Leukämie, akut myeloisch - AML - Therapie
Therapie
Die wesentliche Maßnahme in der Behandlung der akuten myeloischen Leukämie ist die Chemotherapie mit verschiedenen Substanzen, die in mehreren Phasen (Zyklen) verabreicht werden.
Die akute myeloische Leukämie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Wird sie festgestellt, sollte umgehend mit der Behandlung begonnen werden.
Da die Behandlung mit einer (weiteren) Schwächung des Immunsystemsund der noch verbliebenen normalen Knochenmarkfunktion einhergehen wird, müssen zuvor mögliche Entzündungsherde aufgespürt und behandelt werden. Dies gilt insbesondere für die Schleimhautbereiche der Mundhöhle und der Nasennebenhöhlen, die Zähne, die Lunge sowie die Genitalorgane und den Darmausgang.
Chemotherapie
Die Chemotherapie in der Behandlung von Leukämie- und Krebserkrankungen zielt darauf ab, Zellen mit unkontrollierter Teilungstendenz, wie dies Leukämiezellen sind, abzutöten, sie in ihrer Vermehrung zu bremsen oder zu stoppen. Die Chemotherapie zerstört niemals nur die bösartigen Zellen, immer wird auch dosisabhängig die Erneuerung gesunder Zellen behindert. Dies betrifft vor allem die Körperzellen, die sich besonders schnell erneuern, besonders im Bereich der Haarwurzeln, der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts sowie des Knochenmarks. Das Knochenmark ist Bildungsort der Blutkörperchen und Abwehrzellen des Immunsystems. Die Aufrechterhaltung dieser lebenswichtigen Zellneubildung begrenzt damit das Ausmaß des Einsatzes von Chemotherapie-Medikamenten in der Standarddosierung. Mit der Stammzelltransplantation können wesentlich höhere Dosierungen verwendet werden, weil die gestörte Produktion von Blutkörperchen im Knochenmark wieder ausgeglichen werden kann.
Meistens kommt eine Kombination aus mehreren Medikamenten zur Anwendung, man spricht dann von einer Polychemotherapie.
Ziel der Chemotherapiebehandlung ist die so genannte Vollremission. Eine Vollremission liegt dann vor, wenn der Anteil der Blasten (der unreifen weißen Blutkörperchen) an der Gesamtzellzahl im Knochenmark unter fünf Prozent beträgt und somit nicht mehr von der normalen Blastenanzahl unterschieden werden kann. Solch eine Remission ist jedoch nicht mit einer Heilung gleichzusetzen, da Leukämiezellen überleben können, die sich weiter vermehren und nach einiger Zeit zu einem erneuten Krankheitsschub führen, man nennt diesen Rezidiv. Aus diesem Grund muss die Chemotherapie auch nach Erreichen der Remission fortgesetzt oder wiederholt werden. Meist werden die Medikamente in bestimmten Phasen (Zyklen) in großen Dosen verabreicht, zwischen den Zyklen werden immer wieder Erholungsphasen eingelegt. Obwohl von manchen Kliniken noch empfohlen, ist eine Erhaltungstherapie, in der nur eine geringe Medikamentendosis zum Einsatz kommt, nicht effektiv. Viele Leukämiespezialisten haben diese Behandlung daher verlassen und wenden vier bis sechs Behandlungszyklen über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten an.
Die Verabreichung der chemotherapeutischen Medikamente erfolgt hauptsächlich auf folgendem Weg: Die Patienten erhalten zu Beginn der Behandlung einen zentralen Venenkatheter. Dies ist ein feiner Schlauch, der in Narkose oder örtlicher Betäubung in eine große Halsvene eingeführt wird und von dort aus bis in den rechten Vorhof des Herzens reicht (deshalb "zentral"). Solch ein Katheter hat den Vorteil, dass über ihn auch große Mengen von Medikamenten, Infusionslösungen oder Bluttransfusionen zugeführt werden können, ohne dass dafür jedes Mal in eine Vene gestochen werden muss. Außerdem ermöglicht er Blutentnahmen für Laboruntersuchungen ebenfalls ohne Einstiche.
