Bauchaortenerweiterung - Aortenaneurysma - Therapie

Aortenaneurysmen sind Erweiterungen der Hauptschlagader (Aorta) über eine begrenzte Gefäßstrecke.


Therapie

Je nachdem wie hoch die Gefahr eingeschätzt wird, die für das Leben des Patienten von der Aortenerweiterung ausgeht, wird dieser Gefäßschaden unterschiedlich behandelt: Entweder wird der Patient operiert oder es werden primär die begleitenden Risikofaktoren behandelt.

Bei der Operation einer Bauchaortenerweiterung werden die schadhaften Gefäßwandteile durch eine Gefäßprothese aus synthetischem Material ersetzt. In besonderen Fällen ist auch die Einlage einer Gefäßstütze (Stent) möglich. Im Mittelpunkt der konservativen (abwartenden) Behandlung steht dagegen die Senkung des arteriellen Bluthochdrucks sowie die Verringerung anderer Risikofaktoren. Hierzu gehört der Verzicht auf das Rauchen sowie die konsequente Senkung erhöhter Blutfett- und Blutzuckerwerte.

Die Hauptgefahren eines Bauchaortenaneurysmas sind das Zerreißen der Gefäßwand, welches durch inneres Verbluten zum Tode führen kann, und der Verschluss von abzweigenden Organarterien. Bei einem solchen Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Embolie) werden die Organe, die sonst von der Arterie mit Blut versorgt werden, durch den plötzlichen Sauerstoffverlust geschädigt (Infarkt). Wenn sich kleinere Gerinnselteile lösen und mit dem Blutstrom mitgeführt werden, können diese auch in den Beinen zu Gefäßverschlüssen führen.

Diese Gefahren müssen denen gegenübergestellt werden, die für den Patienten durch die Operation entstehen. Das Risiko, bei der Operation eines Bauchaortenaneurysmas zu sterben, ist relativ hoch: Macht sich die Gefäßerweiterung noch nicht durch Symptome bemerkbar, beträgt das Risiko 1,6-4,8%, sind bereits typische Krankheitszeichen aufgetreten ist es mit 4,2-15% noch höher.

Um die Gefährlichkeit eines Bauchaortenaneurysmas abzuschätzen, müssen folgende Fragen geklärt werden:

  • Wie groß ist der Durchmesser des Aneurysmas? Aneurysmen mit einem Durchmesser von mehr als 5,5 Zentimeter sollten operiert werden, auch wenn der Patient keine Beschwerden hat.
  • Verursacht das Aneurysma Krankheitszeichen?
  • Vergrößert sich die Erweiterung im Laufe der Zeit? Ist die Wachstumstendenz schnell oder langsam? Als Grenzwert wurde hier eine Zunahme des Gefäßdurchmessers von mehr als 5 Millimetern innerhalb von 6 Monaten festgesetzt.
  • Liegen Blutgerinnsel in der Gefäßerweiterung vor, die das Innere des Gefäßes konzentrisch (kreisförmig) oder exzentrisch (halbmondförmig) ausfüllen?
  • Bestehen begleitende Erkrankungen des Herzens (Herzinfarkt, Herzklappenfehler)?
  • Bestehen Komplikationen (Spaltung der Arterienwand, Infektionen, gedeckter Einriss der Aortenwand)?

Hat der Patient keine Beschwerden und bestehen keine Komplikationen der Erweiterung, so wird man zunächst abwarten und mögliche Risikofaktoren mit Medikamenten behandeln. Ebenso wird man sich verhalten, wenn von dem Aneurysma zwar eine Gefahr ausgeht, diese aber für den Patienten geringer ist als sein persönliches Operationsrisiko. Auch wenn Begleiterkrankungen wie etwa ein vorangegangener Herzinfarkt, eine stark eingeschränkte Nieren- oder Hirnleistung oder auch eine bösartige Krebserkrankung bestehen, wird häufig auf eine Operation verzichtet. Entscheidet man sich für eine abwartende Haltung, so muss das Aneurysma alle 3-6 Monate mittels Ultraschall untersucht werden.

Handelt es sich um eine Erweiterung von über 5,5 Zentimeter, ist die Wachstumstendenz hoch, liegen Komplikationen vor oder aber ist der Blutdruck des Patienten sehr hoch und schwer zu kontrollieren, so wird man zu einer Operation des Aneurysmas raten. Dies wird man selbst dann tun, wenn der Patient keine Krankheitszeichen verspürt.

Die Einlage einer Gefäßstütze (Stent)

In der Behandlung des Bauchaortenaneurysmas gewinnt seit 1990 das Einbringen von Metallgittern, die als Stützprothesen (Stents oder Stentprothesen) dienen, zunehmend an Bedeutung.

In der Behandlung des Bauchaortenaneurysmas gewinnt seit 1990 das Einbringen von Metallgittern, die als Stützprothesen (Stents oder Stentprothesen) dienen, zunehmend an Bedeutung.

Diese Prothesen werden nach Öffnung der Leistenarterie mit einem Führungskatheter über die Beckenschlagader in die Erweiterung der Hauptschlagader vorgeschoben. Dort werden sie so entfaltet, dass sie die Funktion einer künstlichen Arterienwand innerhalb des ursprünglichen Gefäßes übernehmen. Eine große Operation, bei der der erweiterte Abschnitt der Bauchschlagader durch eine Gefäßprothese ersetzt wird, wird durch diese Behandlungsmethode unnötig.

Der Eingriff selbst wird in örtlicher Betäubung durch die Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und Röntgenärzten durchgeführt. Das Verfahren ist allerdings nur in besonderen Fällen einsetzbar.

Zur festen Verankerung der Stent-Prothese ist ein gesunder Aortenabschnitt unterhalb der Nierenarterien, gemessen von ihrem Abgang, von mindestens 15 Millimetern notwendig. Aus dem gleichen Grund sollte ein gesunder Aortenabschnitt von mindestens zehn Millimetern zwischen Arterienerweiterung und Abgang beider Beckenarterien bestehen.

Diese Voraussetzungen erfüllen bis zu 50% der Patienten mit Bauchaortenerweiterungen, die unterhalb der Nierenarterienabgänge gelegen sind. Da aber noch keine Langzeitergebnisse dieser Behandlungsmethode vorliegen, steht die operative Behandlung mit Einsatz einer Gefäßprothese immer noch an erster Stelle und die Stent-Einlage bleibt bislang Fällen vorbehalten, in denen eine Operation nicht möglich ist.

Medikamentöse Hemmung des Aneurysmawachstums

Ob man das Wachstum eines Aortenaneurysmas medikamentös beeinflussen kann, wird zur Zeit untersucht. Da immer wieder infektiöse (d.h. erregerbedingte) Ursachen der Arteriosklerose diskutiert werden, stellen Antibiotika einen möglichen Ansatzpunkt dar. In einer Studie mit 92 Patienten konnte die Einnahme des Antibiotikums Roxithromycin über 28 Tage das Aneurysmawachstum verlangsamen. Bei den Patienten, die das Antibiotikum erhalten hatten, wuchs das Aneurysma jährlich um 1,56 Millimeter, während es sich bei den Patienten, die nur ein Placebo eingenommen hatten, um 2,75 Millimeter pro Jahr vergrößerte. Weitere Studien und Langzeitergebnisse sind jedoch nötig, um aus diesen vorläufigen Ergebnissen neue Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Quelle: Springer Medizin
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