Arthrose (Kniearthrose, Gonarthrose) - Therapie

Eine Kniearthrose ist eine Gelenkveränderung aufgrund von Verschleiß und Alterung (Degeneration). Hier finden Sie mehr zum Thema.


Therapie

Die Behandlung der Kniegelenksarthrose richtet sich nach dem Stadium und der Art der Arthrose. Sie besteht im Erlernen gelenkschonender Bewegungsabläufe, physikalischer Therapie, Medikamentengabe und verschiedenen Operationsmöglichkeiten.

Das Behandlungsziel bei der aktivierten Arthrose besteht immer darin, die Arthrose wieder zur Ruhe zu bringen. Bei der ruhenden Arthrose muss vorrangig versucht werden, die Beweglichkeit möglichst lange mit möglichst geringen Beschwerden zu erhalten.

Die einzelnen Stufen der Arthrosebehandlung sind:

  • gelenkfreundliche Änderung der Lebensgewohnheiten. Diese bestehen vor allem im Erlernen gelenkschonender Bewegungsabläufe und einem gewissem Maß von steter, gleichmäßiger Belastung, die eine optimale Ernährung des Gelenkknorpels fördert.
  • physikalische Behandlung (Wärme/Kälte, Schonung, Krankengymnastik, Massagen, Elektrotherapie, TENS, Ultraschalltherapie). Einen Teil dieser Methoden kann der Patient im Rahmen der Selbsthilfe zu Hause anwenden, andere werden von Krankengymnasten oder Physiotherapeuten durchgeführt.
  • schmerz- und entzündungslindernde Medikamente
  • Operationen

Elektrotherapie, Ultraschalltherapie

Beide Verfahren können den entzündlichen Erguss im Gelenk beschleunigt zur Resorption (Aufsaugen der Flüssigkeit über die Gelenkinnenhaut) bringen. Die Elektrotherapie verbessert die Durchblutung und damit den Abtransport von Stoffwechsel-Endprodukten und die Regeneration. Die Ultraschallwellen bewirken eine Mikromassage im Gelenk. Werden vor Anwendung der Verfahren schmerz- und entzündungshemmende Medikamente in Salbenform auf die Haut über dem Gelenk aufgebracht, unterstützt die Elektro- beziehungsweise Ultraschallanwendung das Aufnehmen dieser Substanzen in das Gelenk und damit eine verstärkte Tiefenwirkung. Die gleichzeitige Anwendung eines äußerlich aufgetragenen Medikaments mit Elektrotherapie nennt man Iontophorese.

Eine spezielle Form der Elektrotherapie ist die TENS (transkutane elektrische Nerven-Stimulation = elektrische Nervenreizung über die Haut). Sie lindert bei etwa 60 Prozent der Patienten die Schmerzen wirksam. Das Prinzip beruht darauf, dass das zentrale Nervensystem (Rückenmark und Gehirn) aus einem bestimmten Gebiet nur einen Reiz auf einmal registrieren und bearbeiten kann. Bei chronischen Schmerzen hat sich der Reiz-Empfindungs-Kreislauf verselbstständigt: Es wird ständig ein Schmerz empfunden, obwohl der Anlass schon längst beseitigt ist. Die TENS setzt nun einen neuen Reiz, dessen Intensität der Patient selbst auswählt und allmählich steigert und unterbricht damit den chronischen Schmerz. Der Vorteil der Therapie liegt darin, dass sie nebenwirkungsfrei ist und zu Hause durchgeführt werden kann. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, zunächst in der Arztpraxis zu testen, ob der Patient darauf anspricht. Ist dies der Fall, erstatten die Kassen die Kosten für das Behandlungsgerät.

Medikamente

Zwei große Medikamentengruppen stehen zur Verfügung: knorpelschützende beziehungsweise -aufbauende Präparate (Chondroprotektiva, Chondro = Knorpel, protektivum = schützendes Mittel) schmerz- und entzündungshemmende Mittel (Antirheumatika), darunter wieder zwei größere Gruppen: nichtsteroidal und steroidal. Steroidal heißt "von Steroiden abgeleitet", dies sind im Wesentlichen Medikamente der Kortison-Familie. Nicht-steroidal sind Medikamente, die den Entzündungsstoffwechsel beeinflussen: Aspirin und Verwandte.

