Beinvenenthrombose - Therapie
Therapie
Die Behandlung der tiefen Venenthrombose besteht aus allgemeinen und speziellen Behandlungsmaßnahmen wie der Hemmung der Blutgerinnung, der medikamentösen Auflösung von Blutgerinnseln oder deren operativen Beseitigung.
Behandlungsziel bei tiefer Gliedmaßenvenenthrombose ist die Vermeidung der Lungenembolie und die Verhinderung der weiteren Thromboseausbreitung als Akutkomplikationen. Zusätzliches Ziel ist die Verhinderung der Spätkomplikation des chronischen Venenstaus.
Allgemeinmaßnahmen
Die Anordnung von Bettruhe bei akuter tiefer Beinvenenthrombose wird zur Zeit von den Gefäßspezialisten kontrovers diskutiert. Einigkeit scheint aber darin zu bestehen, dass Blutgerinnsel, die von Blut umflossen sind und sich in der Blutstrombahn hin- und herbewegen, mit Bettruhe behandelt werden. Auch Thrombosen in den Becken-, Oberschenkel- sowie Kniekehlenvenen werden zur Zeit mehrheitlich mit Bettruhe behandelt. Im Falle einer Unterschenkelvenen- oder Armvenenthrombose ist die Bettruhe nur dann erforderlich, wenn das Blutgerinnsel von Blut umflossen ist und sich im Blutstrom hin- und herbewegt.
Bei tiefer Gliedmaßenvenenthrombose sollte unbedingt ein Kompressionsverband angelegt werden und das Blut mittels Heparin verdünnt werden. Dies ist in jedem Fall die Standardtherapie, die gegebenenfalls durch weitere Maßnahmen ergänzt wird.
Hemmung der Blutgerinnung
Heparin
Wird vom erstbehandelnden Arzt eine akute tiefe Thrombose der Gliedmaßenvenen festgestellt, so erfolgt üblicherweise die Verabreichung von 5.000 Einheiten Heparin mittels Spritze in die Ellenbeugenvene. Zusätzlich werden 5.000 Einheiten Heparin mit einer Spritze unter die Haut verabreicht. Diese Maßnahmen sind notwendig, um ein Weiterfortschreiten der Thrombose zu verhindern und der möglichen Verschleppung des Blutgerinnsels in die Lungenstrombahn (Lungenembolie) vorzubeugen.
Entscheidet man sich in der aufnehmenden Klinik weder zu einem medikamentösen Auflösen des Blutgerinnsels noch zu einer Operation, so ist auf jeden Fall die weitere Gabe von Heparin notwendig. Diese kann entweder über eine Spritzenpumpe oder durch zwei- bis dreimal tägliche Injektion unter die Haut erfolgen. Zu welcher Art der Behandlung sich der Arzt entscheidet, ist abhängig von dem Ort und dem Ausmaß der Thrombose. Wichtig für die Entscheidung ist auch, ob das Blutgerinnsel die Vene komplett oder nur teilweise verschließt.
Heute stehen zur Heparinbehandlung zwei Arten von Heparin zur Verfügung, das herkömmliche, konventionelle hochmolekulare Heparin und das niedermolekulare Heparin. Das niedermolekulare Heparin wird auch fraktioniertes Heparin genannt. Das hochmolekulare Heparin wird auch unfraktioniertes Heparin genannt. Vorteil des niedermolekularen Heparins ist, dass es länger wirksam ist als das unfraktionierte Heparin. Hinsichtlich des Auflösens eines Blutgerinnsels erscheint das niedermolekulare Heparin wirkungsvoller.
Die Heparinbehandlung dauert durchschnittlich acht bis 14 Tage an. Dann erfolgt eine überlappende Behandlung mit dem blutgerinnungshemmenden Medikament Marcumar, das in Tablettenform verabreicht wird.
Heparine können über eine Absenkung der Blutplättchenzahl zu einer paradoxen Nebenwirkung im Sinne einer überschießender Gerinnungsbildung in Venen und Arterien führen (HIT II-Syndrom). Diese gefährliche Komplikation ist zwar sehr selten, dennoch sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blutplättchenzahl durch eine Blutabnahme vor Heparingabe und dann anschließend zwei täglich während der ersten zwei Wochen bestimmt wird. Dann reicht die einmalige Blutplättchenbestimmung pro Woche aus. Die gefährliche Komplikation des HIT II unter Heparin-Behandlung besteht zwei bis drei Wochen nach Behandlungsbeginn.
Marcumar
Marcumar ist ein Medikament, das in Tablettenform eingenommen wird und diejenigen Gerinnungsfaktoren hemmt, die in der Leber gebildet werden. Es führt somit zu einer Blutverdünnung. Die Wirkung der Marcumar-Behandlung muss in regelmäßigen Abständen entweder vom Hausarzt oder durch Eigenmessung kontrolliert werden. Mittels einer Blutprobe, die aus der Vene entnommen wird, misst der Arzt den Quick- oder INR-Wert.
Zur Behandlung der tiefen Venenthrombose in der Akutphase ist Marcumar nicht geeignet, da der Wirkungseintritt langsam ist.
Spezielle Behandlungsmaßnahmen
Weitere Therapiemöglichkeiten bei akuter tiefer Venenthrombose sind abhängig von dem Alter des Venenverschlusses. Ist die Thrombose nicht älter als drei Tage, so kommt die chirurgische Entfernung oder das medikamentöse Auflösen des Blutgerinnsels in Frage.
Medikamentöse Auflösung von Blutgerinnseln in Venen (Lysetherapie)
Das Prinzip der Lysetherapie besteht darin, durch Substanzen wie Streptokinase und Urokinase, die durch eine Armvene über einen begrenzten Zeitraum hinweg gegeben werden, das Blutgerinnsel aufzulösen. Nebenwirkung dieser Behandlung ist die Ungerinnbarkeit des Blutes für die Dauer der Verabreichung beider Substanzen mit der erhöhten Blutungsgefahr.
Chirurgische Behandlung
Die chirurgische Entfernung von Blutgerinnseln aus Gliedmaßenvenen (venöse Thrombektomie) wird in Vollnarkose durchgeführt. Die Operation ist gut geeignet bei Beckenvenenthrombosen, nicht jedoch bei Ober- und Unterschenkelvenenthrombosen.
Die Nachbehandlung nach venöser Thrombektomie sollte zunächst aus der intravenösen kontinuierlichen Gabe von Heparin bestehen. Ab dem dritten bis sechsten postoperativen Tag kann dann die überlappende Blutgerinnungshemmung mittels Tabletten (Marcumar) erfolgen, wobei der Quick-Wert zwischen 50 und 25 liegen sollte. Zusätzlich sollte die betroffene Gliedmaße mit einem Kompressionsverband oder Kompressionsstrümpfen der Kompressionsklasse II versorgt werden.
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