Alzheimer-Demenz / Morbus Alzheimer - Therapie

Die Alzheimer-Krankheit ist eine chronische, langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen in ihrer Funktion gestört sind.


Therapie

Die Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Krankheit haben sich in den letzten Jahren verbessert. Mit den sogenannten Acetylcholinesterase-Hemmern und dem Wirkstoff Memantin stehen heute Medikamente zur Verfügung, die die geistigen Fähigkeiten und Alltagsbewältigung der Betroffenen zumindest für mehrere Monate stabilisieren oder sogar verbessern können, wenn rechtzeitig mit der Therapie begonnen wird. Auch Begleitsymptome wie Angst, Depression, Aggressivität oder Unruhe werden durch diese Behandlung verbessert.

Wie bei anderen chronisch degenerativen Erkrankungen ist bereits das zeitweise Bremsen oder Stoppen des Fortschreitens der Erkrankung als Erfolg zu werten.

Alzheimer kann heute noch nicht geheilt werden. Eine ursachenbezogene Therapie der Alzheimer-Krankheit ist bislang noch nicht möglich. Die Therapie der Demenz erfordert daher einen umfassenden, ganzheitlichen Behandlungsansatz, mit Einsatz von medikamentösen und auch nichtmedikamentösen Therapien. Heute versteht man immer besser, wie die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen gefördert und möglichst lange erhalten werden können. Auch die Betreuung der Angehörigen, die oft einer großen Belastung ausgesetzt sind, ist mittlerweile fester Bestandteil der Behandlung.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Für Demenzkranke sind Verlässlichkeit und Stabilität der Umwelt von großer Bedeutung. Die begleitenden Behandlungsmaßnahmen müssen unbedingt die begrenzten Bewältigungsmöglichkeiten der Demenzpatienten berücksichtigen, sie weder unter-, noch überfordern.

Begleitende Maßnahmen können beispielsweise sein:

  • Bewegungstherapie
  • Tagesstrukturierung
  • Aktivierung
  • Kognitives Training
  • Realitätsorientierung
  • Musiktherapie
  • Sogenanntes Snoezelen (Stimulation der Sinne) mit individualisierten biografiebezogenen Stimuli
  • Soziotherapie (Betreuung und Pflege)
  • Psychiatrische und/oder psychologische Therapie

Medikamentöse Behandlung

Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin richten sich direkt gegen die Demenz, also gegen den Abfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus können sie eingeschränkte Alltagsfunktionen verbessern und Verhaltensveränderungen wie Depressionen, Angst, Aggressivität und Wahnvorstellungen, die häufig bei Alzheimer-Patienten im Lauf der Erkrankung auftreten, verringern oder sogar vermeiden. Es gibt auch Hinweise, dass sie die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessern und die Einweisung in ein Pflegeheim verzögern können. Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer Demenz gelten die Acetylcholinesterasehemmer heute als Mittel der Wahl, ihr Einsatz wird von allen Fachgesellschaften empfohlen. In mittelschweren bis fortgeschrittenen Erkrankungsstadien wird Memantin eingesetzt.

Zur Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Antioxidantien, Vitaminen wie Vitamin B12 oder zur Behandlung mit Hormonen liegen derzeit widersprüchliche Erkenntnisse vor. Sie werden deshalb gegenwärtig nicht empfohlen. Auch der Einsatz von Ginkgo wird widersprüchlich diskutiert. So bewerten die deutschen Fachgesellschaften in ihrer aktuellen Leitlinie zur Behandlung der Demenzen die Datenlage zu ginkgohaltigen Präparaten als nicht überzeugend. Sie werden daher nicht empfohlen. Zudem gibt es Hinweise für eine erhöhte Blutungsneigung, z.B. bei der gleichzeitigen Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS).

Medikamentöse Begleittherapie
Alzheimer-Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Demenz eine Reihe von Begleitsymptomen, wie Depressionen, Schlafstörungen, Unruhe, Angstzustände, Aggressivität und Wahnvorstellungen. Diese Begleitsymptome bedürfen ebenso der Behandlung wie die eigentliche Demenz.

Bei der Therapie von Begleitsymptomen der Alzheimer-Demenz sollte zunächst auf nicht-medikamentöse Maßnahmen zurückgegriffen werden. Oft lässt sich auf diesem Wege bereits eine deutliche Besserung der Beschwerden erzielen. Reichen die Maßnahmen nicht aus, sollten Medikamente eingesetzt werden. Auch die Therapie mit Antidementiva wie den Acetylcholinesterase-Hemmern oder Memantin kann die Begleitsymptome verbessern.

Reicht diese Behandlung nicht aus, können zur Behandlung der depressiven Symptome Antidepressiva eingesetzt werden, wie die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Trizyklische („klassische“) Antidepressiva sollten dagegen möglichst vermieden werden da sie die Gedächtnisprobleme der Betroffenen noch zusätzlich verstärken können.

Bei Unruhe, Angst und Wahnvorstellungen können kurzfristig sogenannte atypische Neuroleptika eingesetzt werden. Allerdings können auch diese Medikamente Nebenwirkungen haben, beispielsweise ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Wegen der schnellen Veränderungen, denen die Symptome unterliegen können, wird empfohlen, ihr Fortbestehen in wöchentlichem Abstand zu überprüfen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Quelle: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 15.11.2010
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