Stammzelltransplantation
Die Stammzelltransplantation wird seit etwa 30 Jahren zunehmend in der Leukämie- und Krebsbehandlung eingesetzt und hat vor allem bei der Leukämiebehandlung die Heilungschancen deutlich verbessert. Zur Abtötung der bösartigen Zellen wird der Patient einer Ganzkörperbestrahlung und/oder einer sehr hoch dosierten Chemotherapie unterzogen. Anschließend erhält er gespendete, gesunde Stammzellen und kann so von der Leukämie geheilt werden. Ein zusätzlicher gewünschter Behandlungseffekt besteht darin, dass sich die übertragenen Abwehrzellen aus den Spenderstammzellen gezielt gegen noch verbliebene Leukämiezellen des Empfängers richten und diese vernichten können. Dieser Immuneffektist eine so genannte zelluläre Immuntherapie, die Fachleute sprechenvon einem "Graft versus Leukemia Effect (GvL)", der zur Behandlung ausgenützt wird.
Bestrahlung
Grundsätzlich sind die unreifen Blutzellen, die bei der Leukämie gebildet werden, durchaus strahlenempfindlich. Die Schwierigkeit einer Bestrahlungsbehandlung liegt jedoch darin, dass diese Zellen sich ja nicht, wie bei einer einzelnen Krebsgeschwulst, an einer Körperstelle, sondern an jedem Ort des Körpers befinden können. Eine Bestrahlung kommt deshalb nur unter folgenden Voraussetzungen zum Einsatz:
- Zur Behandlung größerer Leukämiezellabsiedlungen an den Hirnhäuten kann der Schädel bestrahlt werden. Dies ist erforderlich, weil die intravenös verabreichten Zytostatika dort nicht ausreichend wirken.
- Der gesamte Körper wird mit Strahlendosen behandelt, die das Knochenmark, Immunsystem und bösartige Zellen unterdrücken. Die Dosis ist wegen der Nebenwirkungen auf Lunge und Magen-Darm-Trakt auf zwölf Gray (Maßeinheit für Strahlendosen) limitiert. Dies führt unweigerlich zu einer völligen Zerstörung sämtlicher Knochenmarkzellen (Stammzellen) und ist nur dann möglich, wenn sofort nach der Bestrahlung gesunde Stammzellen zur Transplantation zur Verfügung stehen.
Sowohl die Leukämie selbst als auch die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie machen eine Reihe von begleitenden Behandlungsmaßnahmen erforderlich:
- Infektionen, die durch den Mangel an reifen Abwehrzellen (Granulozyten) häufig auftreten, müssen gezielt mit Antibiotika behandelt werden, wenn es gelingt, den Erreger zu identifizieren. Gezielt bedeutet, dass die jeweiligen Krankheitserreger durch Abstriche von Entzündungssekreten oder Blutkulturen mikrobiologisch ermittelt und ihre jeweilige Empfindlichkeit auf verschiedene Antibiotika festgestellt werden muss. Auch Fieber allein ohne weitere Entzündungszeichen in der Phase ohne Granulozyten spricht für eine bakterielle Infektion, so dass auch dann eine sofortige antibiotische Behandlung nötig ist.
- Es ist heute Standard, mit Wachstumsfaktoren der Blutbildung (G-CSF oder GM-CSF) die Neubildung der weißen Blutkörperchen nach der Chemotherapie zu beschleunigen, um so die Dauer des Krankenhausaufenthaltes zu verkürzen. Die frühere Vermutung, dass dadurch die Zellen der akuten myeloischen Leukämie im Körper zu neuer Vermehrung angeregt werden, hat sich nicht bestätigt.
- Die Übelkeit, die teilweise durch die Medikamente, aber auch durch leukämiebedingte Schleimhautgeschwüre verursacht wird, kann durch wirksame Medikamente in erträglichen Grenzen gehalten werden.
- Geschwüre, also schlecht heilende Hautdefekte der Mundschleimhaut oder auch im Genitalbereich, werden durch Spülen oder Bestreichen mit entzündungshemmenden Lösungen behandelt.
- Gegen die Schmerzen, die durch Absiedlungen großer Mengen von Leukämiezellen oder aber auch durch Blutungen im Bereich der Knochenhaut entstehen, können wirksame Schmerzmittel verabreicht werden.
- Durch Bluttransfusionen (Gabe von Spenderblut) kann ein Mangel an roten Blutkörperchen oder auch Blutplättchen ausgeglichen werden.
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