es sich um eine unter der Hautschicht gelegene Weichteilschwellung. Hier finden Sie alles zum Thema.


Therapie

Die Behandlung des Lymphödems verfolgt zwei Ziele: Die Verringerung der lymphpflichtigen Flüssigkeitsmenge im Gewebe und die Erhöhung der Transportkapazität in den Lymphgefäßen. Man unterscheidet hierbei Basismaßnahmen von der komplexen physikalischen Entstauungstherapie.

Basismaßnahmen

Zu den Basismaßnahmen bei der Behandlung des Lymphödems gehören:

  • tägliche gymnastische Übungen, die den Rücktransport der Lymphflüssigkeit durch Muskelkontraktionen unterstützen. Solche Übungen können unter krankengymnastischer Anleitung erlernt und dann selbstständig zuhause ausgeführt werden.
  • eine Hautpflege, die ein Rissigwerden und damit eine erhöhte Infektionsgefahr der gespannten Haut verhindern soll
  • das Vermeiden von enger Kleidung, die zur Abschnürung der Lymphabflusswege führen kann
  • das Vermeiden aller physikalischen Einwirkungen, die zu einer vermehrten Hautdurchblutung und damit einer möglichen Zunahme der Gewebeflüssigkeit führen. Solches sind unter anderem direkte Sonnenbestrahlung, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Alkoholumschläge.
  • das Tragen von Kompressionsstrümpfen bei Beinlymphödemen oder entsprechenden Ärmeln bei Lymphödemen der Arme. Die Kompression bewirkt, dass sich weniger Flüssigkeit zwischen den Zellen des Unterhautgewebes ansammeln kann. Die Kompressionsklasse, also das Maß für die Elastizität der Strümpfe richtet sich nach dem Stadium des Lymphödems. Je weiter dieses fortgeschritten ist, um so straffer müssen die Strümpfe sitzen.
Die komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie ist derzeitiger Standard in der Behandlung von Lymphödemen. Sie besteht aus der kombinierten Anwendung von:

  • manueller (von Hand ausgeführter) Lymphdrainagen-Massage durch einen entsprechend ausgebildeten Krankengymnasten oder Physiotherapeuten
  • Anlage eines Kompressionsverbandes im Anschluss an die Massage
  • intermittierender (unterbrochener) maschineller Kompressionsbehandlung mittels Druckgeräten und Mehrkammermanschetten. Diese Behandlung sollte erst vier Wochen nach Beginn der manuellen Lymphdrainage-Massage begonnen werden.
Die manuelle Lymphdrainagen-Massage sollte zum Beispiel nach Brustamputation möglichst frühzeitig einsetzen, um gute und langfristige Erfolge zu erzielen. Eine bereits begonnene Chemotherapie kann fortgeführt werden und geht nicht mit dem Risiko einer Verschleppung von Tumorzellen einher.

Gegenanzeigen zur manuellen Lymphdrainage

Die manuelle Lymphdrainagen-Behandlung darf nicht durchgeführt werden, wenn folgende Erkrankungen vorliegen:

  • frische Thrombosen
  • eine reduzierte Gewebedurchblutung bei arterieller Verschlusskrankheit
  • eine Herzmuskelschwäche
  • Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren in den Lymphknoten der betroffenen Region
Durchführung der komplexen Entstauungstherapie

Ziel der manuellen Lymphdrainagen-Massage ist die Entschwellung des Gewebes über die Anregung des Lymphtransportes und die Neubildung von kleinen Lymphgefäßen. Auch wenn die Lymphschwellung die Beine betrifft, sollte die Massage immer an den Halspartien beginnen, hier münden die großen Lymphsammelgefäße in die Schlüsselbeinvenen ein. Anschließend wird die Massage in die Richtung des Rumpfes ausgedehnt, da die erhöhte Lymphlast aus den Gliedmaßen von diesen Körperregionen aufgenommen werden muss. Daher müssen zunächst die Abflusswege im Bereich des Körperrumpfes freigemacht werden.

In der ersten Phase der komplexen Entstauungstherapie, die eine Dauer von etwa 25 Tagen in Anspruch nehmen sollte, werden ein- bis zweimal täglich manuelle Lymphdrainagen-Behandlungen durchgeführt und täglich Kompressionsbandagen (Kurzzugsbinden) angelegt. Zehen und Finger sollten in den Verband miteinbezogen werden. Eine gute Polsterung der Bandagen ist notwendig. Der Bandagendruck ist so zu wählen, dass keine Schmerzen entstehen und Blauverfärbungen der Gliedmaßen vermieden werden.

Die zweite Phase der komplexen Entstauungstherapie hat die Erhaltung der Behandlungserfolge der Phase I zum Ziel. Hierzu sollte die manuelle Lymphdrainagen-Behandlung zwei- bis dreimal wöchentlich durchgeführt werden. Zusätzlich ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen (mindestens Klasse II) wichtig. In dieser Phase der Behandlung ist alternativ auch die maschinell durchgeführte intermittierende Kompressionsbehandlung mit Druckmanschetten möglich. Solche Manschetten werden am Arm oder Bein angelegt und maschinell aufgeblasen. Sie enthalten mehrere Luftkammern, die abwechselnd gefüllt und entleert werden und so eine Massage von der Körperperipherie in Richtung Rumpf bewirken.

Die Verabreichung von entwässernden Medikamenten zur Flüssigkeitsausschwemmung sollte bei Vorliegen eines Lymphödems unbedingt vermieden werden. Entwässernde Medikamente führen zu einer Erhöhung der Eiweißkonzentration im Gewebe und damit zu einer Zunahme der Schwellung. Beim gleichzeitigen Vorliegen einer Herzschwäche muss diese vorrangig behandelt werden. In diesem Fall müssen entwässernde Mittel gegeben werden, auch unter Inkaufnahme der Verschlechterung des Lymphödems.

Behandlung von Komplikationen

Sollte ein Erysipel (Wundrose), also eine flächenhafte Entzündung der Haut durch Streptokokken als Komplikation des Lymphödems auftreten, so ist die Behandlung mit Antibiotika unumgänglich. Die Wundrose ist die häufigste Komplikation des Lymphödems.

Eine Wundrose macht sich durch eine Zunahme der Schwellung mit Fieber, Schüttelfost und Schmerzen bemerkbar. Wenn Sie diese Krankheitszeichen bemerken, suchen Sie bitte sofort Ihren Arzt auf.

Medikamentöse Behandlung

Es gibt keine Medikamente, mit denen ein Lymphödem gebessert werden kann. Lediglich in den Fällen, in denen das Lymphödem Folge einer Parasiteninfektion (zum Beispiel durch Fadenwürmer aus tropischen Gewässern) ist, kann durch Gabe entsprechender parasitentötender Gegenmittel das Fortschreiten des Lymphödems gestoppt werden.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Operative Maßnahmen wie eine Lymphgefäßtransplantation sollten nur dann angewendet werden, wenn das Lymphödem weiter fortschreitet und sich durch die komplexe Entstauungstherapie nicht beeinflussen lässt. Es gibt nur wenige spezialisierte Zentren, die über die operative Technik einer Lymphgefäßtransplantation verfügen. Eine Einsatzmöglichkeit für solche eine Transplantation besteht beim angeborenen Lymphödem eines Beines, bei dem die Lymphbahnen des Beckens von Geburt an nicht ausgebildet sind.

Quelle: Springer Medizin
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