Gallensteine - Therapie

Gallensteine verursachen meist uncharakteristische Beschwerden wie Völlegefühl oder Druckgefühl im Oberbauch. Die Einklemmung der Steine führt zur Kolik oder zur Entzündung mit heftigen Schmerzen.


Therapie

Für die Entfernung von Gallensteinen stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die von der konservativen Behandlung mit steinauflösenden Medikamenten bis zur operativen Entfernung der Gallenblase reichen.

Akute Behandlung der Kolik

Bei jeder akuten Gallenkolik sollte der Arzt verständigt werden.

Die Behandlung besteht am sichersten in der Gabe eines krampflösenden Mittels direkt in die Vene. Wer wegen eines Herzleidens Nitrospray in der Hausapotheke aufbewahrt, kann versuchen, bis zum Eintreffen des Arztes die Kolik mit zwei Hüben des Sprays zu unterbrechen. Nachdem der Schmerz nachgelassen hat, wird der Arzt Untersuchungen veranlassen, um Sitz und Größe des Steins festzustellen und eine Behandlung einzuleiten.

Steinbeseitigung

Für die Behandlung des Gallensteinleidens durch Beseitigung der Steine stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Auswahl:

  • operativ (mehr oder weniger eingreifendes Vorgehen mit dem Ziel, die gesamte Gallenblase oder nur Gallensteine sofort zu entfernen)
  • konservativ (Behandlung mit Medikamenten, entweder als Kapseln eingenommen oder direkt in die Gallenblase eingebracht)
  • ein Zwischending ist die Stoßwellen-Zertrümmerung von außen (extrakorporale Stoßwellen-Lithotrypsie), die die Steine mit einem Ultraschallwellen-Verfahren von außen zerkleinert. Meist werden sie dann durch konservative Methoden vollständig aufgelöst.

Die operativen Verfahren bieten eine rasche und bleibende Steinfreiheit. Wird die Gallenblase komplett entfernt, können Steine nicht mehr auftreten, die Behandlung ist also endgültig. Allerdings: Wenn sich auch keine Steine mehr bilden können, so können dennoch Beschwerden wieder auftreten. Dies ist meist ein Hinweis, dass andere Ursachen vor der Operation nicht hinreichend ausgeschlossen wurden beziehungsweise werden konnten (Postcholecystektomie-Syndrom).

Die Steinauflösung mithilfe von Medikamenten dagegen dauert lange (sechs bis 24 Monate), die Ursache wird nicht behoben. Das Vorgehen ist zwar weniger gründlich, aber auch weniger eingreifend. Infrage kommt es nur bei einem Fünftel der Patienten, also einem kleinen Personenkreis.

Die Operation geht mit einem Operationsrisiko einher, die konservative Behandlung mit einer hohen Versagerquote.

Zusammenfassung der Behandlungsmöglichkeiten
Behandlungsverfahren Indikation Vorteile Nachteile
Operation über einen Bauchschnitt (Cholecystektomie) - ein oder mehrere Steine größer als drei Zentimeter
- Komplikationen der Gallenblasensteine, zum Beispiel akute Gallenblasenentzündung, Gallengangssteinverschluss
- Endoskopische Therapie (ERCP) nicht erfolgreich
- Minimal-invasives Verfahren nicht möglich
- Sofort Steinfreiheit
- Kein Wiederauftreten
- Größerer Bauchschnitt mit eventuell belastender Heilungsphase
- Operationsrisiko
- Liegedauer in der Klinik durchschnittlich zwei Wochen
minimal-invasive Operation (laparoskopische Cholecystektomie) - ein oder mehrere Steine größer als drei Zentimeter
- Komplikationen der Gallenblasensteine, zum Beispiel akute Gallenblasenentzündung, Gallengangssteinverschluss
- Endoskopische Therapie (ERCP) nicht erfolgreich
- Kleine Schnitte
- Sofort Steinfreiheit
- Kein Wiederauftreten
- Kürzere Liegedauer in der Klinik
(geringes) Komplikationsrisiko durch Vollnarkose und chirurgischen Eingriff
Zertrümmerung durch Schallwellen (ESWL = Stoßwellenlithotripsie) ein bis drei Steine = zwei Zentimeter- Wenig eingreifend
- Häufig durchgeführtes Verfahren
- Längere Dauer bis zur Steinfreiheit
- Behandlung spricht nicht immer an
- Wiederauftreten möglich
Steinentfernung über Endoskop (ERCP) - Schwache Beschwerden, selten Koliken
- 1 Stein: eineinhalb bis drei Zentimeter
- bis drei Steine à ein Zentimeter
Wenig eingreifend (ermöglicht Steinentfernung unter Sicht ohne Bauchschnitt) Durchtrennung des Schließmuskel der Gallengangmündungam Übergang zum Dünndarm
Steinauflösung mit Medikamenten (orale Chemolitholyse) - Schwache Beschwerden, seltene Koliken
- ein Stein kleiner als eineinhalb Zentimeter
- zwei bis zehn Steine kleiner als ein Zentimeter
- Keine Operation notwendig
- Häufig durchgeführtes Verfahren
- Praktisch keine Nebenwirkungen
- Lange Behandlungsdauer
- Wiederauftreten möglich

Letzten Endes ist die Wahl unter anderem abhängig von:

  • individuellen Beschwerden
  • Befunden (Steingröße und -anzahl)
  • bereits stattgehabten Komplikationen (Koliken, Steineinklemmung, Entzündung)
  • dem individuellen Operationsrisiko (Alter, weitere Krankheiten)
  • der Ursache der Steinbildung (Risiko beeinflussbar? zum Beispiel Übergewicht, Ernährungsgewohnheiten, Alkohol)
  • Geduld und Kooperationsbereitschaft des Patienten

Mitentscheidend für die Wahl des Verfahrens ist die Dringlichkeit.

Einige Krankheitsbilder verlangen ein sofortiges oder baldiges chirurgisches Eingreifen, um (unter Umständen lebensbedrohliche) Komplikationen zu verhindern oder zu behandeln).

Ein Beispiel für die Notwendigkeit des sofortigen Eingreifens: Ein Gallenstein blockiert den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse. Als Gefahr droht die akute, lebensbedrohliche Entzündung dieser Drüse. Am wenigsten eingreifend ist hier die Entfernung mithilfe eines Endoskops (optischen Geräts zur Magen-Darm-Spiegelung). Es wird über Mund und Speiseröhre in den Dünndarm geführt. Mit verschiedenen Instrumentarien geht man in den Mündungsgang ein und versucht, den Gallenstein einzufangen, eventuell auch zu zerkleinern, um ihn über die kritische Stelle herauszuziehen.

Ist eine solche Komplikation eingetreten, empfiehlt es sich, zu einem späteren Zeitpunkt eine komplette Entfernung der Gallenblase anzuschließen, um ein zweites Ereignis sicher zu verhindern.

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Zahlreiche kleine Gallenblasensteine zeigen sich nach der Operation. Neben den Steinen (links) ist die geöffnete Gallenblase (rechts im Bild)zu sehen. Wenn viele kleine Steine Beschwerden (Koliken) verursachen, kömmt meist nur die Operation in Frage.

Quelle: Springer Medizin
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