Harninkontinenz - Blasenschwäche - Urininkontinenz - Therapie
Therapie
Die Behandlung der verschiedenen Formen der Harninkontinenz ist wegen der unterschiedlichen Ursachen auch grundsätzlich verschieden. In Abhängigkeit von der Harninkontinenzform (Stressinkontinenz, Dranginkontinenz, Reflexinkontinenz, Überlaufinkontinenz) werden unterschiedliche ärztliche Therapien durchgeführt.
Behandlung der Stressinkontinenz
In Abhängigkeit von der Schwere der Stressinkontinenz wird ein streng abgestuftes ärztliches Behandlungsschema angewendet.
- Stressinkontinenz - Grad 1
Die leichten Formen (Grad 1: Abgang von Urin nur bei schwerer körperlicher Aktivität) werden zunächst mit Beckenbodengymnastik unter Anleitung erfahrener Physiotherapeuten behandelt. Zusätzlich kommt die elektrische Stimulation der Beckenbodenmuskeln zum Einsatz. Über Spezialelektroden, die entweder in die Scheide eingeführt werden (Tamponform) oder als Aufkleber auf den Damm angebracht werden, erfolgt eine Beübung des geschwächten Beckenbodens. - Stressinkontinenz - Grad 2
Kommt es bereits bei Aktivitäten des täglichen Lebens (Grad 2) zum Urinverlust, ist über eine Kombination der nicht operativen Therapie mit einer operativen Maßnahme nachzudenken - Streßinkontinenz - Grad 3
Der Urinverlust bereits in Ruhe, beim Sitzen und Liegen (Grad 3) zwingt zur operativen Behandlung. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden weit über 300 verschiedenen Verfahren zur operativen Behandlung der Stressinkontinenz der Frau veröffentlicht. An dieser Stelle sollen deshalb nur die drei prinzipiellen Grundformen der operativen Therapie, die sich in verschiedenen Abwandlungen immer wieder finden, dargestellt werden.
- Das erste Prinzip besteht in einer Anhebung und Befestigung der Blase und Harnröhre im Bereich der vorderen Bauchwand. Der Zugang erfolgt über einen Schnitt im Unterbauch.
- Die zweite Möglichkeit beinhaltet einen Wiederaufbau des Beckenbodens durch Unterpolsterung von Harnröhre und Blase über die Scheide. Hier erfolgt der operative Zugang über die Scheide. Eine äußerliche Narbe ist nach der Operation nicht sichtbar.
-Das dritte Verfahren, und zur Zeit in der wissenschaftlichen Presse favorisierte Verfahren besteht in einem kombinierten Vorgehen. Hierbei wird nach Unterpolsterung der Harnröhre über die Scheide eine Schlinge aus festem Bindegewebe um die Harnröhre gelegt und nach vorn zur Bauchwand gebracht. Die Befestigung vor den Bauchmuskeln ermöglicht neben dem Anheben auch eine sichere Verankerung. Aktuell geht man von einer Heilungsrate zwischen 60 und 80 Prozent nach 3 bis 5 Jahren aus. Die Ergebnisse für die beiden zuerst genannten Verfahren sind in großen Studien um 10 bis 20 Prozent schlechter.
Die sehr selten auftretende Streßinkontinenz des Mannes wird durch Physiotherapie behandelt. Bei Grad 3 ist die Implantation eines so genannten "künstlichen Schließmuskels" zu überlegen
Behandlung der Dranginkontinenz
Durch die Gabe von Medikamenten, welche die Blasenmuskulatur ruhig stellen (zum Beispiel Anticholinergika, Spasmolytika) ist eine Linderung und Heilung bei 70 bis 80 Prozent aller betroffenen Patienten möglich. Anticholinergika und Spasmolytika sind Medikamente, welche einen Einfluss auf das Nervensystem haben. Sie verändern die Funktion der Nerven, in dem sie die Weiterleitung von Nervenimpulsen beeinflussen (blockieren bestimmte Nervenrezeptoren). Zu erwähnen sind Nebenwirkungen, die in Abhängigkeit von den eingesetzten Präparaten in unterschiedlicher Intensität auftreten, wie Mundtrockenheit und - insbesondere in der Einstellungsphase - Anpassungsstörungen des Auges beim Wechsel von Nah- auf Fernsicht und umgekehrt. Da es Ausweichpräparate gibt, kann der behandelnde Arzt beim Auftreten von unakzeptablen Nebenwirkungen ein anderes Medikament verordnen.
Die Elektrostimulation des Beckenbodens ist eine nahezu nebenwirkungsfreie Alternativbehandlung, die jedoch eine hohe Motivation des Patienten und dessen Mitarbeit voraussetzt. Bei konsequenter Durchführung der Beckenbodenstimulation für täglich zweimal 30 Minuten kann in bis zu 60 Prozent ein Therapieerfolg erreicht werden. Dieser stellt sich in etwa nach drei bis sechs Monaten konsequenter Anwendung ein.
Behandlung der Reflexinkontinenz
Die Behandlung der Reflexinkontinenz gleicht vom Ansatz her der medikamentösen Behandlung der Dranginkontinenz. Als Folge der hohen Medikamentendosen können die Patienten die Harnblase nicht mehr selbst entleeren. Deshalb ist es erforderlich, den Urin über einen so genannten Katheter abzuleiten.
Behandlung der Überlaufinkontinenz
Die Überlaufinkontinenz bei männlichen Patienten macht eine vorübergehende Ableitung des Urins über einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) notwendig. Dieser Katheter kann über die Harnröhre oder die Bauchdecke den Urin ableiten. Die sich anschließende Operation der vergrößerten Prostata beseitigt die Ursache des Abflusshindernisses und damit die Überlaufinkontinenz.
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