Ziel einer Behandlung mit Chondroprotektiva ist die Heilung der Gelenkveränderung, Ziel der Behandlung mit den Antirheumatika ist die Beseitigung der Beschwerden.

Operationen

Gelenkspiegelung (Arthroskopie)

Am wenigsten eingreifend ist die Operation über das Arthroskop. Vor allem, wenn mechanische Hindernisse wie freie Gelenkkörper oder Meniskuslappen das Gelenkspiel stören, kann ein therapeutischer Eingriff mit Hilfe des Arthroskops erfolgreich sein. In anderen Fällen kann sie den Zeitpunkt für das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes hinauszögern. Der Eingriff wird in Vollnarkose oder in so genannter Leitungsanästhesie, die beide Beine ganz betäubt, vorgenommen. Die Operationswunde ist sehr klein, damit sind auch die Beschwerden nach dem Eingriff gering. Die Gelenkspiegelung kann in jedem Alter vorgenommen werden und belastet kaum, weil der Eingriff in der Regel nur kurz dauert und Kreislauf und Heilungskapazitäten nur gering beansprucht. In 60 Prozent der Fälle lässt sich hierdurch eine mehrmonatige (sechs bis neun Monate) wesentliche Beschwerdebesserung erreichen; in 40 Prozent ist diese nur von kürzerer Dauer.

Um eine erneute Verschlechterung nach dem Eingriff zu verhindern, ist es wichtig, sich genau an die ärztlichen Empfehlungen zu halten, auch, was die Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten betrifft.

Knorpeltransplantation

Bei Verschleißprozessen, also der eigentlichen Arthrose, sind die Möglichkeiten einer derartigen Behandlung sehr begrenzt. Bei bestimmten Knorpelverletzungen kann bei jungen Patienten eine Knorpeltransplantation allerdings in Frage kommen.Die Tendenz zur Spontanheilung von Knorpelverletzungen, also zur Heilung, die der Körper aus eigener Kraft leisten kann, ist nämlich nur äußerst gering. Eine Knorpeltransplantation mit körpereigenem Gewebe kann die Heilungsrate von frischen Knorpelwunden nach Verletzungen steigern. Nach der Transplantation des körpereigenen Gewebes kann sich die Knorpelschicht wieder aufbauen.

Umstellungsosteotomie

Die Korrektur-Osteotomie soll einer Arthrose vorbeugen, indem die Gelenkverhältnisse so abgeändert werden, dass die Belastungen gleichmäßig verteilt werden und eine Arthrose damit gar nicht erst entsteht. Die Operation hat zum Ziel, eine Arthrose bei bereits eingetretener Fehlbelastung (zum Beispiel O-Beinen) von vornherein zu verhindern.

Bei dieser Operation wird das Gelenk selbst nicht angetastet, sondern lediglich die Achse des Unterschenkels geändert, indem ein Knochenkeil aus dem Schienbein entfernt wird. Schrauben und Platten oder ein Fixateur externe fixieren die neue Position. Sie werden wieder entfernt, wenn die neue knöcherne Verbindung ausreichend stabil geworden ist. Inzwischen sind schon 30 Prozent aller Arthrose-(vorbeugenden) Operationen am Knie eine Umstellungsosteotomie.

Kniegelenkersatz (Teil- oder Vollprothese)

Ist nur der innere oder äußere Gelenkanteil betroffen, kann eine Schlittenprothese implantiert werden. Die Kufe des Schlittens wird in die Gelenkrolle des Oberschenkelknochens, die Gleitfläche in den betroffenen Teil des Schienbeinkopfes eingesetzt. Sind beide Gelenkflächen, die innere und die äußere, betroffen, werden beide Gelenkrollen des Oberschenkelknochens überkront und eine Gleitfläche auf dem Schienbeinkopf eingesetzt. Eine Scharnierprothese kommt in Frage, wenn die Bänder instabil sind und ein so genanntes Wackelknie besteht. Ist auch die Kniescheibe arthrotisch aufgeraut, wird sie mit Kunststoff abgedeckt. Die Prothesen können mit oder ohne künstlichen Knochenzement eingebaut werden, je nach Erfahrung des Operateurs und verwendetem Material.

Quelle: bsmo Redaktion, Springer Professional Medicine
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